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Der Weg nach Mittelerde von Tom Shippey

Wie J. R. R. Tolkien Der Herr der Ringe schuf

Rezension von Christian Endres

 

Tom Shippey folgt einmal mehr den Spuren von J. R. R. Tolkien, dem großen Weltenschöpfer der fantastischen Literatur. Doch auch beruflich, als Sprachforscher und Philologe, ist Shippeys Werdegang eng mit dem des Professors und Hobbitvaters aus Oxford verbunden. In Folge dessen scheint es keinen britischen Sprachforscher und Mittelerdebegeisterten zu geben, der besser dafür geeignet wäre, Tolkiens Weg nach Mittelerde zu hinterfragen und abermals haarklein die Quellen und Impulse aufzuzeigen, die Tolkien zur Schaffung seiner archetypischen Fantasy-Mythologie bewogen haben.

 

Bereits 1982 hat sich Shippey daran gemacht, The Road to Middle-earth niederzuschreiben. 2005, nach Herausgabe der History of Middle-earth durch Tolkiens Sohn Christopher und den Abschluss von Peter Jacksons Film-Trilogie, schien allerdings eine Überarbeitung, Ergänzung und Erweiterung der umfassenden wissenschaftlichen Betrachtung Tolkiens nötig. Diese aktualisierte Fassung hat es nun in schöner Hardcover-Aufmachung und sorgfältiger Pesch-Übersetzung auf den deutschen Markt geschafft, um sich auch hierzulande zwischen den unzähligen Sekundärwerken zu Tolkien und Mittelerde einzureihen.

 

Nach Sichtung und Lektüre des Bandes stellt sich nicht die Frage nach der Qualität. Tom Shippeys akademische Leistung steht hier gar nicht zur Debatte, ebenso seine fundierte Kenntnis von Tolkiens Person, Mittelerde, den sprachlichen und akademischen Wurzeln des Professors oder auch nur der Philologie im Allgemeinen. Was sich allerdings stellt, das ist die Frage nach einem allegorischen Werk, wenn Tolkien selbst doch einst im Vorwort des Herrn der Ringe schrieb, wie sehr er die Allegorie doch verabscheue. Und ja, natürlich kämpft Shippeys detailverliebte, akribisch recherchierte und wissenschaftlich höchst anspruchsvolle Analyse auch mit der Zielgruppe.

 

Denn der Durchschnitts-Mittelerde-Reisende wird mit dieser üppigen wissenschaftlichen Betrachtung nur bedingt Freude haben und sich trotz Shippeys lebendigem, fast populärwissenschaftlichem Schreibstil oftmals ohne Frage auch ganz schön schwer tun. Akademische Werke wie dieses wirken nun mal leider gerne ein wenig inzestuös - kein Wunder, sind sie doch von Kennern für Kenner geschrieben (was weniger eine Herabwürdigung von Shippeys Leistung als viel mehr Einordnung der inhaltlichen Komplexität des Sachbuchs sein soll).

 

Das Interesse an Sprache und der tiefschürfenden Analyse eines gigantischen Werkes wie Tolkiens Mittelerde-Epen muss also definitiv in einem Höchstmaß gegeben sein, um mit Shippeys nicht weniger üppigen Betrachtung warm zu werden. Ein Titel der Philologie oder ein Lehrstuhl in Oxford sind für die Lektüre von »Der Weg nach Mittelerde« zwar keine Pflicht - hilfreich wären sie manchmal allerdings schon.

 

 

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Buch:

Der Weg nach Mittelerde

Autor: Tom Shippey

Hardcover, 529 Seiten

Klett Cotta, März 2008

ISBN: 3608936017

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 14.03.2008, zuletzt aktualisiert: 10.05.2020 20:42