Der Zementgarten (DVD)
 
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Der Zementgarten (DVD)

Filmkritik von Julia

 

Rezension:

Zeitgenössische Literatur sorgt oft für Denkanstöße und hat den Anspruch aufzuwühlen. Dem Buch Der Zementgarten von Ian MacEwan ist das auf jeden Fall gelungen, so sehr, das dieser Roman inzwischen auch verfilmt worden ist. Obwohl der Film aus dem Jahre 1992 stammt, hat er an seiner Aufrichtigkeit und seiner Aussagekraft nichts verloren und so kann man sich über diese Neuerscheinung freuen.

 

Das Drama spielt sich in einem abgelegenen englischen Vorort ab, wo ein recht einfaches Haus steht. Es wirkt etwas heruntergekommen und vor allem einsam inmitten der Felder, der Müllhalde und der durch den Sommer ausgetrockneten Gegend. Die Familie, bestehend aus Vater, Mutter und vier Kindern zwischen sechs uns sechzehn Jahren ist nicht wohlhabend, der Vater jedoch vernarrt in seinen Garten, den der liebevoll pflegt. Eines Tages gefällt ihm dieser Garten mit den Pflanzen und steinernen Kunstwerken nicht mehr, sodass er sich vornimmt diesen mit Zement auszugießen. Obwohl Zement sehr teuer ist, kauft er es und lagert es in seinem Keller.

Der älteste Sohn Jack, der mitten in der Pubertät steckt und nicht weiß, wo er mit seinen Emotionen, der Lust und dem Frust hin soll, versucht dem Vater weitestgehend aus dem Weg zu gehen, was dieser jedoch nicht zulässt. Autoritär befielt er dem Jungen, ihm beim zementieren des Gartens zu helfen. Es ist kurz vor den Sommerferien und während dieser Arbeit erleidet der Mann einen Herzinfarkt, an dem er stirbt.

Kurz darauf erkrankt die Mutter schwer, sie hat Krebs und kann sich nicht mehr um den Haushalt oder um ihre Kinder kümmern. Vor allem dem jüngsten Sohn macht diese Situation zu schaffen. Die älteste Tochter wie auch die zweitälteste versuchen den Haushalt zu handhaben, da Jack sich für nichts verantwortlich fühlt.

Kurze Zeit später stirbt auch die Mutter. Da die Familie keine Freundschaften gepflegt hat, fällt das niemandem auf und die Kinder fürchten sich, getrennt und in Pflegeheime untergebracht zu werden, weswegen sie beschließen diesen neuen Umstand für sich zu behalten.

In einer Nacht und Nebelaktion verfrachten Julie und Jack die Leiche der Mutter in den Keller, wo sie diese in einem alten Stahlschrank einbetonieren. Zunächst scheint alles gut zu laufen, die Kinder genießen ihre Freiheit, doch dann lassen sie das Haus zunehmend verwahrlosen und auch das Geld wird knapp.

Akuter sind jedoch die Gefühle Jacks für seine Schwester Julie, zu der er sich zunehmend hingezogen fühlt. Als diese einen Freund mit nach hause bringt, der bereits ein Auto hat und um einiges älter ist, stellt dieser nicht nur unangenehme Fragen, sondern ist Jack auch eindeutig ein Dorn im Auge.

 

Wenn man das Buch gelesen hat, entdeckt man sehr viele Parallelen. Das Buch wurde im Grunde eins zu eins als Film umgesetzt, allerdings fehlen hier die seelischen Abgründe Jacks, die im Buch um einiges deutlicher sind und im Film nur angerissen werden. Dennoch überzeugt die düstere Atmosphäre, die deutlich auf Einsamkeit und Isolation abspielt, in der die Kinder hausen. Schon allein, das bis zum Ende hin niemand bemerkt, dass die Kinder alleine sind, fällt auf und spricht für sich.

Zwar handelt dieser Film auch von Inzest, dass aber nur am Rande, während dieser Punkt im Buch einen großen Raum einnimmt. Stattdessen gibt es einige Szenen, bei denen man sich nicht ganz sicher ist, was man davon halten soll.

Das es sich bei dieser recht zarten Liebe zwischen Jack und Julie um etwas handelt, das kaum ausgelebt wird, versteht der Zuschauer rasch, da es noch Werte und Normen gibt, diese jedoch in diesem Rahmen, in dem sich die Kinder bewegen, nur bedingt gelten. Sie leben in ihrem Haus fernab von den Erwachsenen und deren Borniertheit, vielmehr genießen sie ihren Freiraum und da ist die aufkommende Liebe nur eine notwendige Konsequenz, da beide Jugendliche die Vater und Mutterrolle für ihre jüngeren Geschwister übernommen haben.

Die Schauspieler überzeugen in ihren Rollen und wurden auch passend besetzt, sodass man sie direkt mit den Personen der Geschichte identifizieren kann.

 

Fazit:

Alles in allem liegt hier ein aufwühlender Film vor, der von Isolation und Begierde aber auch vom Erwachsen werden, fernab aller Fesseln erzählt. Ein Psychodrama der besonderen Art, das man nicht einfach zur Unterhaltung sehen kann, aber dennoch sehenswert ist!

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 2024041812085443531700
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DVD:

Der Zementgarten

Original: The Cement Garden

Frankreich, BRD. UK, 1992

Regie: Andrew Birkin

Komponist: Edward Shearmur

Format: Dolby, PAL

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo), Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)

Region: Region 2

Bildseitenformat: 1.66:1

FSK: 16

Highlight, 4. Juni 2009

Spieldauer: 105 Minuten

 

ASIN: B001Y3S05O

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Andrew Robertson

Charlotte Gainsbourg

Alice Coulthard

Ned Birkin

Sinéad Cusack

Hanns Zischler

Jochen Horst

 


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Erstellt: 19.07.2009, zuletzt aktualisiert: 16.03.2023 18:04, 8978