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Des Königs Dolche von Dave Duncan

Reihe: Des Königs Klingen Bände 1-3

 

Rezension von Christian Endres

 

Hinter Des Königs Dolche verbirgt sich vielerlei: Es ist ebenso ein Sammelband mit drei bisher unveröffentlichten Romanen aus Dave Duncans Klingen-Universum, wie es auch das Debüt eines neuen deutschen Verlages ist, der sich die Veröffentlichung phantastischer Literatur in edel aufgemachten und hochwertig verarbeiteten Hardcover-Sammlerausgaben auf die Fahne geschrieben hat. Ob Duncans Erweiterung seiner Klingen-Reihe oder das Debüt des Otherworld-Verlages dabei von Erfolg gekrönt waren, galt es in diesem Falle also herauszufinden, als ich mich mit erwartungsfroher Miene dem Paket näherte, in dem sich das erfreulich-dicke Hardcover befand und auf eingehende Lektüre und weiterführende Prüfung wartete …

 

„Des Königs Dolche“ versammelt in besagtem Hardcover-Band die Einzelbände „Sir Stahlhart“, „Sir Ambrose“ und „Silbermantel“ in deutscher Erstausgabe, welche sich wieder einmal mit Duncans Klingen-Thematik beschäftigen und dabei auf über 600 Seiten das gewohnte Programm abspulen, wie man es eben von einem echten Duncan erwartet – zumindest wenn die Klingen im Spiel sind. Leider ist aber auch genau dieser „typische Duncan“ das Problem des Buches: Viel zu selten kitzelt mich eine Innovation, viel zu selten gibt es eine wirklich zündende Idee, und wenn wir schon beim Zündeln sind, dann muss ich leider auch gestehen, dass der Funke nicht immer übergesprungen ist, die Figuren und deren Schicksale mich nicht immer mitreißen oder bewegen konnten. Dennoch merkt man den drei Büchern – und damit dem gesamten Sammelband – an, dass Duncan sein Handwerk versteht. Das fängt bei seinem Schreibstil an, spiegelt sich in seinem stets vorhandenen, teils köstlich augenzwinkernden Humor wieder und endet darin, dass er auch einer etwas stereotypen Handlung bzw. einem nicht gar so komplexen Figuren-Asemble immer wieder interessante Facetten abgewinnen kann. Das reicht zwar nicht, um dieses Auswärtsspiel der Klingen zu einem wahren Meisterwerk der Fantasy zu machen, doch genügt es allemal, um ein kurzweiliges, actiongeladenes Fantasy-Feuerwerk abzubrennen, das vor allem die Fans von Duncan und/oder actionreicher Mantel-und-Degen-Fantasy anlocken und an der Seite von Wanze und Schwester Smaragd auf die Reise schicken wird ...

 

Und auch wenn der Inhalt manchmal einfach etwas zu stereotyp daher kommt und den geübten Fantasy-Leser nicht immer überzeugen oder wenigstens doch mitreißen und mitfiebern lassen kann, bleibt doch gerade die Aufmachung des Buches nichts schuldig und macht das Debüt des Otherworld-Verlages auf dem deutschen Buchmarkt – nicht nur im Bereich Fantasy, wohlgemerkt! - zu einem echten Highlight, dessen Preisleistungsverhältnis zumindest auf dem zweiten Blick (drei Bücher – klingelt’s?) mehr als nur stimmt und zudem noch viele Vorteile und nette Gimmicks zur Schau stellt: Vom Lesebändchen bis hin zum mit partiziellem Drucklack veredeltem Schutzumschlag fahren Michael Krug und der Otherworld-Verlag hier alle Geschütze auf, derer man heutzutage als Herausgeber, Gestalter oder Verleger habhaft werden kann. Da gehören das gute Papier, die Goldprägung des Halbleinens, das Kartenmaterial und die gelungene Überersetzung durch Verlags-Gründer und Herausgeber Michael Krug schon fast zum Standard. Wären ein paar kleinere typographische Fehler bei manch einem Seitenüberlauf nicht, könnte man hier wirklich guten Gewissens – und vor allem mit einem bibliophil-befriedigtem Grinsen – von einem tadellosen, sterngekrönten Debüt sprechen. So reicht es allerdings „nur“ zur Höchstnote – ohne Stern. Dennoch macht schon die Aufmachung der ersten Veröffentlichung definitiv Lust auf mehr und lässt Gutes hoffen – Fantasy-Bücher müssen also nicht immer im obligatorischen Taschenbuch daherkommen oder nur dann ein Hardcover abkriegen, wenn der Autor Terry Pratchett oder J. R. R. Tolkien oder der Held Harry Potter heißt. Eine erfreuliche Entwicklung, will ich meinen, die man einfach nur honorieren muss – erst Recht, wenn sie im Regal dann auch noch dermaßen gut ausschaut!

 

Fazit: Fans von Dave Duncan, seiner Klingen-Welt oder actiongeladener Mantel-und-Degen-Fantasy voller Kurzweil und ohne Herausforderung werden bei „Des Königs Dolche“ voll auf ihre Kosten kommen und können eigentlich gar nichts falsch machen. Alle anderen können ebenfalls getrost einen Blick in den Band werfen, sollten unter Umständen aber schon die Vorgänger kennen oder zumindest wissen, dass sie sich hier keine komplexe High Fantasy-Saga ins Haus holen, sondern wirklich nur solide, handwerklich gut gemachte und eben äußerst kurzweilige Unterhaltung.

 

Ein hervorragend aufgemachter Lesespaß für zwischendurch also, der allerdings nicht gerade durch Tiefgang oder Komplexität besticht, dafür aber auch zu entspanntem Lesen einlädt.

 

Debüt gelungen, bitte mehr davon! Ich bin gespannt, was wir vom Otherworld-Verlag künftig noch alles erwarten dürfen, und freue mich auf weitere Publikationen auf diesem aufmachungstechnischen Niveau. Weiter so!

 

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Buch:

Des Königs Dolche

Originale: Sir Stalwart, 1999, The Crooked House, 2000 und Silvercloak, 2001

Autor: Dave Duncan

Übersetzer: Michael Krug

Hardcover, 600 Seiten

Otherworld Verlag, September 2006

 

ISBN-10: 3950218505

ISBN-13: 978-3950218503

 

Erhältlich bei Amazon

Inhalt:

  • Band 1: Sir Stahlhart

  • Band 2: Sir Ambrose

  • Band 3: Silbermantel


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Erstellt: 21.09.2006, zuletzt aktualisiert: 24.03.2023 15:22