Des Teufels Maskerade von Victoria Schlederer

Rezension von Christel Scheja

 

2008 schrieb der Heyne-Verlag einen Wettbewerb für Fantasy-Romane aus, al dem sich mehr als tausend junge Talente beteiligten. Am Ende befanden sich fünf Manuskripte in der Endrunde, unter denen dann schließlich der Gewinner ausgewählt wurde. Bekannte Autoren und Lektoren saßen in der Jury und machten sich die Auswahl nicht leicht. Dementsprechend wurde auch ein Buch ausgezeichnet, das schon allein durch seinen Stil und sein Setting aus der Masse heraus ragte: „Des Teufels Maskerade“ von Victoria Schlederer.

Die 1985 geborene Autorin wurde in Wien geboren und studierte in ihrer Heimatstadt und Rotterdam Politikwissenschaft, Geschichte und Tschechisch, arbeitete auch schon als Journalistin. Ihre Leidenschaft gilt dem Schreiben.

 

Im heißen Sommer des Jahres 1909 erhält Baron Dejan Sirco in seinem Detektivbüro für Okkulte Angelegenheiten in Prag einen delikaten Auftrag. Ein alter Freund und Geliebter, Graf Felix Trubic bittet ihn, heraus zu finden, wer ihm und seinen Vorfahren den Tod bringen will, denn inzwischen fühlt auch er sich von dem todbringenden Fluch bedroht, der schon seine Vorväter heimgesucht hat.

Zunächst glaubt Dejan, dass vielleicht einer der Feinde des Grafen, die er in seiner Zeit als Geheimagent für den Kaiser angesammelt hat, dem Mann nach dem Leben trachtet, denn er trifft auf ein Netz von Lügen und Intrigen, die sich um Trubic spinnen. Doch dann werden er und seine Helfer, die kluge und vorwitzige Dirne Esther, der hitzköpfige Straßenjunge Mirko und nicht zuletzt Sir Lysander Sutcliffe, der selbst unter einer Verwünschung leidet und im Körper eines Otters gefangen ist, eines Besseren belehrt.

Je mehr sie sich mit dem Fall beschäftigen, desto deutlicher wird, das übernatürliche Kräfte ihre Finger mit im Spiel haben und den Grafen zu etwas benutzen wollen, was sich zu einer großen Verschwörung bis an den Hof des Kaisers ausweiten könnte.

So reist der Baron in der Folge immer wieder zwischen Wien und Prag hin und her, um das Geflecht aus Gerüchten und Lügen zu entwirren und das Schlimmste zu verhindern. Dabei zeigen seine Gegner immer wieder, dass mit ihnen nicht zu spaßen ist – und irgendwann buchstäblich Zähne.

 

Bei einem Fantasy-Roman erwartet man eigentlich zunächst fremde und archaische Welten mit vielen exotischen Rassen und Kreaturen, dem epischen Kampf von guten und bösen Kräften oder zumindest einen gehörigen Schuss Magie und lebendig gewordene Mythen, aber genau diese Elemente setzt Viktoria Schlederer nur sehr gezielt ein.

„Des Teufels Maskerade“ erinnert nicht nur im Stil an die phantastischen Romane des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, da sie sich einer sehr hochgestochenen Sprache bedient und die Helden lieber ausführliche Dialoge führen lässt als in dramatische Situationen stürzt, auch inhaltlich setzt sie mehr auf glaubwürdige Schilderungen von Prag, Wien und dem Leben der begüterten Oberschicht in den letzten Jahren der K & K-Monarchie als auf Magie und Action. Tatsächlich sind die phantastischen Elemente sehr sparsam eingesetzt und bleiben im Hintergrund, wenn man einmal von dem sprechenden Otter absieht. Auch wenn man es manchmal meinen mag – Sir Lysander verkommt auch nicht zur Witzfigur, obwohl er für die meisten Schmunzler sorgt.

Die Geschichte wird zudem nicht geradlinig erzählt. Immer wieder unterbrechen Tagebucheinträge und Briefe die Ich-Erzählung und enthüllen andere Aspekte der Geschichte, die einige der Ereignisse in einem anderen Licht erscheinen lassen, aber auch erst einmal erkannt werden müssen. So setzt sich das Gesamtbild erst nach und nach zu einem Ganzen zusammen. Auch die Charaktere sind erfrischend vielschichtig, zeigen Ecken und Kanten, Schwächen und überraschende Eigenschaften im Verlauf des Buches.

Allerdings besitzt die Geschichte im Mittelteil ein paar Längen, da einige Begegnungen sehr unnötig erscheinen und die Handlung leicht ins Stocken gerät. Das ist aber auch schon alles, was man dem Roman vorwerfen kann.

 

Damit ist es Victoria Schlederer gelungen mit „Des Teufels Maskerade“ einen erfrischend anderen Roman zu verfassen, der vor allem den Lesern gefallen dürfte, die in erster Linie anspruchsvolle phantastische Literatur mit einem komplexen Inhalt bevorzugen.

Allein der durchschnittliche Fantasy-Fan wird nichts von dem finden, was ihm eigentlich lieb und teuer ist, nicht einmal wenn er oder sie auch sonst gerne Urban Fantasy mit Vampiren und Co. lesen. Denn rasante Abenteuer und ans Herz gehende Dramatik kann das Werk nicht bieten.

 

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zuletzt aktualisiert: 25.07.2021 14:15 | Users Online
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