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Despereaux von Kate DiCamillo

Von einem der auszog, das Fürchten zu verlernen

Hörbuch gesprochen von Rosemarie Fendel

 

Rezension von Christian Handel

 

Rezension:

Rechtzeitig zum Filmstart des Animationsstreifens Despereaux hat die Hörcompany ihr bereits vor einigen Jahren produziertes Hörbuch zum gleichnamigen Roman von Kate DiCamillo noch einmal neu aufgelegt – passend und werbewirksam natürlich mit einem Bild aus dem Kinofilm als Cover.

 

Wer aufgrund der Darstellung des kleinen Mäuserichs mit ungewöhnlich großen Ohren und der Tatsache, dass dieser eine Nadel hoch erhoben wie ein Schwert hält, ein Klamauksstück in der Tradition von Tom & Jerry befürchtet, der sei beruhigt: Die Geschichte von Despereaux ist, trotz gelungener humorvoller Einlagen, alles andere als ein einfacher Schenkelklopfer. „Despereaux“ ist ein wunderbares Abenteuer in der Tradition der Rittermärchen, dass eine unterhaltsame und gleichsam hintergründige Geschichte erzählt, die zwar auf ein junges Publikum zugeschnitten ist, aber auch die älteren Generationen fabelhaft zu unterhalten weiß.

 

In einer namenlosen Burg wird ein kleines Mäusebaby geboren. Der kleine Despereaux, jüngster und letzter Spross einer binationalen Großfamilie – sein Vater ist Engländer, seine Mutter eine eingewanderte Französin – erweist sich aber als völlig untypisches Exemplar seiner Rasse. Das liegt nicht nur an seinen ungewöhnlich großen Ohren, seinem kränklichen Gesundheitszustand, der Gewohnheit, in Ohnmacht zu fallen und kein allzu großes Interesse am Fressen zu haben, sondern vor allem daran, dass er sich nach etwas anderem sehnt. Despereaux ist ein Außenseiter, der sich zwar ebenso gern in der Bibliothek herum drückt wie seine große Schwester – aber anstatt an den Papierseiten der Bücher zu knabbern, liest er lieber Märchen! Seine Familie ist am Verzweifeln.

 

Das Maß läuft endgültig über, als Despereaux, angelockt von deren Musizieren, dem König und seiner Tochter begegnet und ein Gespräch mit diesen beiden beginnt. Er kann einfach nicht anders, hat er sich doch Hals über Kopf in die Menschenprinzessin verliebt!

Die Mäusegemeinde im Schloss läuft Sturm. Der junge Sonderling hat eine Sache zu viel verbockt und der Mäuserat sieht sich gezwungen, dem ganzen den Riegel vorzuschieben. Über den ängstlichen Despereaux wird die schlimmste Strafe verhängt, die es zu verhängen gibt. Despereaux wird ins Verlies geschickt, dem Zuhause der heimtückischen, mordenden Ratten. Dieser Urteilsspruch kommt einem Todesstoß gleich. Denn Despereaux weiß, das noch keine Maus einen Ausflug ins Verlies überlebt hat.

 

Was Despereaux jedoch nicht weiß ist, dass es auch im Verlies unter seinen Feinden einen gibt, der anders ist als alle anderen. Roscuro, die Ratte, die sich nach Licht sehnt und die verdreckte Welt seines Volkes endgültig hinter sich lassen will.

 

Und dann ist da noch Miggery Sow, das halbtaube Dienstmädchen, der das Leben so übel mitgespielt hat und die so gern einmal Prinzessin wäre. Als sich die Wege dieser Außenseiter kreuzen, setzt das Ereignisse in Gang, die Despereaux dazu zwingen, seine Angst beiseite zu schieben und über sich hinauszuwachsen. Denn plötzlich ist nicht nur sein Leben, sondern auch das seiner geliebten Prinzessin in Gefahr!

 

Es ist ein wunderbares, tiefgründiges Abenteuermärchen, das Kate DiCamillo mit „Despereaux“ erzählt – und das die Schauspielerin Rosemarie Fendel gefühlvoll und passend eingelesen hat. Dabei verkünstelt sich Fendel gar nicht sonderlich. Mit sanfter, ausdrucksstarker Stimme liest sie die Ritterparabel behäbig wie eine freundliche Märchentante eine Gute Nacht-Geschichte. Das ist ungewöhnlich – und äußerst angenehm.

 

Hat man die ersten zwei, drei Tracks des Hörbuches, die recht langsam anfangen, hinter sich gebracht, erliegt man dem Reiz der phantastischen Geschichte, die sich trotz all der skurrilen Einfälle als tief menschliche Metapher für Akzeptanz, Mut, Anderssein und Toleranz entpuppt, das so geschickt als Tierfantasy und Rittermärchen für ein junges Publikum daher kommt.

 

Dabei ist der Titel gar etwas irreführend, ist doch Despereaux keinesfalls die einzige Hauptfigur der Erzählung. Mindestens ebenso viel Raum wie ihm wird der Ratte Roscuro und der Dienerin Miggery Sow – beides noch tragischere Figuren als der Mäuserich selbst – gewährt. Das Leben aller drei Protagonisten wird in Rückblenden erzählt. Und die Prinzessin, in die sich Despereaux verliebt, erweist sich als Katalysator zur Wandlung aller drei Einzelschicksale – ob zum Guten oder zum Schlechten.

 

Da es Kate DiCamillo gelingt, ihre Botschaft greifbar und in einfachen Worten zu verpacken, eignet sich ihre Geschichte auch durchaus für das junge Publikum, auf das sie zugeschnitten ist. Mit rund vier Stunden Laufzeit ist das Hörbuch zudem kurz genug, um die Aufmerksamkeit und Geduld der kleinen Zuhörer nicht überzustrapazieren.

 

Fazit:

Abschließend ist deshalb zu bemerken, dass man dem Charme von „Despereaux“ beinahe unwissentlich erliegt. Bücher und Hörbücher wie dieses gibt es leider viel zu selten. Deshalb sollte man sich das vorliegende auch keinesfalls entgehen lassen!

Eure Meinung:


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Hörbuch:

Despereaux

Von einem der auszog, das Fürchten zu verlernen

Autorin: Kate DiCamillo

Übersetzerin: Sabine Ludwig

Sprecherin: Rosemarie Fendel

Umfang: 3 CDs

Laufzeit: 3 Stunden, 55 Minuten

HörCompany, 23. Februar 2009

 

ISBN-10: 3939375586

ISBN-13: 978-3939375586

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 02.05.2009, zuletzt aktualisiert: 28.09.2019 12:46