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Dhelian - Die andere Wirklichkeit von Norma Feye

Rezension von Björn Backes

 

Story:

Bereits seit frühester Kindheit steht die junge Medizinstudentin Naomi mit der phantastischen Welt von Dhelian in Kontakt. In ihren Träumen hat sie den jungen Prinzen Siawn kenne und schätzen gelernt und in seinem imaginären Beisein mehr über Land, Kultur und Völker Dhelians erfahren können. Als Naomi bei einem schweren Verkehrsunfall ins Koma versetzt wird, verharrt sie erstmals dauerhaft in Dhelian – ohne Aussicht auf eine Rückkehr in ihre reale Welt. Und ebenso wie ihr alltägliches Leben so ist auch das Reich der Träume auf heftige Art und Weise erschüttert worden. Der König von Dhelian ist ermordet worden und ausgerechnet Siawn, sein Sohn, wird bezichtigt, für die Bluttat verantwortlich zu sein. Doch da Siawns vermeintlicher Leichnam nicht gefunden wird und sich sein konkurrierender Cousin Domai auf den Thron setzen lässt, hegt Naomi erste Zweifel – und wird hierfür in den Kerker verbannt. Mit Hilfe eines Amazonenheeres gelangt sie jedoch schnell wieder zurück in die Freiheit und erkämpft sich langsam aber sicher mehr Einfluss im zerrissenen Königreich. Unter dem Vorwand, in der Hierarchie aufsteigen zu wollen, untersucht die nach wie vor den Mordkomplott um Siawn und seinen Vater – und begibt sich dabei nicht nur einmal in erhebliche Gefahr…

 

Rezension:

Das mitunter größte Problem von „Dhelian – Die andere Wirklichkeit“ besteht wohl darin, dass die Inhaltsangabe einen so abgegriffenen Eindruck der Story hinterlässt, dass deren tatsächliches Potenzial nur sehr marginal erahnt werden kann. Kinder, die im Land ihrer Träume in erhabene Fantasy-Welten abtauchen und dort plötzlich in politische Ränke und actiongeladene Abenteuer gerissen werden, sind nicht erst seit gestern ein wesentlicher Bestandteil der modernen Phantastik und daher sicherlich nicht das, was man als Hauptelement eines Romans als sonderlich originell hervorheben darf. Dennoch: Die Art und Weise, wie die junge Autorin Norma Feye ihre Charaktere beschreibt und in die Geschichte einfügt, ist bemerkenswert und ungewöhnlich und infolge dessen auch durchaus lesenswert – zumal sich Faye zu keinem Zeitpunkt der Handlung auf bewährte Klischees und dergleichen verlässt.

 

Das effektivste Stilmittel für die Erzählung um das Königreich Dhelian ist wohl die Dramaturgie, die die Autorin in ihrem aktuellen Werk regelrecht inszeniert. Dabei meistert sie den Balanceakt zwischen echter, real anmutender Theatralik (den Unfall betreffend) und den schicksalhaften Ereignissen in der Traumwelt der Protagonistin sehr geschickt, schafft fließende Übergänge, hebt aber beide Settings immer wieder als individuell und dennoch zusammengehörig hervor. Zeitweise fühlt man sich sogar an die Geschichten um das Königreich Narnia erinnert, lediglich mit dem entscheidenden Unterschied, dass „Dhelian“ erwachsener und in seiner Darstellung auch variabler wirkt. Die Hintergründe der Geschichte bieten im willkommenen Vergleich mehr Tiefe, die Charaktere sind im Hinblick auf ihre Motive viel unterschiedlicher gestrickt und die Story als solche wirkt zwar durchschaubar, sorgt aber mit vielen kleinen Überraschungen dafür, dass die persönliche Intuition in die Irre geführt wird.

Dass sich Feye unterdessen altbekannter Fantasy-Persönlichkeiten bedient, kann man ihr letzten Endes auch nicht anlasten. Das Amazonenheer scheint hier als emanzipierte Erscheinung im Bereich der Phantastik zwar dann doch noch gewissermaßen die Rolle eines Klischees zu übernehmen, passt aber ebenso prima in die Handlung wie das innerlich gestörte Verhältnis im Königshaus und das ganz fein ausgeklügelte politische System Dhelians – alles an sich bekannte Elemente, die hier jedoch sehr frisch in die Handlung eingeflochten werden und zu keiner Zeit die Rolle eines überstrapazierten Segments übernehmen.

Folgerichtig geht „Dhelian – Die andere Wirklichkeit“ nach einem bewegenden Finale auch souverän über die Ziellinie und punktet dort noch einmal mit einer in sich abgeschlossenen, einfallsreichen Struktur samt logischem Abschluss-Arrangement. Da kann man am Ende nur sagen: Schön dass auch die deutsche Fantasy noch so viel schlummerndes Potenzial beherbergt, wie es in diesem Roman nachhaltig präsentiert wird.

 

 

Fazit:

Norma Feye bestätigt, dass man der modernen Fantasy auch ohne wirklich neuartige Einfälle noch frische Impulse verleihen kann. „Dhelian – Die andere Wirklichkeit“ ist jedenfalls eines der besten Themenwerke der letzten Monate und gerade auf dem hiesigen Buchmarkt ein echtes Highlight.

 

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Eure Meinung:

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Buch:

Dhelian - Die andere Wirklichkeit

Autorin: Norma Feye

Taschenbuch, 347 Seiten

Papierfresserchens MTM-Verlag /TOMA-Edition 19. Januar 2009

 

ISBN-10: 3940367370

ISBN-13: 978-3940367372

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 07.10.2009, zuletzt aktualisiert: 05.08.2021 19:41