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Diadem

Hörspiel

Reihe: Top Secret Akte 002

 

Rezension von Oliver Kotowski

 

Rezension:

Die Nonne Lucrezia erhält eine besondere Ehrung: Sie darf das legendäre Diadem aufsetzen. Der Mönch klärt sie auf, dass es ihr die volle Weisheit nur zuteil werden lässt, wenn sie einen Teil des Diadems wie ein Visier herunterklappt. Lucrezia kommt der Aufforderung nach und muss eine grauenhafte Erfahrung machen. Kurze Zeit später läuft die erblindete Nonne dem streitenden Ehepaar Moravia direkt ins Auto. Der Wagen hat einen Totalschaden und die Angefahrene wird fünfzig Meter durch die Luft geschleudert – und doch sind ihre Verletzungen anscheinend nur gering.

Unterdessen schleichen sich die Top-Agenten der geheimen US-Regierungsorganisation Trinity Jade Morgrave und W. A. Rawleigh auf der Suche nach dem verschwundenen Andrew Spillane bei dem italienischen Gangster Gaetano di Tempesta ein. Rawleigh lädt schon die Daten auf den USB-Stick, als Morgrave Alarm schlägt – Gaetanos Männer sind im Anmarsch! Warum dauert das Herunterladen bloß so lange?

 

Wie schon in Herz aus Eis, der vorigen und ersten Folge der Reihe Top Secret, spielen in Diadem die Rätsel eine große Rolle: Was ist mit der Nonne Lucrezia, was ist mit dem Diadem? Wie passt der Mafiosi di Tempesta ins Bild? Was wurde aus Spillane? Action ist natürlich wiederum wichtig – es gibt einen Autounfall, Rettung in letzter Sekunde und handfeste Handgreiflichkeiten – wenn auch nicht so gewichtig wie im Vorgänger. Leider, denn die Action funktioniert durchaus, während die Rätsel nicht mehr aufgehen. Das liegt zum Teil an der eigenwilligen Plotstruktur: Üblicherweise beginnen die Dinge – wie im chinesischen Sprichwort – klein und bescheiden. Im Laufe der Geschichte steigt dann mit dem Einsatz die Spannung. In Diadem ist es andersherum: Zu Beginn scheint es mindestens um ganz Rom, wahrscheinlich aber viel mehr zu gehen, am Ende scheint es eine kleine Rachegeschichte zu sein, bei der die Leben zweier (nicht einmal innocent sondern) guilty bystander in Gefahr geraten. "Scheint" ist wichtig, denn es gibt große Ungereimtheiten – der Zustand der Nonne wird auf sehr unterschiedliche Art erklärt (und eine Erklärung ist gleich so dämlich, dass man sich fragt ob da vielleicht unsere 'Top-Agenten' Raupen im Kopf haben, wenn sie solchen Schwachsinn glauben) – ein Hinweis darauf, dass nicht alles ist, wie es scheint. Vielleicht werden in der dritten Folge Tage des Zorns die Fragen zufrieden stellend beantwortet. Allerdings wurden die offenen Fragen aus der ersten Folge auch nicht wieder aufgegriffen. So bleibt einiges an Skepsis zurück.

Gleichwie, für sich genommen funktioniert der Plot der actionreichen Mystery-Geschichte nicht, weil er einen Antiklimax verwendet und die Rätsel entweder gar nicht oder nur sehr dümmlich löst.

 

Trotz der vielen guten Sprecher ist die Leistung insgesamt etwas schwächer als beim letzten Mal. Die Stammbesetzung (Klaus Dieter Klebsch als Erzähler, Christine Pappert als Jade Morgrave, Thomas Karallus als W. A. Rawleigh, Wolfgang Condrus als Charles Desmond und Andreas Borcherding als Mr. Baker) machen ihre Sache gewohnt gut, auch wenn sie bisweilen an ihre Grenzen zu stoßen scheinen: Wenn Christine Pappert stets dasselbe Geräusch macht, wenn Jade wieder mal einen Schlag kassiert, ist das schon ein wenig befremdlich, wenn sie es jedoch bei jeder Gelegenheit macht, in der Jade physisches Unbill erleidet, dann wirkt es eher albern.

Die weiteren Sprecher machen ihre Sache ebenfalls relativ gut, auch wenn es hier mehr Schwankungen gibt. Jo Kern, die Hörern des bayrischen Rundfunks oder als Schauspielerin diverser Nebenrollen bekannt sein mag, hat mich als gefolterte Nonne Lucrezia nicht überzeugt; sonst war ihre Performanz jedoch in Ordnung. Witzigerweise hat Kern wie alle anderen Sprecher in der Maritim-Produktion der Sherlock Holmes-Reihe mitgewirkt – wer also diese Reihe kennt, wird alle hier genannten Stimmen schon einmal gehört haben. Christian Mey (Pater Amorth) und Daniela Hoffmann (Therese Moravia) sind beides Veteranen des Hörspiels, wobei erstere vor allem Maritim und Europa die Treue hielt und vielleicht aus Die drei ??? oder Larry Brent sein könnte, hat die letztere deutlich breiter gestreut und ist vielleicht aus Faith – The Van Helsing Chronicles, Schattenreich oder als Vampirin verschiedener Titania Medien-Hörspiele bekannt. Fritz von Hardenberg (Gaetano di Tempesta) und Crock Krumbiegel (Francesco Moravia) sind in puncto Hörspiel eher auf die Produktionen von Maritim beschränkt; Krumbiegel wird deutschen SF-Freunden noch eher als Synchronstimme von Connor Trineer (Charles 'Trip' Tucker III in Star Trek: Enterprise) kennen. Hardenbergs Leistung will ich positiv herausheben, da mir seine variantenreiche Interpretation des boshaften und labilen Gangsters imponierte.

 

Die Geräuschkulisse und der Einsatz von Musikstücken bleibt auf dem hohen Niveau der vorhergehenden Folge, wird bei den Musiken ob der gesteigerten – und treffenderen Vielfalt (es reicht von schneller E-Gitarre mit Schlagzeug über die Orgel zur Orchestralmusik) sogar eine leicht verbesserte Performanz geliefert.

 

Fazit:

Die Nonne Lucrezia hat das mysteriöse Diadem aufgesetzt und nun droht Schlimmes. Die US-Geheimorganisation Trinity sendet die Top-Agenten Morgrave und Rawleigh aus – wenn die nur erst mit dem bösartigen Mafiosi di Tempesta fertig werden. Als zweiter Teil der Mystery-Reihe Top Secret setzt Diadem naheliegender Weise auf Action und vor allem Rätsel, doch wo die Inszenierung sauber von statten geht, versagt das Script – die Action funktioniert, die Rätsel nicht. Wer nur mit halbem Ohr zuhören kann (weil er Auto fährt oder das Hörspiel zum Einschlafen hört), kann sich von der Inszenierung gut unterhalten lassen, doch wer mit voller Konzentration lauscht, wird kaum zufrieden sein.

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Hörspiel

Diadem

Reihe: Top Secret 2

Produzenten: Ellen B. Crown, Marc Chainiaux, Peter Brandt

Maritim, Oktober 2008

Umfang: 1 CD

Laufzeit, ca. 63 Minuten

 

ASIN: 3867141428

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Sprecher

Klaus Dieter Klebsch

Christine Pappert

Thomas Karallus

Wolfgang Condrus

Andreas Borcherding

Jo Kern

Fritz von Hardenberg

Weitere Infos:


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Erstellt: 20.02.2009, zuletzt aktualisiert: 28.05.2019 19:09