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Die 13 Gezeichneten von Judith und Christian Vogt

Reihe: Das Geheimnis der Zeichen Band 1

 

Rezension von Merlin Thomas

 

Verlagsinfo:

Seit die Armee von Kaiser Yulian die Stadt Sygna erobert hat, ist den Einheimischen die Ausübung der Zeichenmagie verboten. Eine Widerstandsgruppe will dies nicht hinnehmen. Auch Dawyd, Mitglied der Fechtgilde, wird für die Ziele der Rebellen eingespannt. Denn die kaiserliche Geheimpolizei strebt danach, die mächtigen Wort-Zeichen unter ihre Kontrolle zu bringen. Mit ihnen wären die Besatzer in der Lage, Gefühle und Gedanken zu manipulieren, und das muss um jeden Preis verhindert werden …

 

Rezension:

In der Stadt Sygna wachen die Gilden seit Jahrhunderten eifersüchtig über die Anwendung von Magie und sind dadurch in der Lage, Handwerksstücke unvergleichlicher Qualität zu produzieren, die nicht nur Bewunderung sondern auch Begehrlichkeiten hervorrufen. Und so hat der Kaiser eines angrenzenden Imperiums kurzerhand die Stadt von seiner Armee besetzen lassen. Unter tatkräftiger Mitarbeit eines skrupellosen Geheimpolizisten werden die magischen Fähigkeiten der Sygnaer zum Nutzen des Reiches in Manufakturen ausgenutzt. Doch der Ehrgeiz der Besatzer geht noch weiter, sie wollen auch die Geheimnisse aufdecken, die das Höhlensystem im inneren des Berges birgt, an dessen Hängen Sygna errichtet ist. Es wird jedoch einen Grund gehabt haben, warum diese Geheimnisse einst dort verschlossen wurden.

Und natürlich lassen die Sygnaer das Imperium nicht einfach schalten und walten. Um einen von der Geheimpolizei gefolterten Tischler herum hat sich eine Widerstandsgruppe gebildet, die alles daran setzt, die Besatzer zu schwächen und dafür auch mal mit unlauteren Mitteln neuer Mitglieder rekrutiert.

 

So weit das nach einem klassisch-dystopischen David-gegen-Goliath-Szenario klingt, so gibt es doch einige Aspekte die das Buch des Autorenpaares Judith und Christian Vogt aus der Masse herausheben. Das beginnt mit dem Setting, das der interessanten Frage nachgeht, was eigentlich passiert, wenn die industrielle Revolution in einer magisch geprägten Fantasy-Welt Einzug hält. Das setzt sich fort mit der diversen Figurenkonstellation, zu der unter anderem ein verkrüppelter Tischler, eine Schmiedin, die ihre Familie an das Imperium verloren hat, ein homosexueller Müller-Lehrling, eine übereifrige Loth-Ratte, pardon, Taschendiebin und ein überheblicher Goldfechter gehören, die sich selbst untereinander nicht immer ganz grün sind. Und das endet nicht mit den vielfältigen Themen, die behandelt werden wie Gleichstellung der Frauen, Konflikte der Loyalität gegenüber Familie und Freunden einerseits und der Stadt oder Gemeinschaft andererseits, oder Rechtmäßigkeit bzw. Angemessenheit der Mittel des Widerstands gegenüber den Besatzern. Und, nicht zu vergessen, die »plotrelevante Tanzszene«, die heutzutage zum guten Ton des Geschichtenerzählens gehört. All das in Kombination mit der konsequenten und durchdachten Präsentation der Welt und der Ereignisse machen das Buch zu einem ... tja, wie soll ich es nennen? Reif? Erwachsen? Seriös? Das ist alles nicht ganz das, was ich meine, sagen wir daher einfach mal: zu einem lesenswerten Werk.

 

Dennoch gibt es einige Faktoren, die dafür sorgen, dass ich nicht die volle Sternenzahl gebe:

     

  • Die Kapitel sind mir persönlich zu lang. Wenn ich den Kindle aufklappe und lese »54 Minuten im Kapitel verbleibend«, dann schlägt mir das auf die Lesemotivation. Ich habe normalerweise nicht die Zeit, so lange am Stück zu lesen. Das führt dann dazu, dass ich bei der erstbesten Gelegenheit, beispielsweise einem Szenenwechsel, das Lesen unterbreche, da ich ja nicht weiß, wann sich die nächste bieten wird. Dadurch zog sich die Lektüre recht lang hin und fühlte sich gelegentlich ein wenig zerstückelt an.

     

  • Es gibt zu viele Figuren, deren Name mit I beginnt. Das mag albern klingen, hat bei mir aber regelmäßig zu Verwirrung geführt. Allein schon, dass zwei der Hauptfiguren aus der Rebellengruppe Ignaz und Ismayl heißen, hat mir Schwierigkeiten bereitet. Immer, wenn die Namen auftauchten, musste ich in Gedanken den Nachnamen ergänzen, um zu wissen, wer wer ist. Dazu kommt noch eine wichtige Nebenfigur mit dem Namen Iphram und in einem Kapitel, in dem schon zwei der drei auftreten und der dritte häufig erwähnt wird, lernen wir dann noch Ibenezer kennen.

     

  • Ich hatte zwar mitbekommen, dass eine Fortsetzung in Arbeit ist, aber ich hatte trotzdem erwartet, eine einigermaßen abgeschlossene Geschichte zu haben, die Ansatzpunkte für Fortführungen bietet. Stattdessen erwartet den Leser am Ende ein lupenreiner Klippenhänger. Wir sprechen hier also eher von »Die Gefährten« als von »Eine neue Hoffnung«. (Es ist nach meinem Empfinden eine um sich greifende, bedauerliche Eigenart der Verlage, Serien und Reihen und vor allem die Position einzelner Bände in diesen, nicht mehr hinreichend zu kennzeichnen.)

     

  • X-Ray ist im E-Book deaktiviert, wie auf so einer byzantinischen Tontafel.

     

  • Wie ich gerade beim Recherchieren für diesen Beitrag feststelle, sind die Kapitel einfach nur durchnummeriert, was es schwierig macht, ein bestimmtes wiederzufinden.

     

Trotz dieser (eher subjektiven) Mankos ist »Die 13 Gezeichneten« eine Leseempfehlung für alle, die ihre Phantastik durch magische Musketen, emanzipierte Frauen und moralische Grautöne aufgewertet wissen wollen. Viel Spaß damit!

 

Offenlegung: Ich stehe mit den Autorinnen des Buchs regelmäßig über soziale Medien in Kontakt. Das hatte Einfluss auf meine Entscheidung, das Buch zu lesen und diese Bewertung zu schreiben, aber – nach bestem Wissen und Gewissen – nicht auf deren Inhalt.

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Eure Meinung:

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eBook:

Die 13 Gezeichneten

Reihe: Das Geheimnis der Zeichen Band 1

AutorInnen: Judith und Christian Vogt

Dateigröße: 3778 KB, ca. 593 Seiten

Bastei Lübbe, 23. Februar 2018

Cover: Raymond Minnaar

 

ISBN-10: 3404208927

ISBN-13: 978-3404208920

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B072HSR2FY

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

Weitere Infos:


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Erstellt: 17.12.2018, zuletzt aktualisiert: 17.11.2019 13:49