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Die achte Karte von Kate Mosse

Rezension von Tanja Thome

 

Meredith Martin reist für Recherchen rund um den französischen Komponisten Debussy und ihre eigene familiäre Herkunft umher und hält sich in Paris auf, als ein Mädchen sie auf der Straße anspricht und ihr den Flyer einer Kartenlegerin in die Hand drückt. Die Frau auf der dort abgebildeten Tarotkarte aus dem Deck des Bousquet-Tarot sieht Meredith sehr ähnlich, wie auch dem Mädchen auffällt, doch Meredith ist weder für diesen Hinweis noch für das Kartenlegen zu haben und wimmelt ab.

Am nächsten Tag streift sie gedankenverloren durch die Straßen von Paris und findet sich plötzlich wie zufällig genau vor dem Etablissement der Kartenlegerin des Flyers wieder. Nach kurzem Überlegen entschließt sie sich doch zu einer Legung . Zehn Karten werden ausgelegt, doch ihre genaue Bedeutung erschließt sich weder Meredith noch der Kartenlegerin Laura. Meredith erlebt während der Sitzung und besonders beim Aufdecken bestimmter Karten unangenehme Gefühlsaufwallungen, Laura hingegen fällt auf, dass die Bedeutungen nicht wie üblich in einer klaren zeitlichen Reihenfolge zu sehen sind, sondern der Zeitaspekt irgendwie hin und her zu springen scheint. Eher verwirrt als erhellt verlässt Meredith die Kartenlegerin schließlich wieder.

 

Meredith setzt ihren Weg schließlich fort in die Gegend um Carcassonne. Dort stößt sie immer wieder auf die Jahreszahl 1891, erfährt von einer im Dunklen liegenden Tragödie, die damals geschah und einige Menschenleben kostete, von dem Mythos einer Bestie, die damals gewütet haben soll. Hier stößt sie auch immer wieder auf den Namen Léonie Vernier sowie auf ein Foto, das Lèonie mit ihrem Bruder Anatole und der Tante der beiden, Isolde Lascombe, zeigt. Meredith ist sich sicher, dass diese Personen und auch diese Tragödie von 1891 irgendetwas mit ihr selbst zu tun haben. Nur was? Hat dies irgendetwas mit den Tarotkarten zu tun, und wenn ja, was?

 

 

 

„Die achte Karte“ ist ein Buch, von dem man nicht einfach in wenigen Worten sagen kann, ob es gut oder schlecht ist, denn es hat auf beiden Seiten einiges für sich zu verbuchen.

 

Die Geschichte braucht ziemlich lang, um überhaupt in Fahrt zu kommen, was hinsichtlich des Gesamtumfangs zwar verständlich, zunächst aber ebenso frustrierend ist. Zumindest für Leser, die mit der französischen Sprache nicht vertraut sind, ist das Lesen erst einmal auch eine eher anstrengende Geschichte auf Grund der exzessiven Verwendung französischer Begriffe und halber Dialoge in französischer Sprache. Letztere sollen und wollen wohl das Flair des Gesamtwerks besonders betonen, sind aber für nicht französisch sprechende Menschen müßig bis ärgerlich – und abgesehen vom Flair auch völlig überflüssig in den meisten Fällen.

 

Ebenfalls schwierig ist das Einfinden in die Geschichte an sich, weil diese zwar hauptsächlich aus zwei Perspektiven geschrieben ist – der von Léonie Vernier Ende des neunzehnten Jahrhunderts und der von Meredith Martin in der Gegenwart -, dennoch aber gerade zu Anfang verschiedene Personen mehr auftauchen, aus deren Perspektive die Geschichte ebenfalls ein Stück weit erzählt wird. Das auseinander zu puzzeln ist eine ziemlich undankbare und auch unspannende Angelegenheit.

 

Schafft man es über die ersten dreihundert Seiten hinaus, ist man quasi über dem Berg. Bis dahin hat man sich nicht nur endlich in die Geschichte eingefunden, sondern kann die langsam aufgebaute Atmosphäre endlich genießen – und das vornehmlich im Strang des neunzehnten Jahrhunderts, denn dorthin verlagert sich der Schwerpunkt immer mehr. Sequenzen, in denen Meredith und der Fortschritt ihrer Recherchen in den Vordergrund rücken, empfindet man dann sogar eher als lästig, auch wenn sie das Gesamtbild letztlich abrunden.

 

Die Passagen rund um Léonie Vernier sind zunehmend packend und entsprechen wirklich einem guten Schmöker. Für sich genommen kann man diese Anteile tatsächlich sogar mit der Intensität von „Der Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz Zafón gleichsetzen. Die Figuren sind sehr nahbar und es ist alles drin, was das Herz begehrt: Liebe und Leidenschaft, die jedoch eher die Dramen- als die Kitschseite anspricht, Mystik und Geheimnisse, Spannung, Verzweiflung, Heldentum.

 

Die stärksten Kritikpunkte sind zugleich die, die erst nach der Lektüre auffallen. Die Figur des Victor Constant ist beispielsweise nicht so stark, wie sie hätte sein können, und auch seine Motive und Handlungen bleiben selbst rückblickend ernüchternd vage. Auch die mühsam aufgebaute Beziehung zwischen Meredith, Léonie, weiteren Personen und den Tarotkarten ist in sich nicht ganz schlüssig. Ein Blick diesbezüglich in das Blog der Autorin zum Buch (http://www.sepulchre.co.uk) verstärkt diese Zweifel mehr als sie auszuräumen.

 

Der Abschluss der Gesamthandlung dürfte ebenfalls nicht jedermanns Geschmack sein. Mir persönlich haben die mystischen Elemente, über die die Geschichte sowohl in der Vergangenheit als auch Gegenwart aufgelöst wird, gefallen, aber man kann natürlich auch zu Recht sagen, dass sich in die Mystik flüchtet, wer auf Deus ex machina angewiesen ist.

 

Summa summarum dennoch ein lesenswerter, spannender und empfehlenswerter Schmöker.

 

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MEDIUM:

Die achte Karte

Autor: Kate Mosse

Broschiert: 752 Seiten

Verlag: Droemer/Knaur (1. Oktober 2009)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3426631628

ISBN-13: 978-3426631621

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 09.09.2009, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57