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Die Adler Roms – Buch 2

Rezension von Christel Scheja

 

„Herrmann der Cherusker“ ist spätestens 2009 jedem als der unbestrittene Sieder der sogenannten „Varus“-Schlacht im Teutoburger Wald bekannt geworden, in der er dem Vorstoß der Römer einen ersten Schlag versetzte und deutlich machte, dass die Germanen kein leicht zu befriedendes Volk sind. Dabei hatte er als Arminius selbst viele Jahre in Rom und den Diensten des Kaisers verbracht. Da nur wenig über seine Jugendjahre und die Zeit vor seiner Rückkehr nach Germanien bekannt ist, bleibt Künstlern und Autoren viel Raum, um eigene Geschichten zu erzählen, wie es Marini nun tut

 

Standen im ersten Band von „Die Adler Roms“ noch die frühen Jahre von Arminius im Mittelpunkt, in denen er als Geisel in die Obhut eines verdienten Ritters der Republik gegeben wurde um römische Lebensart zu lernen, sind der junge Germane und sein Freund Marcus nun junge Männer, die sich erste Sporen verdienen müssen.

Allerdings erweist sich die Hauptstadt Rom als gigantische Falle, in der man leicht straucheln und tief fallen kann, wenn man nicht Acht gibt. Aber das ist Marcus mehr oder weniger egan, denn auch wenn er sich inzwischen in sein Schicksal gefügt hat und ist wie sein Vater es immer wollte, Soldat geworden ist, um die Familientradition weiter zu führen, ist er nicht glücklich.

Deshalb nutzt er die Zeit am Kaiserhof und in der Metropole nicht, um sich zu stählen und wichtige Dinge zu lernen, sondern schlägt wo er nur kann, lieber über die Stränge und verstrickt sich in so manche Intrige.

Er lässt sich immer wieder gerne auf Affären mit Senatorentöchtern und deren Gemahlinnen ein, die ihre Ränke weitaus geschickter als er spinnen, kostet die Sinnenfreuden der dekadenten Oberschicht voll aus – egal ob es mit Frauen oder Genussmitteln zu tun hat - und muss mehr als einmal von Arminius, der sich ruhig im Hintergrund hält und von niemandem täuschen lässt, gerettet werden.

In dieser Zeit entfremden sich die beiden immer mehr voneinander und sehen sich kaum noch. Selbst in einem Feldzug an dem sie beide teilnehmen, sehen sie sich kaum.

Und so wird Marcus schließlich bei seiner Rückkehr nach Rom von Augustus selbst mit einer bitteren Wahrheit überrascht und einem ganz besonderen Auftrag betraut.

 

Man merkt, dass das zweite Buch eine Brücke zwischen den frühen Jahren des Arminius und seinen späteren Aktionen in Germanien schlägt. Allerdings wagt sich der Künstler auch nicht daran, die Geschichte aus seiner Sicht zu erzählen, sondern aus der seines Freundes Marcus, der zwar auch germanisches Blut in den Adern hat, weil seine Mutter eine germanische Sklavin war, aber doch eher ein Römer ist.

Er macht in diesem Band die Höhen und Tiefen des Lebens in der Oberschicht mit, und wenn auch die vielen kleinen erotischen Abenteuer, nicht viel mit späteren Abenteuern zu tun haben scheinen, so bauen sie für ihn doch schon ein Netz von Beziehungen, Freunden und Feinden auf, die später vermutlich eine Rolle spielen werden.

Konnte man im ersten Band noch miterleben, wie sich die Freundschaft zwischen Germane und Römer entwickelte, so erlebt man nun den ersten Bruch, auch wenn offen bleibt, was Arminius darüber denkt, der leider viel zu selten auftritt. So bleibt aber auch die Spannung erhalten, denn man kann nur vermuten, dass den jungen Mann, der von der Geisel zum Führer von Hilfstruppen aufgestiegen ist, etwas an der römischen Lebensart stört.

Alles in allem erzählt die „Adler Roms“ auch im zweiten Buch eine solide Geschichte, die sich in allen Klischees wälzt, die man der römischen Kaiserzeit zuordnet – Dekadenz und Zügellosigkeit, gepaart mit hochmütiger Arroganz gegenüber anderen Völkern – und die Weichen für den nächsten Band stellt. Das ganze ist mit derbem Humor und ebensolcher Erotik gewürzt, damit man auch etwas zu sehen bekommt. Und das weiß zu gefallen, da die Zeichnungen weiterhin sehr realistisch und detailreich sind.

 

Auch wenn das eigentliche Ziel ein wenig aus den Augen verschwindet, so bietet „Die Adler Roms – Buch 2“ eine nachvollziehbare Fortsetzung der Geschichte, die nun die eigentliche Hauptfigur heraus arbeitet und Grundlagen für sie schafft. Auch wenn die Geschichte dabei den üblichen Mustern von historischen Comics folgt, so ist sie mitreißend und spannend genug umgesetzt, so dass man neugierig auf Band 3 wird.

 

Eure Meinung:


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Die Adler Roms – Buch 2

Autor & Künstler: Marini

Aus dem Französischen von Marcel Le Comte

Les Aigles de Rome – Livre 2, Frankreich 2009

Comic, Softcover, 56 Seiten

Carlsen Comics, Hamburg, 05/2010

ISBN-10: 3551791910

ISBN-13: 978-3551791917

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 17.07.2010, zuletzt aktualisiert: 17.11.2019 13:35