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Die Ahnen von Avalon von Diana L. Paxson & Marion Zimmer-Bradley

Rezension von Christel Scheja

 

Durch "Die Nebel von Avalon" errang Marion Zimmer Bradley 1983 den Status einer Bestsellerautorin. War sie vorher nur einem kleinen Kreis bekannt, so richtete nun auch die breite Öffentlichkeit ihr Augenmerk auf die "weibliche Neuinterpretation" der Artus-Sage, die weiter ging als frühere Versuche dieser Art. Zum ersten Mal wurden in die alte Geschichte keltisch-esoterische Elemente eingebaut und in Widerstreit zu den christlichen Inhalten gesetzt. Dem Bestseller folgten in den folgenden zwanzig Jahren drei weitere Romane, die in eine mehr oder minder ähnliche Kerbe schlugen.

Durch Krankheit geschwächt musste Marion Zimmer Bradley allerdings einen großen Teil der Arbeit abgeben. Schon beim letzten Buch "Die Priesterin von Avalon" war Diana L. Paxon, ihre Schwägerin und engste Vertraute federführend. Mit "Die Ahnen von Avalon" hat sie das Erbe vollständig angetreten.

 

"Das Licht von Atlantis" von Marion Zimmer Bradley schilderte noch die letzten goldenen Jahre des Inselreiches mit all den Intrigen, die sich unter der mächtigen, aber auch engstirnigen Priesterschaft ergeben hatte und läutete den Untergang ein.

"Die Ahnen von Avalon" setzt eine Generation später ein. Ein Teil des Inselreichs ist bereits versunken, nur Reste sind noch übrig, auf denen die Überlebenden die Kultur ihrer Heimat zu bewahren versuchen.

Nun aber kündigt sich eine letzte Katastrophe an. Tiriki und Micail, die letzten Hüter des Lichts und Bewahrer alter Geheimnisse ahnen was kommen wird, aber sie können das Verhängnis nicht aufhalten. Im letzten Moment gelingt es ihnen von der versinkenden Insel zu fliehen. Sie werden allerdings getrennt.

Tiriki und ihre Getreuen verschlägt es in ein sumpfiges, ödes Land. Die Bewohner aber nehmen sie freundlich auf und helfen ihnen zurecht zu kommen. Vor allem eine weise alte Frau lehrt die Priester und Priesterinnen neue Wege zu gehen. Tiriki begegnet mehrmals der Göttin und nimmt die Lehren gerne an. Sie unterweist zusammen mit dem Heiler und Magier Chedan die Überlebenden von Atlantis in den neuen Wegen. Ihr Herz ist jedoch schwer, weil sie Micail vermisst. Nur die gemeinsame Tochter die im neuen Land auf die Welt kommt, tröstet sie ein wenig.

Tiriki weiß nicht, dass ihr Geliebter nicht weit von ihr auf der selben Insel gelandet ist. Er lässt sich allerdings von seien Getreuen beeinflussen, die die primitiveren Eingeborenen mit List zu einem Dienervolk machen und ein zweites Atlantis errichten wollen. Mit Magie und Prunk beeindrucken sie die einfacheren Menschen und schwingen sich zu deren Beratern auf.

Jahre vergehen. Als sich die unterschiedlichen Gruppen wieder sehen ist ein Konflikt zwischen denen, die das neue Leben angenommen haben, und den Ewiggestrigen unvermeidlich...

 

"Die Ahnen von Avalon" versucht nicht nur zwei große Mythen, sondern auch Romane einer längst verstorbenen Autorin miteinander zu verbinden. Diana L. Paxon bemüht sich, wie schon in anderen Romanen zuvor in die Fußstapfen ihrer Schwägerin zu treten - es gelingt ihr aber nicht.

Die ersten große Schwäche ist, dass der Leser "Das Licht von Atlantis" kennen MUSS, um die Beziehungen der Figuren untereinander, die Kultur, Magie und Mystik der Atlanter überhaupt zu verstehen. Ohne das bleibt vieles unverständlich. Zum anderen bleiben sowohl die wichtigsten Charaktere und die Kulturen der Inselbewohner und Flüchtlinge eher blass und oberflächlich.

Es wird zwar viel geredet und beschrieben, wirklich vorstellen kann man sich aber weder die Figuren noch die Gegenden, in denen sie sich bewegen. Da können auch mächtige Zauber wie die Errichtung Stonehenges oder der Konflikt zwischen den Einwanderergruppen nicht viel retten. Der Roman bleibt über weite Strecken geradezu langweilig.

 

Fans der Romane von Marion Zimmer Bradley und des keltischen Mystizismus werden zwar das wiederfinden, was sie mögen, aber es ist lieblos und enttäuschend zusammen gestellt und beantwortet nicht unbedingt alle Fragen, die aufgeworfen werden. Vielleicht um eine weitere Fortsetzung zu ermöglichen.

Der Roman verschenkt viele Ideen und Chancen, die das Thema an sich angeboten hat und ist damit nicht unbedingt ein Werk, das man kennen muss.

 

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Die Ahnen von Avalon

Autorin: Diana L. Paxson & Marion Zimmer-Bradley

broschiert, 607 Seiten

Diana-Verlag, München, erschienen März 2006

ISBN: 3-453-35002-2

Titelbild von Steve Stone

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 31.03.2006, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 14:35