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Die Auswahl von Ally Condie

Reihe: Cassia und Ky, Bd.1

Rezension von Christel Scheja

 

In der letzten Zeit zeichnet sich ein überraschender Trend in der Jugendliteratur ab. Autorinnen und Autoren wagen den Blick in eine „schöne neue Welt“ in der entweder von Anfang an deutlich wird, dass es sich um ein totalitäres System handelt, oder in dem das Paradies auf Erden auch seine Schattenseiten hat.

 

Die mit ihrem Mann und drei Söhnen in Salt Lake City lebende Autorin Allie Condie präsentiert mit „Die Auswahl“, dem ersten Band der Reihe „Cassia & Ky“ genau so eine schöne Zukunftsvision, in der die Menschen zugunsten eines sicheren und geregelten Lebens vieles andere aufgegeben hat und vor allem eines: Die Freiheit ihres Willens.

Die sechzehnjährige Cassia ist in diesem System aufgewachsen und stellt es nicht in Frage, bis zu dem Tag, an dem sie erfährt, wer ihr zukünftiger Lebenspartner werden soll. Zu ihrer Überraschung ist es ihr langjähriger Freund Xander aus der Nachbarschaft.

Als sie sich den Chip mit den Informationen zu ihm am Tag nach den Feierlichkeiten ansehen will ist sie überrascht, denn er zeigt nicht Xander, sondern einen anderen jungen Mann, dessen Gesicht sie auch kennt.

Obwohl der Fehler bereinigt wird, kann Cassia nicht vergessen, was passiert ist und beginnt die Nähe von Ky zu suchen. Bewusst sucht sie sich das Wandern als neue Freizeitaktivität aus und kommt ihm damit näher.

Durch ihn lernt sie aber auch die düsteren Seiten des Systems genauer kennen, das die Menschen umfassend kontrolliert und keine Abweichungen zulässt. Nicht einmal im Denken und Fühlen sollen sie frei sein – so wurden auch viele Bücher und Bilder, Geschichten und Gedichte, die die Phantasie anregen, unwiederbringlich zerstört.

Ky bringt Cassia dazu, sich dem Verbotenen zu öffnen, Dinge zu hinterfragen und sich so oft sie kann von den Zwängen der Gesellschaft zu befreien. Er bringt ihr das Schreiben bei, verfasst eine Geschichte, deren Teile er ihr immer wieder anvertraut ... trotz der Gefahr, in der er sie damit bringt.

 

Allie Condie macht keinen Hehl daraus, dass das – vermutlich am Anfang gut gemeinte - Gesellschaftssystem längst seine Schattenseiten hervor gekehrt hat. Auf Linie getrimmte Funktionäre sorgen dafür, dass die Menschen nicht aus der Reihe tanzen und all zu viel Individualität entwickeln.

Selbst das Essen und die Freizeitaktivitäten sind vorgeschrieben – wer zu oft gegen Regeln und Gebote verstößt, kann damit rechnen zu einer „Abberation“ herabgestuft zu werden, einem Mensch zweiter Klasse. Vieles ist vereinfacht worden – die Menschen lernen nur noch zu tippen und von Bildschirmen zu lesen, Kunst und Bücher, Geschichte und vieles andere sind auf hundert Themen minimiert worden.

Selbst die Lebensdauer ist gesetzlich festgelegt – so erlebt die Heldin selbst mit, wie ihr Großvater an seinem achtzigsten Geburtstag stirbt, begreift aber erst viel später, dass man ihn bewusst vergiftet hat, obwohl er gesundheitlich und geistig noch voll auf der Höhe war.

Neben den bedrückenden Momenten, in denen Cassia die volle Macht des Systems zu spüren beginnt, gibt es aber auch noch heitere und besinnliche – natürlich kommt die Romanze nicht zu kurz und durchzieht das ganze Buch.

Man merkt zwar, dass sich das Mädchen auch darüber freut, den Jungen heiraten zu dürfen, den sie bereits als nett und zuvorkommend kennt, mit der Zeit verfällt sie aber auch immer mehr dem wilden Zauber des rebellischen Ky ... und natürlich kommt es auch zum kompletten Chaos in ihren Gefühlen, als überraschende Wahrheiten ans Licht kommen.

Alles in allem überdrückt dies aber nicht die sozialkritischen Momente des Buches – die Autorin vergisst nicht, deutlich zu machen, dass die Jugendlichen mit offenen Augen durch die Welt gehen und durchaus auch vieles in Frage stellen sollen, auch wenn sie damit natürlich eines der bedeutsamsten amerikanischen Klischees bedient – den Kampf um die Freiheit.

 

Alles in allem vermischen sich diese beiden großen Themen zu einem so spannenden wie kurzweiligen Roman. Da gewisse Teilaspekte, wie die Euthanasie der Alten und die totale Kontrolle des Lebens auch tiefgründiger behandelt werden und oft nur zwischen den Zeilen durchschimmern, wendet sich der Roman sehr bewusst an ältere Teenager und Erwachsene.

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Jugendroman:

Die Auswahl

Autorin: Ally Condie

Reihe: Cassia und Ky, Bd.1

Gebunden, 453 Seiten

Fischer, erschienen Januar 2011

Übersetzung aus dem Englischen von Stefanie Schäfer

Titelbild von Samantha Aide

ISBN-10: 3841421199

ISBN-13: 978-3841421197

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 06.01.2011, zuletzt aktualisiert: 08.10.2019 14:26