Viele kennen J.R.R. Tolkien nur durch den Herrn der Ringe und die weiteren Texte rund um Mittelerde, die sein Sohn Christopher Tolkien posthum zusammengestellt und herausgegeben hat. Die Bovadium-Fragmente fallen daher ganz aus der Reihe, beziehen sie sich doch weniger auf klassische Sagenmotive sondern gelten eher als Satire auf die für Tolkien viel zu modernen Entwicklungen.
In einer fernen, lange zurückliegenden Zeit lebten die Menschen friedlich mit sich und im Einklang mit und in der unberührten Natur. Bis zu dem Tag, an dem ein Daemon Motoren erfand und alles veränderte.
Denn so begeistert wie die Einheimischen von den Maschinen waren,so wurden sie doch auch schnell zu deren Sklaven und führten damit ihren Untergang selbst herbei, von den nun nur noch alte Aufzeichnungen berichten.
Die eigentlichen Texte von Tolkien nehmen nur einen geringen Anteil des Buches ein und sind überraschend wissenschaftlich gehalten, so als würde er aus der Sicht von Historikern schreiben, die die Funde der Archäologen auswerten. Daher sind sie anders als das, was viele Leser kennen dürften und durch lateinische Einschübe zunächst nicht immer verständlich.
Aus diesem Grund gibt es auch Essays und begleitende Einführungen, die deutlich machen wollen, was Tolkien damit eigentlich am Herzen lag. Denn er lernte Oxford noch in einer Zeit kennen, in der die Universitätsstadt recht ländlich gelegen war und von idyllischer Natur umgeben. Das änderte sich mit der Entwicklung des Automobils und letztendlich auch der Ansiedlung einer entsprechenden Fabrik am Ort. Und dem Ausbau der Straßen.
Durch die Geschichte tat Tolkien letztendlich seinen Unmut über die Entwicklungen kund, und das ist es wohl, was die Texte auch heute noch sehr modern machen, auch wenn die Probleme vielleicht nicht mehr mit denen von damals vergleichbar sind. Sie verraten aber auch über den Menschen Tolkien einiges.
Alles in allem ist das Buch sicherlich eine Bereicherung für den Fan, aber nicht unbedingt ein Must-have. Denn die eigentliche Erzählung kommt sehr sperrig daher, interessanter sind da die begleitenden Texte. Und wer eher auf Fantasy-Abenteuer steht, wird bitter enttäuscht sein, da dies nicht der Tolkien ist, den sie kennen.