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Die Dame vom See von Andrzej Sapkowsi

Reihe: Die Saga vom Hexer Geralt Band 5

 

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Der Abschluss der Hexer-Saga. Ciri, Prinzessin von Cintra und Schützling des Hexers Geralt von Riva, ist auf geheimnisvolle Weise in eine fremde Welt versetzt worden. Dort trifft sie auf einen jungen Ritter namens Galahad, der sie für die Dame vom See hält und dem sie ihre Geschichte erzählt: Die Kriege und Machtkämpfe, die seit Langem tobten, haben ihren Höhepunkt erreicht. Vilgefortz mit seinen Helfershelfern stellt sich zur Schlacht, bei der viele von Geralts Gefährten ihr Leben lassen müssen. Und es droht neue Gefahr in Gestalt des Kaisers Emhyr von Nilfgaard. Er wird von derselben uralten Prophezeiung geleitet, die auch das Handeln von Vilgefortz und Ciri bestimmte. Wiewohl im Besitz überwältigender Übermacht, scheut Emhyr bei der Konfrontation mit Geralt und Ciri vor der letzten Konsequenz zurück: Denn mit Ciri verbindet ihn mehr als nur die alte Weissagung ...

 

Rezension:

Der abschließende Band der großen Saga vom Hexer Geralt liegt nun endlich in Deutsch vor. Der polnische Autor Andrzej Sapkowski veröffentlichte den Roman bereits 1999 und es liegt schon etwas zahlenmagisches darin, dass das von Erik Simon übersetzte Finale elf Jahre später beim DTV erschien.

 

Die Handlung setzt zunächst direkt an den Vorgänger, Der Schwalbenturm, an. Doch recht schnell beginnt Sapkowski die gestrandete Ciri als Erzählrahmen aufzubauen, der zudem mit einer weiteren Rahmenhandlung verknüpft ist und nur der Beginn einer langen und oft unterbrochenen Kette von Erzählungen in der Erzählung ist. Dadurch steht im ersten Teil des Buch weder Geralt noch Ciri im Zentrum, sondern eine Träumerin namens Condwiramur, die zur Lehre bei einer Zauberin aufgebrochen ist, Nimue, die Dame vom See. Jene pflegt ein Steckenpferd - Die Legende von Ciri und Geralt. In etlichen Sitzungen erträumt Condwiramur so die letzten Etappen der Saga. Dabei wandeln sich die Figurenperspektiven ebenso schnell wie die Orte. Nach und nach erfahren wir, wie Geralt die letzten Puzzlesteinchen zusammenfügt, um Yennefer und Ciri wiederzufinden.

 

Parallel dazu wandelt Ciri durch die Welten, ausgehend vom England der Artuszeit, auf die sie zu Beginn des Buches trifft; streift andere Legenden, muss sich der Vereinnahmung durch Kräfte der Ordnung als auch der des Chaos erwehren und lernt immer mehr verstehen, was es mit ihrer Bestimmung und der Vorsehung zu tun hat. Der Aspekt des alten Blutes und die merkwürdigen »gib mir dein Kind«- Szenen sind zwar wenig überzeugend, gehen aber zum Glück schnell vorbei. Hier hat Sapkowski zu sehr die alte Märchenkiste bemüht.

Überhaupt wandelt er sehr stark in anderen Universen. Von Cintra über Catriona bis zu Nimue alles bekannte Namen aus anderen Reichen. Nunja, Namen sind Schall und Rauch. Elfen sind böse, dass passte dann wieder.

 

Immer wieder wird auch mit der Idee der »Dame vom See« gespielt, die heidnische, als auch christliche Bedeutung mischt sich mit den Figuren, die sie einnehmen. Der See als Spiegelteich von Gefühlen und Sinnbild des Tores, durchzieht den Band als führendes Thema. Ein Symbol für die Tiefe und Länge des Lebens, aber auch für das Reisen und Überwinden unsichtbarer Grenzen.

In einem ersten Höhepunkt treffen sich die Meta-Erzählebenen und brechen eine Schneise zur weiteren Handlung, dem Krieg. Einem scheußlichen Krieg.

Sapkowski beleuchtet ihn einfühlsam in Schlaglichtern, Episoden und Randnotizen, die zusammen eine Kulisse bilden, die sowohl an den Dreißigjährigen Krieg des Simplicissimus als auch an den Zweiten Weltkrieg erinnern. Die Übersetzung liefert die passenden Wörter zum unglaublich dreckigen Gesicht der Schlacht und des Übels drumherum, bis hin zu »Wehrkraftzersetzung« und »Pogrom«. Erik Simon beweist hier einmal mehr, dass er sowohl inhaltlich, als auch sprachlich in der Lage ist, das übertragene Werk leben zu lassen.

 

Die Handlungsebene um Geralt und die Gefährten findet erst im zweiten Teil zu größerer und leider auch recht kurzlebigen Bedeutung. Sapkowski scheut sich nicht, ein radikales Ende für die Reihe hinzulegen. Aber selbst beim Beenden geht er keine einfachen Wege. Etliche Nebenfiguren hauchen ihr Leben in Vorausschauen aus oder gar in den fiktiven Quellen, die den Kapiteln vorangestellt sind. Dadurch entsteht der Eindruck unzähliger Schlüsse, wie es schon J. R. R. Tolkien im Herrn der Ringe fabrizierte.

Dieses gründliche Aufräumen wird es für viele Fans der Reihe sehr schmerzlich werden lassen, aber immerhin schafft es der Autor so, eine Geschichte genau dann enden zu lassen, wenn alles erzähl ist ohne sich allzu viele Hintertürchen offen zu lassen, die Saga doch noch weiterzuspinnen. Nicht viele, aber ein, zwei bleiben doch. Platz genug für die nächsten Kurzgeschichtenbände um Ciri und Geralt.

 

Fazit:

Mit Die Dame vom See liefert Andrzej Sapkowski einen würdevollen Abschluss der erfolgreichen Highfantasy Reihe aus Polen. Das Buch liefert klassische Fantasythemen in teilweise schillernder lyrischer Sprache, verknüpft mit intensiven Betrachtungen, schonungslos aber in ihrer Kraft einprägsam.

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Buch:

Die Dame vom See

Reihe: Die Saga vom Hexer Geralt Band 5

Original: Pani Jeziora, 1999

Autor: Andrzej Sapkowski

Übersetzer: Erik Simon

Taschenbuch, 639 Seiten

Deutscher Taschenbuch Verlag, 1. März 2011

Cover: Darren Winter

 

ISBN-13: 978-3423248174

ASIN: 3423248173

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B004UFSXC8

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

Weitere Infos:


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Erstellt: 28.06.2011, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 14:35