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Die Drachenkrone von Ulrike Schweikert

Rezension von Goswin Redo

 

Eine Gruppe Abenteuer nimmt den Auftrag an, einen verschwundenen Grafen zu suchen. Schnell merken sie, dass sie es mit Gegnern zu tun haben, die ungleich mächtiger scheinen. Doch die Abenteurer haben keine Wahl mehr und werden hineingezogen in die Suche nach den Teilen der mächtigen Drachenkrone…

 

„Die Drachenkrone“ von Ulrike Schweikert ist eine Neuauflage eines 2003 bei Knaur veröffentlichten Buches, das damals noch unter dem Pseudonym Rike Speermann erschien. Wie man der Homepage der Autorin entnehmen kann, ist „Die Drachenkrone“ Teil 1 einer Trilogie. Leider kann man diese Information dem Buch nicht entnehmen. Das ist sehr unschön, weil diese Information das Kaufverhalten ja durchaus beeinflusst hätte.

Das Cover zeigt eine mittelalterlich gekleidete Frau, die ein brennendes Stück Papier in der Hand hat. Im Hintergrund fliegen 2 Feuer speiende Drachen. Ein direkter Zusammenhang zu Inhalt ist nicht zu finden. Der Titel ist durchaus gut gewählt, aber nicht besonders phantasievoll.

 

Wenn ein Buch erneut veröffentlicht wird, geht man zumeist davon aus, dass die Erstauflage ein Erfolg war und noch immer eine große Nachfrage besteht. Dies ist hier wohl nicht der Fall. Vielmehr ging der Verlag wohl davon aus, dass der Name Ulrike Schweikert sich verkauft, egal wie minderwertig ein Buch ist. Denn schließlich hat sich die Autorin ja mit einigen historischen Romanen durchaus einen Namen gemacht. Doch dieses Buch scheint aus ihren Anfangstagen als Autorin zu stammen.

 

Wie man dem Vorwort entnehmen kann, widmet Frau Schweikert das Buch ihrer AD&D-Gruppe. Und genau diese Gruppe ist wohl auch Ideengeber und gleichzeitig Zielgruppe. Die ganze Handlung des Buches orientiert sich daran, wie ein Rollenspielabend ablaufen könnte. Die Figuren laufen durch eine fiktive Welt und haben wenige Möglichkeiten vom Roten Faden abzuweichen. Im Rollenspiel steuert ein Spielleiter, hier steuert der Autor und das ist leider erkennbar.

Man erlebt die Story aus der Sicht eines allwissenden Beobachters. Man nimmt am Leben der Abenteurer teil, aber auch an dem ihrer Widersacher. Trotzdem baut sich keine Spannung auf. Man kann zwar nicht ahnen, was als nächstes passieren wird, aber trotzdem reißt es einen dann nicht vom Hocker.

 

Besonders schlecht gelungen ist die Charakterisierung der Charaktere. Die Autorin bedient sich diverser Klischees, so dass die Abenteurer auswechselbare flache Figuren bleiben. Beliebte Methode zur Charakterisierung ist, die Person mit einem entsprechenden Adjektiv zu belegen (z.B. mutig) anstatt eine Szene zu schreiben, die dem Leser eben jene Eigenschaft verdeutlicht. Damit nimmt man dem Leser aber viel Eigenleistung ab. In einer Szene könnte man sich ein eigenes Bild machen, so muss ich mit dem Standardwort „mutig“ auskommen.

Um ein wenig Tiefe zu erzeugen, unterbricht die Autorin die Story hin und wieder, um auf ein paar Seiten das bisherige Leben eines Akteurs zu erzählen. Aber auch diese Methode ist so schlecht, dass sie nicht wirklich funktioniert.

Trotzdem kann man schnell die Gedanken und Handlungen der Figuren nachvollziehen. Das ist aber nicht der schriftstellerischen Leistung der Autorin zu danken, sondern liegt daran, dass sie klischeehafte Figuren nutzt, die jeder bereits kennt.

 

Im Verlauf der Story passieren immer wieder Szenen, die genau auf einen Helden abgestimmt sind, eben wie im Rollenspiel. So trifft die Gruppe auf eine bestimmte Bedrohung, die genau einer der Helden abwehren kann. So etwas funktioniert im Rollenspiel, wo sich der entsprechenden Mitspieler freut, in Aktion treten zu können. Im Roman wirkt so etwas konstruiert, da man bei jeder neu auftretenden Bedrohung schnell ahnt, welche Figur die nötigen Fähigkeiten besitzt.

 

Die Welt, in der der Roman spielt, ist wohl selbst ausgedacht. Allerdings hat auch die Welt keine Tiefe. Zwar wartet das Buch mit einer Übersichtskarte auf, aber die gibt nur einen groben Überblick über die Lage der auftauchenden Orte. Die Beschreibungen von Orten und Landschaften sind so allgemein und oberflächlich, dass sie austauschbar bleiben. Die Autorin schafft es nicht, eine eigene lebendige Welt im Kopf des Lesers zu erschaffen.

 

Der Spannungsbogen funktioniert nicht. Da am Buch nicht erkennbar ist, dass es sich um Band 1 einer Trilogie handelt, wartet man auf ein großes Finale. Doch das vorhandene Finale löst ganz andere Handlungsfäden, die zwar auch wichtig sind, aber weniger mit dem Titel des Romans zu tun haben. Hat man nicht die Info aus dem Internet, dann ist der Roman sehr enttäuschend. Weiß man, dass es weitergehen soll, dann weckt das eine kleine Hoffnung, dass die Autorin sich inzwischen weiterentwickelt hat.

 

„Die Drachenkrone“ kann man eigentlich nur der AD&D-Gruppe der Autorin empfehlen. Allen anderen sei davon abgeraten. Die Handlung ist unstimmig und nicht spannend. Die Charaktere sind schlecht beschrieben und voller Klischees.

Das Buch basiert auf bekannten Rollenspielsystemen, bedient sich deren Ideen und Figuren, ohne das etwas eigenes Einzigartiges hinzugekommen wäre.

Alles in allem, ein Buch, das in dieser Form eigentlich nicht hätte veröffentlicht werden sollen.

 

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Titel: Die Drachenkrone

Autor: Ulrike Schweikert

Broschiert - 416 Seiten - Blanvalet

Erscheinungsdatum: Oktober 2005

ISBN: 3442363020

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 18.10.2005, zuletzt aktualisiert: 02.08.2019 12:28