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Die dunkle Armee von James Barclay

Reihe: Die Kinder von Estorea, Bd. 3

Rezension von Christel Scheja

 

In seinem Zyklus um „Die Kinder von Estorea“ entführt James Barclay in eine Welt, die seit mehr als 850 Jahren von der estoreanischen Konkordanz dominiert wird. Deren Herren üben nicht nur die weltliche Herrschaft über die Länder aus, die sie erobert haben, sondern versuchen den unterjochten Völkern auch ihren Glauben aufzuzwingen, der vor allem Magie als Frevel gegen die Götter ansah. Bisher leistete man ihnen auch kaum Widerstand und passte sich an, so dass der Frieden gewahrt blieb.

Doch gleich zwei Ereignisse führten zu einer dramatischen Wende. Nicht nur, dass sich der Feldzug gegen das Nachbarreich Tsard anders entwickelte als gedacht, in der entfernten Provinz von Westfallen wuchsen vier Kinder heran, die über gottgleiche Kräfte geboten. Versuche, diese zu töten, ehe sie das volle Ausmaß ihrer Fähigkeiten beherrschen konnten, schlugen fehl, der Krieg drohte in einer Niederlage zu enden.

 

Von diesen Ereignissen handelten die ersten Romane des Zyklus. Der dritte, „Die dunkle Armee“ setzt zehn Jahre später ein. Viel hat sich verändert, zum Guten wie Schlechten.

Da drei der vier jungen „Aufgestiegenen“, wie die magisch begabten Kinder auch genannt werden, die verhängnisvolle Niederlage für Estorea im letzten Moment abwenden konnten, wurden sie von der Advokatin Herine Del Aglios akzeptiert und diese ändert sogar einige Glaubensgrundsätze.

Auch wenn sie Kinder so nicht mehr länger fürchten müssen, verfolgt zu werden, so bleiben sie doch wachsam, denn ihr Bruder Goran ist noch irgendwo da draußen und spinnt seine düsteren Pläne weiter. Anders als Mirron, Ossacer und Arducius, will er die Menschen dominieren und die Konkordanz ein für alle Mal vernichten. Dass er dabei nicht einmal vor den Gefährten halt macht, die mit ihm aufwuchsen hat er bereits bewiesen, denn Mirron wird durch ihren Sohn Kessian immer wieder an die Vergewaltigung durch Goran erinnert.

Nun, zehn Jahre nach dem Ende des Krieges hat Estorea mit inneren wie äußeren Schwierigkeiten zu kämpfen.

Nicht nur, dass Tsard und die abgefallenen Provinzen weiterhin Schwierigkeiten machen und die Konkordanz weiter zu zerfallen droht, auch der Glauben ist erschüttert worden und die Advokatin verliert immer mehr Einfluss.

Dann mehren sich die Gerüchte von einer Armee der Toten, die die Grenzen Estoreas zu überschreiten droht. Der Anführer ist kein anderer als Goran Westfallen. Gemeinsam mit Tsard will er der Konkordanz den Todesstoß versetzen.

Seine ehemaligen Gefährten wissen, dass allein sie die Macht haben, ihn aufzuhalten. Doch Goran hat schon bald ein Druckmittel in seiner Hand. Er entführt kurzerhand Kessian, seinen und Mirrons Sohn aus der Hauptstadt Estoreas, darauf kalkulierend, dass eine Mutter ihrem eigenen Kind nichts antun kann...

 

James Barclay erzählt die in „Das verlorene Reich“ und „Der magische Bann“ begonnene Geschichte konsequent weiter. Die Karten sind zwar neu gemischt worden, aber wenig davon ist wirklich überraschend. Wie böse Goran ist, hat man ja bereits im Vorgängerband gemerkt, nun ist er auf der Position des Antagonisten angekommen. Es wundert auch nicht, dass er versucht sein eigen Fleisch und Blut auf seine Seite zu ziehen, um die anderen zu schwächen, ebenso wenig wie die Probleme, denen sich die Advokatin und ihre engsten Berater stellen müssen.

Dabei wechselt James Barclay immer wieder von epischen Schlachtenbeschreibungen zu intensiven Charaktermomenten. Die Figuren werden dadurch nicht unbedingt tiefgründig, entwickeln aber eine gewisse Bandbreite an Gefühlen, die ihre Verhaltensweisen und ihre Motive plausibler machen.

Anders als in „Der magische Bann“ findet er diesmal die richtige Mischung aus Action und beschreibender Ausarbeitung, was Längen vermeidet. „Die dunkle Armee“ liest sich wesentlich leichter und flüssiger, die Ereignisse berühren einen wieder mehr. Es scheint so, als hätte er zu seiner alten Form zurück gefunden, denn wie auch die Geschichten um den Söldnerbund der Raben präsentiert er in diesem Band wieder eine gelungene Synthese von actionreichem magischen Abenteuer und persönlichen Tragödien, die auch noch unterhaltsam zu lesen ist.

 

„Die Dunkle Armee“ zeigt endlich wieder, was die Romane von James Barclay ausmachen: Auch diese Geschichte bietet endlich wieder abwechslungsreiche Geschichten mit sympathischen Helden, die durch persönliche Tragödien ein Eigenleben entwickeln, dass man in der Heroic Fantasy sonst eher selten findet.

 

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Die dunkle Armee

Reihe: Die Kinder von Estorea, Bd. 3

Autor: James Barclay

broschiert, Großformat, 461 Seiten

Heyne, erschienen Oktober 2008

Übersetzung aus dem Englischen von Jürgen Langowski

Titelbild von Paul Young, Karte von Iris Daub

ISBN-10: 3453524039

ISBN-13: 978-3453524033

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 20.11.2008, zuletzt aktualisiert: 02.08.2019 12:28