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Die dunkle Wunde von Aleš Pickar

Reihe: Kalion Band 2

 

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Unter dem gebrochenen Glanz des Stillen Mahners am Firmament dräut großes Unheil.

Denn die Peleori schlagen die Kriegstrommeln – was niemand so recht ernst nehmen will. Das Volk vergnügt sich weiterhin sorglos in Arenen und Freudenhäusern, nur ein zierliches Mädchen, dem die Göttin Niobe erschienen ist, predigt Enthaltsamkeit.

Die eigensinnige Prinzessin Linederion trifft nach langer Reise auf ihren Bräutigam, allerdings ist der Herrscher des Ostreichs anders als erwartet. Währenddessen treibt Tausende Meilen entfernt die Schwägerin des Königs Belkar ihre umstürzlerischen Pläne voran. Doch alle Mächtigen des rauen Kontinents Neroê entsenden in diesen Zeiten heimlich Spitzel, Assassine und Legaten. Wer kann es da wagen, zwischen ehrlicher Hingabe und eilfertiger Dienstbeflissenheit, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden …

 

Rezension:

Der erste Band der Kalion-Saga ,Die lautlose Woge, stellte bereits das Gros der handelnden Figuren und Parteien vor. Da der Platz jedoch begrenzt war, musste Aleš Pickar nach eigenem Bekunden, den ersten Band deutlich früher enden lassen, als geplant.

Dadurch öffnen sich zwei Handlungsstränge erst im zweiten Band, Die dunkle Wunde, während sich die Handlungsstränge um den ehemaligen Feldherr Gellen und die Schwertmeisterin Nelei in den Hintergrund schieben. Zwar kann sich die junge Frau in zwei packenden Kapiteln wieder deutlich in Szene setzen und auch den alten Kriegsveteran erleben wir in einer spannungsgeladenen und überraschend endenden Szene, diese Abenteuer spielen sich aber fern der zentralen Konflikte ab.

Die entscheidende Frage ist, wie sich das Königreich Kendaré im heraufziehenden Krieg verhält. Der Hof ist von Intrigen zerfressen. Der König möchte den Frieden auf politischem Weg erhalten, bereitet sich aber insgeheim darauf vor, im Land um Soldaten zu werben. In seinem Rücken führt der Truchsess Geheimverhandlungen mit den Aggressoren aus Argasch und Ostris spinnt weiter ihr Geflecht aus Intrigen und langfristigen Plänen. Denen fällt ihre Zofe zum Opfer und nur knapp entgeht deren Freundin Kemi der Verfolgung durch die Häscher Ostris. Eine gefährliche Flucht in den Norden beginnt.

Währenddessen muss Prinzessin Linederion auf brutale Weise lernen, was es bedeutet, Königin von Ximanté zu sein. Das Reitervolk wird nicht nur von einem üblen Greis angeführt, es befindet sich auch genau zwischen den großen Kontrahenten, die sich an die Neuaufteilung der Neroês machen.

Und in der fernen Gorkonai versucht eine junge Frau, göttliche Zeichen für eine Aussöhnung zwischen Gorkonen und Demenäern auszunutzen, doch da fällt himmlisches Feuer auf die Tempel …

 

Aleš Pickar versprach für den zweiten Band eine Steigerung und er hält sein Versprechen.

»Die dunkle Wunde« baut zunächst weiter am Hintergrund, beginnt aber schnell die wesentlichen Handlungsstränge ins Zentrum zu stellen. Dabei gelingt es Pickar mit Prinzessin Linederion eine komplexe Figur aufzubauen, die trotz aller Ähnlichkeiten mit Daenerys Targaryen, zu einem wichtigen Brennpunkt der Ereignisse wird und eine Eigenständigkeit entwickelt, die man ihr nach den Szenen im ersten Band kaum zugetraut hat. Die Frauen stellen in der Kalion-Saga bisher die stärksten Figuren. Von Nelei über Ostris, Kemi bis hin zu Empala und eben Lin-Lin sorgen sie für die wesentlichen Entwicklungen.

Zwar gibt es auch jede Menge Männerfiguren, doch besetzen sie eher die erwarteten Rollen. Krieger, Herrscher, Monster. Interessant dürfte es werden, wie sich die auflösenden Reiche auf die Wege der Figuren auswirken. Wer Schwierigkeiten mit der Fülle an handelnden Personen hat, kann sich beim Autor eine kostenlose gedruckte Version der Dramatis Personae bestellen. Einfach über die Kalion-Homepage.

 

Pickars Fantasy-Epos lebt von der Vielfalt kultureller und sprachlicher Details. So oft auch die Schauplätze wechseln, stets gerät man in das pralle Leben einer ausgefeilten Kultur, die sich deutlich von den anderen unterscheidet. Selbst in der hintersten Wildnis verbirgt sich noch eine zivilisatorische Nische mit überraschenden Eigenheiten. Man trauert über ihr Verschwinden, so realistisch schildert Aleš Pickar sie. Und selbst ein kleiner Hauch übernatürlicher Phänomene streicht inzwischen durch die Seiten. Vielleicht Vorboten magischer Winde? Der dritte Band dürfte 2018 erscheinen und diese Frage beantworten.

 

Fazit:

Mit »Die dunkle Wunde« nimt die »Kalion«-Saga von Aleš Pickar deutlich an Fahrt auf. Die High-Fantasy-Reihe lebt von ihren Frauenfiguren, die in einer Welt des Unterganges und des Wandels bestehen müssen. »Kalion« überzeugt weiterhin als lebenspralle, bunte Fantasy-Welt, die immer wieder zu überraschen weiß.

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Eure Meinung:

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Buch:

Die dunkle Wunde

Reihe: Kalion Band 2

Autor: Aleš Pickar

Taschenbuch: 326 Seiten

Periplaneta, 21. Juni 2017

Cover und Karte: Aleš Pickar

Illustration: Lisa Brenner

 

ISBN-10: 3959960425

ISBN-13: 978-3959960427

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B074QSWPFT

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

Weitere Infos:


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Erstellt: 20.11.2017, zuletzt aktualisiert: 16.09.2019 18:39