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Die! Ein Spiel auf Leben und Tod (DVD; Horror; FSK 18)

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

Es gibt Schauspieler, bei denen man sich unweigerlich die Frage stellen muss, was aus ihnen geworden ist, nachdem sie die Rolle in einem zumeist sehr großen und sehr erfolgreichen Kinofilm ergattern konnten. Die! Ein Spiel auf Leben und Tod besitzt gleich zwei solche Déjà-vu-Momente – in Form der Italienerin Caterina Murino und dem Kanadier Elias Koteas. So durfte Murino – 2006 in Casino Royale ein tödliches Techtelmechtel mit dem berühmtesten Agenten Ihrer Majestät haben, während Koteas – seit dem Kultstreifen God’s Army (1995) eigentlich keine tragende Rolle mehr innehatte, wenngleich sein durchaus beachtliches Resümee aufweisen kann, dass der Mann alles andere als untätig gewesen ist. Der aus Montreal stammende Regisseur Dominic James setzte garantiert auf die (sicherlich überschaubare) Zugkraft dieser beiden Die-hab-ich-schon-mal-irgendwo-gesehen-Gesichter. Sowie auf ein sehr bekanntes und äußerst erfolgreiches Franchise, wie man gleich sehen wird.

 

Ein desillusionierter Cop, eine junge Drogenabhängige, ein Psychiater, der mitunter außerhalb des Hippokratischen Eids agiert, eine Spielsüchtige sowie eine Frau, die den vorzeitigen Tod ihres Kindes betrauert – sie alle erwachen plötzlich in separaten Zellen aus Plexiglas. Keiner hat den anderen zuvor gesehen. Doch verbindet diese so unterschiedlichen Gestalten eine Sache: samt und sonders sind sie suizidgefährdet und haben bereits diverse Selbstmordversuche unternommen.

Der »Gastgeber« dieser menschlichen Versuchsanordnung, der eher ruhige, aber deshalb umso mehr Bedrohlichkeit ausstrahlende Jacob Odessa (John Pyper-Ferguson) hat keinerlei Mitleid für die Eingesperrten übrig. Vielmehr verachtet er die Respektlosigkeit, mit der jeder einzelne des Sextetts mit dem eigenen Leben umgegangen war. Als Lektion – und um das eigene Dasein möglicherweise wieder zu schätzen – lässt Jacob seine Gefangenen an einem ganz besonderen Spiel teilnehmen. Die Regeln sind einfach: Während die eine Person gefesselt wird, entscheidet die andere per Würfel, wie stark die jeweilige Todesart ausfällt – sofern sie dazu bereit ist. So erwarten jeden Eingesperrten altbekannte Szenarios: Tod durch einen Revolver, Tod mittels Überdosis, Tod durch massiven Blutverlust … bis zum letzten, ungewollten Teilnehmer.

Unterdessen ist die eifrige Polizistin Sofia Valenti (Caterina Murino) an eine Spur geraten, die sie womöglich zu ihrem plötzlich verschwundenen Partner Mark Murdock (Elias Koteas) leiten könnte. Entgegen der Widersprüche ihres Vorgesetzten gräbt die resolute junge Frau unermüdlich weiter und stößt schließlich auf einen Namen: Jacob Odessa …

 

Die Dreistigkeit mit der sich Dominic James und sein Autorengespann bei der Saw-Reihe bedient haben, grenzt mitunter schon an eklatanten Diebstahl. Spätestens wenn Odessa seinen ersten Auftritt hat, erwartet der geneigte Zuschauer indirekt, dass irgendwo eine »Jigsaw«-Puppe auftauchen wird. Was sie zwar nicht tut, es aber dennoch beim dreisten Abkupfern bleibt.

Womöglich hätte man soviel geballte Ideenlosigkeit goutieren können, wären da nicht diverse andere Makel. Etwa eklatante Logiklöcher – zum Beispiel, warum sich keines der Opfer zur Wehr setzt, wenn Odessa alleine die jeweiligen Zellen betritt. Oder weshalb die Zockerin Lisa Meridian (Emily Hampshire) einfach so ihrem Zellennachbarn beim nächsten Selbstmordversuch zur Seite steht, obwohl es klar ist, was der Mann da plant. Und wo wir gerade dabei sind: mit der recht eindimensionalen Charakterisierung hat sich James auch nicht gerade einen Gefallen getan. So sehr die einzelnen Darsteller bemüht sind, gegen die reichlich klischeegetränkten Skizzierungen und mitunter recht einfallslosen Dialoge sind auch sie relativ machtlos. Besonders die durchaus solide Performance von John Pyper Ferguson wird dadurch arg in Mitleidenschaft gezogen. Jedes Mal, wenn das Schicksal ihm die Möglichkeit erwährt, seiner Limitiertheit zu entkommen, sorgt das Drehbuch für diverse verbale und erzählerische Stolpersteine. Ähnlich ergeht es auch der angedachten Spannung. Hie und da sorgt »Die!« durchaus für erhöhten Blutdruck – die einzelnen Todesarten erreichen zwar niemals »Saw«-Schauwerte, sind aber dennoch höchst effektiv –, doch dank der zuvor beschriebenen Makel verpuffen diese kleinen Highlights ebenso rasch wieder. Trotz der im Grunde soliden Inszenierung lässt einen der Film nach Beendigung unberührt zurück, wobei sich auch der Epilog des dritten Akts erneut überdeutlich beim den großen Vorbild bedient.

 

Fazit:

»Die! Ein Spiel auf Leben und Tod« ist einer dieser Filme, die nur zu gerne im Fahrwasser von »Saw« und Konsorten schwimmen möchten – aber letztlich Schiffbruch erleiden. Zu viele Logiklöcher, fehlende Spannung und nicht zuletzt das schamlose Kopieren des Vorbilds machen sämtliche angestrebten Ziele zunichte. Guter Durchschnitt – bestenfalls. Und Herr Koteas und Frau Murino treten weiterhin auf der Stelle.

Eure Meinung:


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DVD:

Die! Ein Spiel auf Leben und Tod

Originaltitel: Die!

Kanada, 2010

Regie: Dominic James

Format: Dolby, PAL, Widescreen

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Region: Region 2

Bildseitenformat: 16:9 - 2.35:1

Umfang: 1 DVD

FSK: 18

Universum, 12. August 2011

Spieldauer: 88 Minuten

 

ASIN (DVD): B0050WMPBK

ASIN (Blu Ray): B0050WMPBU

 

Erhältlich bei Amazon

 

Darsteller:

Elias Koteas

Caterina Murino

John Pyper-Ferguson

Emily Hampshire


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Erstellt: 16.12.2011, zuletzt aktualisiert: 27.03.2020 10:23