Die Erde und die Außerirdischen (Herausgeber: Peter Dehmel)
 
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Die Erde und die Außerirdischen herausgegeben von Peter Dehmel

Rezension von Cronn

 

Wenn das Gespräch auf Science-Fiction-Literatur kommt, fallen einige Namen nahezu instinktiv. Es sind dies die großen Klassiker aus der goldenen Ära der SF, u. a. Isaac Asimov, Robert Heinlein, Arthur C. Clarke, Ray Bradbury oder auch Ursula K. LeGuin. Manchmal hört man dann schon noch Philip K. Dick, obgleich er einer späteren Generation angehört.

Die osteuropäischen SF-Größen sind eher in der ehemaligen DDR bekannt, welche diese Schriftsteller veröffentlich hat, darunter aus der Sowjetunion die Gebrüder Arkadi und Boris Strugatzki, die mit Picknick am Wegesrand die Vorlage für den Film Stalker und das darauf sich anlehnende PC-Game mit dem gleichen Titel schufen. Doch kommt man nach Polen, überdeckt ein Name alle anderen: Stanislaw Lem. Doch dass es in Polen eine rege SF-Szene gab und noch gibt, ist nur Insidern bekannt.

 

Peter Dehmel hat es sich als Herausgeber zur Aufgabe gemacht, diese Lücke zu schließen und vereint im Band Die Erde und die Außerirdischen sechs Autoren, die mit acht Kurzgeschichten vertreten sind. Wie gelungen ist der Band? Die nachfolgende Kritik soll dies beleuchten.

 

Inhalt und Kritik:

Nach dem knapp gehaltenen Vorwort von Peter Dehmel, der auf die Lage der polnischen SF verweist, startet der Band mit der Geschichte Die Wahrheit über den Elekter von Andrzej Czechwoski. Sie beschreibt den Kontakt eines Astronauten von der Erde mit den Kindern auf einem entfernten Außenposten, wo sich eine gesellschaftliche Veränderung ergeben hat. Eine lebendig geschriebene Geschichte, aber ohne große Höhen. Sie wirkt als Einstieg in den Band wenig spektakulär.

 

Die zweite Erzählung trägt den Titel Die Hand und ist von Zbiginiew Prostak. Hier erzählt ein alter Astronaut seinem Enkel von einem alten Unfall und dem Kontakt mit einem fremden Raumschiff. Die Geschichte ist effektvoll konstruiert und nach einem schwerfälligen Einstieg durchaus spannend auf das Ende hin erzählt.

 

Die Götter kehren in den Himmel zurück von Janusz A. Zajdel berichtet vom Kontakt eines Berberjungen im antiken Ägypten mit einem Raumschiff in der Wüste, das ungeahnte architektonische Folgen hat. Die Story ist ausdrucksstark erzählt und gegen Ende wird sie nahezu zur Anekdote.

 

Dariusz Filar erzählt mit Die Keule die Geschichte eines Erstkontakts mit einem vom Himmel herabgeschwebten Flugobjekt und kann mit Parallelen zum Film Arrival von Denis Villeneuve aufwarten. Auch hier versuchen Wissenschaftler hinter die Geheimnisse des Objekts zu kommen, allerdings mit mehr oder weniger großem Erfolg. Die Story ist gelungen, durchaus humorvoll an einigen Stellen.

 

Die Schaufensterpuppe von Jacek Sawaszkiewicz beschreibt den Fund eines Roboters und die sich daraus entwickelnden Episoden durchaus stilsicher, aber das Finale verpufft ein wenig. Schade, denn bis dahin war die Story durchaus auf dem Weg zum Liebling des Kritikers.

 

Diesen Rang konnte auch die nächste Geschichte nicht erringen. Welcome to Earth von Janus A. Zajdel erzählt vom Erstkontakt eines Journalisten und Militärs mit Aliens und das auf sehr gelungene Weise. Die Charaktere werden mit einem Augenzwinkern gezeichnet, aber das Ende wirkt in seiner Emotionalität nicht überzeugend.

 

Die vorletzte Story ist die gelungenste im ganzen Band: Der Gigantomat von Konrad Fialkowski berichtet von einer Rettungsmission, die fast selbst zum Fiasko wird. Die Geschichte ist wie eine Detektivstory aufgebaut – nach und nach erfährt man mehr über die Vorgänge. Dabei bleibt alles logisch und packend erzählt. Auch das Ende überzeugt dadurch, dass die gesamte Erzählung darauf hinstrebt und der letzte Satz noch die Krönung dem Ganzen aufsetzt. Wunderbar erzählt.

 

Auch Wildschweine im Kartoffelfeld von Janusz A. Zajdel ist eine sehr gelungene Geschichte. Hier dreht sich alles um einen Forscher, der auf einem Planeten bei einer Erkundungsmission verschwindet. Die Story ist ebenfalls in der Machart eines Detektivromans erzählt, hat zudem einen Plot, den man nicht zu leicht voraussieht und ein Ende, das den Titel erklärt. Sehr geschickt konstruiert, obgleich geradlinig erzählt.

 

Fazit:

»Die Erde und die Außerirdischen« ist ein Band mit SF-Kurzgeschichten, wie man ihn sich öfter wünscht. Obgleich nicht jede Story vollauf überzeugt, sind jedoch keine Totalausfälle dabei und die Geschichten können auf gutem Niveau unterhalten.

Gerne möchte man mehr SF-Stories im Wurdack Verlag sehen!

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Buch:

Die Erde und die Außerirdischen

Herausgeber: Peter Dehmel

ÜbersetzerInnen: Roswitha Matwin-Buschmann, Kurt Kelm, Peter Dehmel sowie Christa und Johannes

Jankowiak

Taschenbuch, 144 Seiten

Wurdack Verlag 22. Oktober 2012

Cover: Jacek Kaczynski

 

ISBN-10: 3938065850

ISBN-13: 978-3938065853

 

Erhältlich bei: Amazon

Inhalt:

  • Die Wahrheit über den Elekter von Andrzej Czechwoski

  • Die Hand von Zbiginiew Prostak

  • Die Götter kehren in den Himmel zurück von Janusz A. Zajdel

  • Die Keule von Dariusz Filar

  • Die Schaufensterpuppe von Jacek Sawaszkiewicz

  • Welcome to Earth von Janus A. Zajdel

  • Der Gigantomat von Konrad Fialkowski

  • Wildschweine im Kartoffelfeld von Janusz A. Zajdel

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20230605164200a82be646
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Erstellt: 09.11.2017, zuletzt aktualisiert: 07.05.2023 18:07