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Die Ernten des Schreckens von Markus K. Korb

Rezension von Christel Scheja

 

Bergen die Schilderungen von Geschehnissen aus dem Krieg, sei es nun an der Front und im Kampf oder weit hinter den Linien nicht schon genug Horror in sich? Müssen sie dann auch noch mit phantastischen Elementen gespickt werden, die den schrecken vielleicht sogar eher abmildern als verstärken?

Diese Fragen stellt sich auch Markus K. Korb, der Autor der insgesamt elf Kurzgeschichten in „Die Ernten des Schreckens“ und versucht sie in seinen Erzählungen zu beantworten.

 

In den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges haben sich deutsche Soldaten in einer Kirche verschanzt. „Fallhöhe“ beginnt damit, dass ein amerikanischer Fallschirmspringer durch das Turmdach bricht und in seinem Geschirr hängend qualvoll stirbt. Keiner der Männer hilft ihm, weder im Leben noch im Tod, denn sie wissen, dass wenn sich einer von ihnen oben sehen lässt, die Scharfschützen aus dem anderen Lager das ausnutzen werden. Aber irgendwann hält es einer der Männer, entgegen jeder Order von oben nicht mehr aus und beschließt als letzten Akt der Menschlichkeit wenigstens den Toten von dort oben zu befreien.

Auch der Krieg der Vergangenheit fordert seinen preis, vor allem, wenn auch noch Missernten und Schlimmeres dazu kommen. Hinter vorgehaltener Hand flüstern sich die Einheimischen zu, dass „Meister Wieland“, der Müller nicht ganz ehrlich ist, was das Mehl angeht – und ein Mann, der sich heimlich dazu schleicht, findet tatsächlich heraus, wie er es streckt ... mit dem was die Schlachtfelder übrig lassen.

„Menschenmaterial“ für die Ärzte des dritten Reiches bringt ein Güterzug in das KZ. Einer der Männer, der seinem Schicksal entgegenfährt, erinnert sich bitter daran, dass er im ersten Weltkrieg in den Schützengräben einem Feind gegenüber gestanden und ihn verschont hat, ohne den er jetzt nicht in dieser Lage wäre.

Die Novelle „Ins dunkle Herz“ erzählt von einer römischen Expedition in die unbekannten Tiefen Afrikas. Sie sollen auf Befehl von Kaiser Nero heraus finden, wo der Nil eigentlich entspringt, und welche Schätze und Herausforderungen dort verborgen sind. Zwei junge Römer lernen auf dieser Reise sehr viel über sich und die Mentalität ihres Volkes. Was sie am Ende mit sich bringen ist allerdings mehr als nur Berichte. Denn einer der Schätze in ihrem Besitz ist auch eine Waffe, die zur ganz besonderen Kriegsführung dient.

 

Dies sind nur einige der Geschichten, die die ganze Bandbreite von Möglichkeiten, sich mit dem Krieg zu beschäftigen abdecken. Während „Meister Wieland“ und „Der Knochenturm“ eher konventionelle Lösungen für die Gräuel des Krieges finden, „Die ultimative Waffe“ eher wenig berührt, weil das Setting zu fremd ist, treffen „Fallhöhe“ und „Menschenmaterial“ ins Schwarze.

Beide Geschichten sind sehr eindringlich geschrieben und verzichten weitestgehend auf phantastische Elemente. Die wenigen, die in ihnen vorhanden sind fügen sich jedoch nahtlos in das Gesamtbild ein. Sie sprechen sehr menschliche Themen an und zeigen, wie nah sich in diesem Moment die guten und schlechten Seiten der Menschen sind, werfen die moralische Frage auf, ob man Menschlichkeit mehr zählen sollte als das eigene Leben und enden für die Protagonisten sehr bitter.

„In das Dunkle Herz“ hat weniger mit dem Krieg selbst zu tun, als mit den Waffen, die manche Völker einsetzen könnten, wenn sie die Natur ihrer Feinde genau kennen. Ein wenig erinnert die Geschichte an die Abenteuer, die im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert geschrieben wurden, als es noch viele weiße Flecken auf der Landkarte gab und mutige Europäer mit der Arroganz des Imperialisten in ihnen noch unbekannte Regionen vorstießen. In der Novelle haben sowohl die phantastischen Elemente als auch die Figuren genug Zeit, um sich zu entwickeln, so dass man mit den Helden zu fühlen beginnt.

 

Alles in allem ist „Die Ernten des Schreckens“ eine sehr gelungene Mischung aus abwechslungsreichen Geschichten, in der die Phantastik mal mehr mal weniger im Vordergrund steht und für jeden eine spannende Geschichte dabei sein dürfte, egal ob er jetzt oberflächliche Unterhaltung mit klar erkennbarem Horror oder tiefgründigeres Grauen sucht.

 

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Die Ernten des Schreckens

Autor: Markus K. Korb

Atlantis Verlag, erschienen Oktober 2009

A5 Paperback, 200 Seiten

Titelbild: Mark Freier

Innenillustrationen: Björn Ian Craigh

ISBN-10: 3941258192

ISBN-13: 978-3941258198

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 20.06.2010, zuletzt aktualisiert: 31.05.2019 18:27