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Die Ersten Hundert Tage

Reihe: Ex Machina Bd. 1

Rezension von Christian Endres

 

Ex Machina – Gott aus der Maschine

 

Ein Unfall im Hafen von New York verleiht Bauingeneur Mitchell Hundred (ja, »Hundred« wie »Hundert«) die Kraft, mit seiner Stimme technische Maschinen allert Art zu beeinflussen und ferner seinem Willen zu unterwerfen - und sie damit zu kontrollieren. Die von ihm und seinen Freunden Bradbury und Kremlin angestrebte Karriere als kostümierter Superheld The Great Machine kommt jedoch nie so recht ins Rollen: Miese Publicity und einige misslungene Aktionen lassen Hundred schließlich als kostümierten Verbrechensjäger in der Öffentlichkeit durchfallen und schließlich aufgeben – und stattdessen eine Karriere als Bürgermeister von New York City ins Auge fassen!

 

Anstelle von Superschurken, Terroristen und anderen Bedrohungen für die öffentliche Sicherheit bekämpft Mitchell fortan also eher die Tücken der Bürokratie, der Lobbyisten und des tobenden Schneechaos in den Straßen seiner Stadt. Eines hat sich im Vergleich zu seinen gezählten Tagen als Superheld allerdings nicht geändert: Miese Publicity ist nach wie vor ein großes Problem. Als plötzlich jemand beginnt, Schneepflugfahrer zu ermorden, und im Kunstmuseum zu allem Überfluss auch noch ein fragwürdiges, von der Stadt ungewollt subventioniertes Bild zwischen Kunst und Rassismus ausgestellt wird, weiß auch Superhelden-Bürgermeister Hundred, dass ihm seine besonderen Kräfte wohl nur bedingt helfen werden, um die erste Katastrophe seiner Amtszeit abzuwenden...

 

Autor Brian K. Vaughan überzeugt. Egal ob Konzept, Charaktere, Dialoge oder Storytelling – in den hier versammelten ersten fünf Episoden um Mitchell Hundred fesselt er seinen Leser mit jedem Panel, mit jeder Seite. Sicherlich mag dem Nicht-Amerikaner ab und an eine Anspielung durch die Lappen gehen und manch eine Bedeutung nicht ganz klar sein – aber alleine die großartig eingesetzten Zeitsprünge in Hundreds Vergangenheit, die gewissermaßen einen mit der Gegenwart verknüpften, jedoch zugleich auch autonomen Handlungsstrang bilden, entschädigen für vieles.

 

Und auch Tony Harris’ Artwork steht Vaughans modernem Konzept in nichts nach. Ebenso brandaktuell wie die Story, kommen auch seine angenehm realistischen Zeichnungen frisch und unverbraucht des Weges daher, während das Panini-Softcover ebenfalls einen optisch schönen Eindruck macht, bei den Fußnoten (z. B. mit Erklärungen zu politisch-spezifischen Begriffen der USA) allerdings etwas schwächelt und eindeutig Nachholfbedarf besteht – eine Fußnote mit Übersetzung gehört unter das entsprechende Panel, und man sollte sie auch lesen können, genauso wie sie nicht angeschnitten sein sollte...

 

Vaughan gelingt es, den traditionellen, ja den klassischen US-Superheldencomic zu politisieren – womit er ihn durchaus neu definiert. Auch wenn er letztlich ein wenig auf den aktuell beliebten Zug der Polit-Thriller mit aufspringt, ist sein »Die Ersten Hundert Tage« ein gelungen andersartiger Superhelden-Comic mit einem ungemein innovativen Konzept und darüber hinaus tollen Zeichnungen im Gepäck.

 

Politik und Spannung triumphieren also über klassisches Superheldentum – und verhelfen dem ersten Sammelband von Ex Machina zu einem klaren Erfolg nach Wählerstimmen...

 

 

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Comic:

Die Ersten Hundert Tage

Reihe: Ex Machina Bd. 1

Autor: Brian K. Vaughan

Zeichner: Tony Harris

Softcover, 140 Seiten

Panini Vertigo, Februar 2007

erhältlich bei Panini


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Erstellt: 29.07.2007, zuletzt aktualisiert: 20.08.2019 17:15