Die Insel Calliste ist für ihre Ewigen bekannt. Das sind versteinerte Wesen, die nur alle 17 Jahre für 2 Tage zum Leben erwachen. Touristen aus aller Welt wollen die Versteinerten sehen, aber zum Termin des Erwachens wird die Insel von Schaulustigen regelrecht belagert. Beim letzten Erwachen wurde Ila geboren, die deshalb eine besondere Verbindung zu den Wesen fühlt. Jetzt will sie sich als Touristenführerin beweisen. Doch dann läuft alles aus dem Ruder.
Katja Brandis legt mit diesem Buch einen Fantasy-Roman vor, der sehr aus dem im Genre gewohnten Rahmen fällt. Etwas thematisch Vergleichbares habe zumindest ich noch nicht gelesen. Der Handlungsort ist eine Insel überschaubarer Größe, auf der es nur einen einzigen Ort gibt. Obwohl das Bild einer recht modernen Gesellschaft geschildert wird, übt der Ortsvorsteher eine relativ despotische Macht aus. Eine übergeordnete Staatsgewalt scheint nicht zu existieren. Mehr noch als aus den versteinerten und zur Handlungszeit gerade wieder einmal erwachenden Wesen, die den Menschen mehr oder weniger freundlich gegenüberstehen, zieht die Geschichte ihren Stoff aus lange zurückreichenden Spannungen zwischen den Inselbewohnern. Speziell die Familien der Protagonistin, deren Vater gegenwärtig der Hüter der Versteinerten ist, und die Familie des Ortsvorstehers stehen dabei im Fokus. Im Zentrum des Geschehens stehen die Protagonistin, der Sohn des Ortsvorstehers und ein Tourist. Dabei thematisiert die Autorin (natürlich) auch eine Liebesgeschichte, die allerdings eher dezent bleibt. Denkt man als Leser zunächst, Gefahren durch nicht ganz friedliche Erwachte würden das Herz der Handlung darstellen, verlagert sich der Schwerpunkt später auf die menschliche Bevölkerung, speziell im näheren Umkreis der Protagonistin. Es handelt sich hier um eine abgeschlossene Geschichte, die keine Ansatzpunkte für eine eventuelle Fortsetzung bietet.
Die Autorin wechselt zwischen den Perspektiven der Protagonistin und der beiden jungen Männer. Während Ila dabei jedoch als Ich-Erzählerin auftritt, werden die Passagen Rheos und Tarons in der 3. Person erzählt.