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Die Flucht von Ally Condie

Reihe: Cassia und Ky, Bd. 2

Rezension von Christel Scheja

 

 

Wie so viele andere Jugendliche ist Cassia in dem System der Gesellschaft aufgewachsen und hat es nicht in Frage gestellt. Das ändert sich um ihren sechzehnten Geburtstag herum, als sie durch einen dummen Zufall falsche Daten zu dem jungen Mann erhält, der eines Tages ihr Lebenspartner werden soll.

 

Denn anstatt eines Bildes von ihrem langjährigen Freund Xander aus der Nachbarschaft erhält die das von Ky, einem Außenseiter, der schon lange unter Beobachtung der Funktionäre steht und nahe daran ist, als Abberation aus der Mitte der Gesellschaft abgeschoben zu werden. Doch bevor es dazu kommt, öffnet er Cassia die Augen und zeigt ihr, dass das System längst nicht so perfekt ist, wie sie angenommen hat. Er lehrt ihr das Lesen und die Schönheit der Texte, die nicht in die hundert Kunstwerke aus jedem Bereich aufgenommen wurden und zeigt ihr, dass der Tod des Großvaters kein Zufall, sondern Mord ist.

Cassia beginnt zu zweifeln, kann aber nicht verhindern, dass Ky schließlich als Abweichler und Rebell an die Grenzen des bewohnbaren Landes gebracht wird. Ihr Ausbruch von Rebellion wird hart bestraft, kann sie aber auch nicht davon abhalten, weiter nach ihrem Freund und Geliebten zu suchen.

Schließlich gelingt ihr die Flucht aus einem Arbeitslager und in die Randgebiete. Zusammen mit der rebellischen Indie wagt sie etwas, was sie vorher nicht einmal in Betracht gezogen hat. Sie folgt den vagen Spuren ihres Freundes hinaus in unbekanntes Land, in die Canyons und Ebenen, die als Brutstätte der Feinde der Gesellschaft gelten. Dort soll auch „Die Erhebung“ Zuflucht gefunden haben – die Menschen, die gegen die Gesellschaft rebellieren und versuchen, sie zu zerstören.

Auf der entbehrungsreichen Wanderschaft erfährt Cassia allerdings nicht nur mehr über Ky und seine Vergangenheit, sondern lernt vor allem sich selbst erst richtig kennen.

 

Im ersten Band von Cassia und Ky stand die Herrschaft des totalitären Regimes über die Menschen im Mittelpunkt der Geschichte. Allie Conde ließ es sich nicht nehmen, die düsteren Seiten heraus zu arbeiten und dennoch zu zeigen, dass man sich mit dem System auch arrangieren kann.

Im zweiten Band der Reihe stehen eher die Personen im Mittelpunkt. Lange Zeit bleiben Cassia und Ky voneinander getrennt. Das gibt ihnen aber auch die Zeit, mehr über sich selbst zu erfahren und sich eindringliche Fragen über ihr bisheriges Leben und ihre Zukunft zu stellen. Denn gerade das junge Mädchen wächst durch die Flucht und merkt, dass sie nicht nur wegen ihrer Liebe, sondern auch aus eigenem Willen geflohen ist, da sie alles immer mehr hinterfragt – auch die Entwicklungen, die ihr Weltbild erschüttert haben.

Ky kämpft mit den selben Gefühlen, denn mit der Rückkehr ins Grenzland erinnert er sich immer mehr an seine eigene Vergangenheit und seine Eltern. Er fragt sich immer wieder ob er bisher das Richtige getan hat und nicht nahe daran ist, ähnliche Fehler wie sein Vater zu begehen, die einem ganzen Dorf das Leben gekostet haben.

Gemeinsam und mit ihren Freunden entdecken die Helden zudem weitere Geheimnisse des Systems, die aber vermutlich erst im dritten Band wichtig werden. Gerade diese Hinweise aber halten auch die Spannung aufrecht, an der es in diesem Buch etwas mangelt.

Cassias und Kys Handlungsebenen plätschern mehr oder weniger die meiste Zeit dahin. Es ist zwar einige Zeit interessant, ihre geistige und seelische Entwicklung zu beobachten, aber die Autorin vergisst dabei auch etwas passieren zu lassen, was den roten Faden weiter spinnt. Erst im letzten Drittel zieht die Geschichte deutlich an und mischt am Ende auch noch die Karten für die Helden neu.

Die Romanze rückt diesmal erstaunlich weit in den Hintergrund, auch wenn die Liebe anfangs Cassies Triebfeder zu sein scheint. Das sorgt dafür, dass die Geschichte sich ein wenig aus der Masse abhebt, da die Autorin ihrem Instinkt folgt und nicht den Konventionen.

 

Alles in allem ist „Die Flucht“ ein eher auf die Personen und ihre geistige Reifung konzentrierter Roman, der in erster Linie für die Leser interessant ist, die an Romanen vor allem Charakterentwicklung und zwischen den Zeilen versteckte Hinweise auf den Hintergrund schätzen und weniger vordergründige Action oder altbekannte Klischees. Zwar nur mäßig spannend, aber dennoch ganz interessant schreitet die Geschichte von Cassia und Ky voran und macht durch einige kleine Hinweise Lust auf mehr.

 

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Jugendroman:

Die Flucht

Autorin: Ally Condie

Reihe: Cassia und Ky, Bd. 2

Gebunden, 455 Seiten

Fischer, erschienen Januar 2012

Übersetzung aus dem Englischen von Stefanie Schäfer

Titelbild von Samantha Aide

ISBN-10: 384142144X

ISBN-13: 978-3841421449

Erhältlich bei: Amazon

Kindle Edition

ASIN: B006LI9ZKG

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 29.04.2012, zuletzt aktualisiert: 15.11.2019 09:07