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Die fünfte Zauberin von Robert Newcomb

Rezension von Christel Scheja

 

Nur Menschen mit „erlesenem Blut“ sind fähig in Eutrakien Magie zu wirken. Irgendetwas befähigt sie dadurch, sich den arkanen Energien zu öffnen und die azurblaue Kraft zu sehen, mit der sie ihre Zauber wirken können. Doch wie immer hat alles zwei Seiten. Denn so wie sich die Männer den positiven, helfenden und erschaffenden Mächten zugewandt hatten, verschrieben sich die Frauen den negativen und zerstörenden Künsten und begannen mit Grausamkeiten und Gewalt über Eutrakien zu herrschen. Bis zu dem Tag, an dem sie die Zauberinnen verbannen konnten. Sie setzten sie weit draußen im Meer aus, nicht ahnend, dass ihre Großmut ihnen eines Tages zum Verhängnis werden sollte. Denn die Zauberinnen überleben und errichten im fernen Parthalonien ein neues Reich nach ihrem Geschmack.

 

327 Jahre nach dem teuer erkauften Sieg haben die Eutrakier die Schrecken von damals fast vergessen, nur noch Legenden künden davon. Sie vertrauen den unsterblichen Magiern des Direktoriums, die eine neue Ordnung errichtet haben und lassen sich von einem sorgsam ausgewählten König leiten. Diesem ist ein magisches Juwel anvertraut, das in den Händen von Magierin und Zauberinnen unermessliche Kraft entfesseln würde. Als unausgebildeter Hüter, jedoch mit „erlesenem Blut“ wacht er darüber, dass niemand den Stein missbrauchen kann. Doch wenn sein Sohn dreißig Jahre alt geworden ist, überträgt er diesem die Bürde und zieht sich dann ins Privatleben zurück, er kann aber dem Direktorium beitreten und ebenfalls unsterblicher Magier werden.

Ein solcher Zeitpunkt ist gekommen. Doch Prinz Tristan, der Erbe von König Nicholas möchte eigentlich gar nicht die Nachfolge seines Vaters antreten. Doch dabei besitzt er ungewöhnlich starke Kräfte, die weit über das übliche Maß hinaus gehen. Die Magier sind beunruhigt, wollen aber an der Zeremonie festhalten.

Als es so weit ist geschieht jedoch etwas, mit dem niemand gerechnet hat. Monströse Krieger, begleitet von einer wunderschönen Frau dringen in den Thronsaal ein. Sie metzeln die Magier nieder und fallen grausam über die anderen Anwesenden her. Die Zauberinnen sind zurückgekehrt, und zu ihnen gesellt sich eine, die die letzten dreihundert Jahre auch noch im Verborgenen überlebt hat...

Alles scheint verloren, denn der alte König und seine Königin sterben auf grausame Art und Weise und die Zwillingsschwester Tristans, Shahila gerät in die Gewalt der Zauberinnen. Nur dem Thronerben und dem Obermagier gelingt es im letzten Augenblick zu fliehen. Sie wissen, dass sie die einzige Hoffnung sind, um die Zauberinnen nun noch aufzuhalten, denn es ist sicher, dass sie die Vergangenheit wieder heraufbeschwören wollen...

 

„Die fünfte Zauberin“ ist ein Fantasy-Epos, wie es im Buch steht. Actionreich und abenteuerlich, mit einem Setting, das vertraute Elemente mit exotisch-neuen verbindet und vielen alten Klischees. Mächtige Frauen sind natürlich von ihrer Natur aus verderbt und böse, als magisch begabte Dominas stöckeln sie durch die Gegend und haben nichts besseres zu tun, als sich neue Grausamkeiten auszudenken und dem Leben zu spotten, aber auch darauf zu achten, dass sie ihre Schönheit und Jugend nicht verlieren.

Gewalt und Angst regieren ihr neues Reich, während ihre männlichen Gegenspieler eher auf Sanftmut und Freundlichkeit setzen und als gütige Oberväter das Land Eutrakien vorsichtig, aber doch energisch lenken. Andererseits sind sie auch nicht gerade zimperlich, wenn sie sich ihrer Haut wehren oder ihre Ziele erreichen möchten.

Der Autor beschwört in seinem Buch die schlichte Moral der Sword & Sorcery und der frühen Rollenspiele herauf. Frauen sind nur gut, wenn sie sich den Männern unterordnen, sie lieben und ihren Platz an Heim und Herd annehmen und gar nicht daran denken, dominieren zu wollen. Haben sie Macht kosten sie diese auf perverse Seiten auf, während sich die Männer natürlich nicht korrumpieren lassen und weiter hehren Zielen folgen. Da klingen, die Veränderungen, die der Held am Ende befiehlt eher wie Lippenbekenntnisse. An den Rollenmustern ändert sich jedoch nicht viel.

Die Feinde sind klar umrissen, die Freunde auch schnell zu erkennen und die Handlung folgt eingetretenen Pfaden. Um der Auserwählte zu werden, muss sich der Prinz erst einmal jegliche Bindungen zur Vergangenheit verlieren, erst dann kann er frei handeln, und irgendwann seine Rachegedanken durch einen höheren Sinn ersetzen. Letztendlich bleiben die Figuren und auch Inhalte des Buches oberflächlich.

 

Daher sollte man „Die fünfte Zauberin“ nur als seichte und bunte Unterhaltung, wie man sie aus Filmen kennt, ohne Tiefgang oder überraschende Wendungen. Der Roman ist ein schlichtes, wenn auch flüssig zu lesendes exotisches Fantasy-Abenteuer, das zwar die Langeweile im Urlaub vertreiben kann, nicht aber aus der Masse herausragt und irgendwie in Erinnerung bleibt.

 

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Die fünfte Zauberin

Autor: Robert Newcomb

Reihe: Tristan, Bd, 1

Broschiert - 768 Seiten

Heyne, erschienen Juli 2006

ISBN: 3-453-53235-X

Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch von Michael Koseler

Titelbild von Dominic Harman, Karte von Don Oliver Matthies

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 29.06.2006, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 14:35