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Die Gefährtin des Lichts von N. K. Jemisin

Reihe: Das Erbe der Götter, Bd. 2

Rezension von Christel Scheja

 

N. K. Jemisin schuf bereits in „Die Erbin der Welt“ ein komplexes Universum, in dem die Götter viel größeren Einfluss haben als sonst. Sie wandeln unter den Sterblichen, was einigen von diesen auch bewusst ist, und schaffen es, die Welt immer weiter in Aufruhr zu bringen, da sie ihre Streitigkeiten über Äonen austragen müssen.

Erkannte Yeine, die Heldin dieses ersten Romans, erst spät ihr Erbe und ihre Bestimmung und handelte am Ende um so entschlossener, steht die starke Frau von „Die Gefährtin des Lichts“ viel fester mit beiden Beinen auf der Erde und greift schon recht früh in das Geschehen ein, weil sie nicht anders kann.

 

Oree lebt, seit sie mit sechzehn Jahren ihre Heimat verlassen hat, als Straßenkünstlerin in der Stadt Elysium. Sie ist etwas besonderes, da sie seit ihrer Geburt blind ist. Dennoch kann sie auf eine besondere Art und Weise sehen – sie nimmt die Magie deutlich wahr, die in den Menschen und Götterkindern oder um sie herum ist.

Aus diesem Grund hat sie sich auch eines schweigsamen aber nicht gänzlich stummen Mannes angenommen, den sie eines Tages in ihrer Gasse gefunden hat. „Sonnenschein“, wie sie ihn irgendeinmal nennt, zeigt ein seltsames Verhalten – seine Magie scheint zu kommen und zu gehen, wann sie will, dennoch kann er nicht wirklich sterben, so oft er sich auch umbringt. Auch wenn er sie nicht sonderlich zu mögen scheint, so lässt sie ihn doch auch nicht im Stich.

Dann findet Oree eines Tages die Leiche eines Götterkindes und von da an hat sie keine Ruhe mehr. Denn nicht nur die mächtige Priesterschaft kommt auf sie zu, auch andere Götterkinder wollen wissen, was sie vielleicht gesehen hat, begehren herauszufinden, ob sie nicht vielleicht mit in der ganzen Sache steckt und erkennen schon bald, wer eigentlich hinter „Sonnenschein“ steckt. Ausgerechnet zu einem dieser Wesen entwickelt Oree eine ganz besondere Bindung. Ehe sie sich versieht, steckt sie dadurch mitten in einem Komplott, dass die Welt ins Chaos stürzen könnte. Doch auch wenn sie blind ist, lässt sich die junge Straßenkünstlerin nichts gefallen und beginnt ihrerseits gegen denjenigen, der den Götterblütigen das Leben nimmt, zu kämpfen. Dabei erweist sich jemand als sehr ungewöhnlicher Verbündeter und vielleicht sogar Schlüsselfigur.

 

„Das Erbe der Götter“ ist eine der seltenen Trilogien, in denen eine Debüt-Autorin gleich ihr ganzes Potential zeigt. Nicht nur die Erzählweise von N. K. Jemisin überzeugt auch im zweiten Band.

Mit Oree präsentiert sie eine selbstbewusste und starke Heldin, die trotz Behinderung die Fäden in der Hand hält, aber dennoch nicht zur Superheldin wird. Genau wie die anderen Figuren des Bandes hat sie Stärken und Schwächen, Ecken und Kanten, die sie lebendig und nicht ganz vorhersehbar machen.

Dazu kommt eine vielschichtige Handlung auf mehreren Ebenen und eine gute Mischung aus Action, Dialogen und Beschreibung mit mehreren überraschenden Wendungen. Auch einige wenige Figuren aus dem ersten Band haben ihren Auftritt, man muss diesen aber nicht einmal kennen, um den Hintergrund zu verstehen, da die wichtigsten Punkte erklärt werden.

Wieder einmal gibt es keine klaren Seiten, selbst die Bösewichte handeln aus nachvollziehbaren Motiven und auch die „Guten“ scheuen sich nicht, auch einmal brutal zu werden.

„Die Gefährtin des Lichts wird sehr subtil erzählt und findet diesmal auch ein angemessenes Ende mit einem sauberen Ausklang. Alle Handlungsstränge werden zusammengefügt und die wichtigsten Fragen beantwortet. Dennoch ist man auf den abschließenden Band gespannt, da man neugierig bleibt, welche Facetten der Welt und Götter die Autorin diesmal zeigen mag, nachdem die beiden ersten schon so unterschiedlich sind, aber doch eine Einheit bilden.

 

Auch „Die Gefährtin des Lichts“ ist spannende Lektüre für alle anspruchsvolleren Leser, die vor allem charakterzentrierte Geschichten mit einem komplexen Hintergrund und einer abwechslungsreichen Handlung mögen.

 

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Die Gefährtin des Lichts

Reihe: Das Erbe der Götter, Bd. 2

Autorin: N. K. Jemisin

Klappbroschur, 448 Seiten

Blanvalet, erschienen November 2010

Übersetzung aus dem Englischen von Helga Parmiter

Titelbild von Martha Dalig

ISBN-10: 344226670X

ISBN-13: 978-3442266708

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 17.02.2011, zuletzt aktualisiert: 13.07.2019 19:34