Die Geister von La Spezia (Autor: Oliver Plaschka)
 
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Die Geister von La Spezia von Oliver Plaschka

Rezension von Matthias Hofmann

 

Oliver Plaschka ist nicht der Erste, der sich Mary Wollstonecraft Shelley, die Autorin von Frankenstein oder Der moderne Prometheus (1818), Percy Bysshe Shelley sowie dessen Dichterkumpel Lord Byron als Protagonisten ausgesucht hat. Spontan fallen mir Der entfesselte Frankenstein (1973) von Brian W. Aldiss oder Frankissstein (2019) von Jeanette Winterson ein. Und er wird auch nicht der Letzte bleiben. Diese Ära und ihre Personen ist immer noch Kult und ein Quell für Interpretationen.

 

Mich, der ein gewisses Faible für frühe Science-Fiction- und Schauerliteratur entwickelt hat, muss man mit so einem Setting nicht lange überzeugen. Das interessiert mich grundsätzlich. Es geht ins frühe Italien des 19. Jahrhunderts. Toskana, Ligurien, La Spezia und das historisch belegte Personenensemble von Shelley & Co. darf dem Roman Die Geister von La Spezia Leben einhauchen.

 

Oliver Plaschka, der auch als Übersetzer tätig ist, hat über die Jahre ein paar fantastische Bücher veröffentlicht, zunächst vor allem bei Kleinverlagen, und immerhin 20 Taschenromane für die Serie Perry Rhodan NEO beigesteuert. Bei Klett-Cottas Hobbit-Presse erschien zuletzt Der Wächter der Winde (2019), ein Roman, der literarisch ganz weit oben ansetzt und Motive aus William Shakespeares Der Sturm verwendet.

 

Sein neuster Streich »Die Geister von La Spezia« hat, zumindest vom Klappentext her, alle Zutaten für einen schönen und spannenden Roman. Im Italien des Jahres 1822 trauert Mary Shelley um ihren Mann Percy, der im Golf von La Spezia in einen heftigen Sturm geraten und ertrunken ist. Wenige Zeit später tauchen Zweifel auf, ob das wirklich nur ein Unfall auf hoher See war oder mehr dahinter steckt. Das ruft die magisch begabte Ermittlerin Patricia »Pat« Colombari auf den Plan, die mit Mary Shelley auf Erinnerungsreisen geht. Durch diese »Technik« nimmt sie als eigenständige Person an der Vergangenheit und dem persönlich Erlebten ihrer Probanden teil.

 

Was wie eine einigermaßen originelle Idee klingt, wird im Roman zum komplexen Vexierspiel. Leider, muss man sagen, denn als Leser wird die Lektüre zu einer Art belletristischem Hindernislauf, bei dem man krampfhaft versucht, nicht den Überblick und den Anschluss an den Plot zu verlieren.

 

Schuld an dieser herausfordernden Lage ist die totale Überfrachtung des Romans mit Personen des wahren Lebens, plus Nebenfiguren und einer Handvoll erfundener Charaktere. Diese Unmenge an Namen, in Verbindung mit den wiederkehrenden Zeitsprüngen, plus die Verflechtungen von »aktuellen« mit »vergangenen« Geschehnissen könnten so manche Leserin und so manchen Leser, die dachten, sie hätten es »bloß« mit einem schön romantischen Geister- und Detektivroman zu tun, kapitulieren lassen. In die Irre geführt vom Titel, der Coverillustration und dem Klappentext.

 

Das Kuriose ist, dass immerhin der Autor den Überblick behalten hat. Er hat ausführlich recherchiert und sogar eine Zeittafel mit realen Jahreszahlen und Ereignissen ans Ende des Buchs gestellt. »Die meisten der in diesem Buch geschilderten Ereignisse (mit Ausnahme jener in Byrons Kellern) basieren auf wahren Begebenheiten,« schreibt Oliver Plaschka in seinem Nachwort. Allerdings ist des Ergebnis ein wirrer Fantasyroman, dessen Lektüre sich kaugummiartig in die Länge zieht, weil sich einfach keine Spannung einstellen will. Das ist sehr bedauerlich.

 

Ergo: Man baut keinerlei Beziehung zu den handelnden Personen auf und man will schon nach 100 Seiten nicht mehr wissen wie es weiter geht.

 

So bleibt unterm Strich ein hochambitioniertes Werk, das an seinem eigenen Rechercheaufwand zerbricht. Einzig das gelungene Zeitkolorit und der durchaus routinierte Schreibstil wissen zu überzeugen. Schade eigentlich, da wäre mehr drin gewesen.

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Buch:

Die Geister von La Spezia

Autor: Oliver Plaschka

gebundene Ausgabe, 416 Seiten

Klett-Cotta Hobbit-Presse, 14. März 2026

Cover: Federico Musetti

 

ISBN-10: 3608988858

ISBN-13: 9783608988857

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B0FXMTLMDN

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition


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Erstellt: 16.04.2026, zuletzt aktualisiert: 27.07.2026 19:42, 26141