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Die Geschichte der Juden – Die Kinder der Tora

Rezension von Christel Scheja

 

Die Geschichte der Juden wird gerne auf zwei große Themen reduziert, die immer wieder in den Medien die Runde machen: Vertreibung und Unterdrückung. Simon Shama, Professor für Kunstgeschichte will dies ändern und die zahlreichen Facetten des jüdischen Glaubens, Einflüsse, die ihn geprägt haben und die, die er selbst auf seine Umgebung hatte, in einem weit gefassten Streifzug durch die Vergangenheit vorstellen. „Die Geschichte der Juden – Die Kinder der Tora“ ist daher eine sehr vielschichtige Fernsehserie, die bewusst das „Damals“ mit dem „heute“ verbindet.

 

Fünf Folgen umfasst die Serie. „Ein Gott, ein Volk“ beschäftigt sich mit den Anfängen des Judentums? War der Glaube anfangs wirklich so monotheistisch, wie man angenommen hat? Oder hat er sich wie alle anderen nach und nach entwickelt?

Wie wurde er zu einer der wichtigen Religionen im Vorderen Orient und konnte sich über die Jahrhunderte halten, ohne assimiliert zu werden? Und spielte nicht immer auch eine politische Note mit? Wie entwickelte sich das Verhältnis zu den nachfolgenden monotheistischen Religionen, dem Christentum und dem Islam?

„Im Mittelalter“ zeigt sich erstmals das ambivalente Verhalten der Religionen zueinander. Schon in der Römerzeit haben sich die Juden verändern, ihren Glauben durch die Zerstörung des Jerusalemer Tempels auf neue Säulen stützen müssen, nun bedingen die Entwicklungen in Europa weitere Veränderungen, denn Christen und Mohammedaner machen es den Juden nicht immer leicht, ihre Kultur und ihren Glauben zu leben.

„Vom Shtetl in die Stadt“ und „Im Osten“ geht auf die Entwicklungen der Neuzeit ein, in der Juden eine neue Identität finden und einige sogar in hohe Positionen in den sich neu definierenden Nationalstaaten aufsteigen, in denen sie maßgeblich anfangen, wieder Philosophie, Kunst und Kultur mitzuprägen und dann doch wieder miterleben müssen, wie Judenhass und Rassismus seit der Mitte des 19. Jahrhunderts und vor allem im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts auf grausame Art und Weise zurückschlägt.

„Das Gelobte Land“ schließlich beschäftigt sich mit den letzten siebzig Jahren, in denen der junge Staat Israel in Palästina aus dem Boden gestampft wird und sich seither mit allem Mitteln zu halten versucht.

 

„Die Geschichte der Juden“ ist eine sehr interessante und vielschichtige Serie. Simon Schama betrachtet die Vergangenheit nämlich nicht nur aus der rosaroten Brille, sondern versucht so sachlich und fair zu sein, wie er kann.

Das Judentum hat eine lange Entwicklung durchgemacht – der Zuschauer lernt durch die ausführlichen Erläuterungen, wie es durch äußere und innere Einflüsse geprägt wurde und sich nach und nach den Gegebenheiten angepasst hat, um bestehen zu bleiben.

Dabei werden aber auch die Schattenseiten des Glaubens nicht ausgelassen, genau so wenig wie auch positive Bespiele im Zusammenleben der Juden mit anderen Völkern Europas hervorgehoben werden. Denn nicht immer mussten sie unter Verfolgung und Gewalt leiden, oft genug kamen sie in gutem Einvernehmen mit der Bevölkerung aus. Oft genug hat dann aber wirtschaftliches oder politisches Kalkül die Stimmung wieder umschlagen lassen – wie so oft in Krisenzeiten wurden dann die Schuldigen bei denen gesucht, die anders waren.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch unter den Juden sehr unterschiedliche Strömungen, man erfährt so, dass sich gerade in den letzten Jahrhunderten auch eine modernere Form des Glaubens entwickelt hat, deren Mitglieder bewusst mehr im hier und jetzt leben und sich nicht länger als zweitausend Jahre alte orthodoxe Regeln klammern, etwas, was durchaus auch zu Spannungen innerhalb der Gemeinschaft der Gläubigen führte.

Ernst und realistisch wird auch die Geschichte der letzten siebzig Jahre behandelt, der Antisemitismus steht ebenso auf dem Prüfstand wie der Zionismus und die Entwicklung des Staates Israel, in dem auch nicht alles human von statten ging.

Man merkt, das es den Machern wirklich darum geht, irgend jemandem die Schuld für etwas zuzuschieben, sondern bewusst Interesse für das Judentum zu wecken, zu verstehen, auf welchen Wurzeln der Glaube heute beruht, welche Unterschiede aber auch Gemeinsamkeiten es zwischen Juden und Christen gibt, die man nicht außer Acht lassen sollte.

Das alles geschieht in einem freundlichen und sachlichen, vor allem wertfreien Tonfall, einer unterhaltsam moderierten Dokumentation, die die Vergangenheit immer wieder mit der Gegenwart verknüpft und neben Simon Schama auch noch viele andere, recht unterschiedliche Persönlichkeiten jüdischen Glaubens zu Wort kommen. Am Ende hat man wirklich das Gefühl, diese Religion nun besser verstehen zu können, gerade in Hinblick auf die vielschichtige Vergangenheit, die hier auch in kleinen Details zum Tragen kommt. Gerade diese aber sind das Salz in der Suppe und schaffen die Verbindung zum Zuschauer, die anderen Dokumentationen aus diesem Themenkreis oft fehlt.

 

 

Fazit:

 

Es lohnt sich durchaus einen Blick in „Die Geschichte der Juden – Die Kinder der Tora“ zu werfen, denn die fünfteilige Dokumentation schafft es mit eindrucksvollen Bildern, eindringlichen Erzählungen nicht nur die Vergangenheit wieder zu erwecken, sondern durch die vielschichtige Betrachtung auch viel Verständnis und Neugier zu wecken, die in der Gegenwart und Zukunft dabei helfen können, diesen Glauben als das zu akzeptieren, was er ist: Eine Religion, die dem Christentum ähnlicher ist, als wir denken.

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DVD:

Die Geschichte der Juden – Die Kinder der Tora(

Darsteller: Simon Schama

Regisseur(e): Tim Kirby

Format: Dolby, PAL, RC 2

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Englisch

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

Anzahl Disks: 2

FSK: Infoprogramm

Studio: Polyband/WVG

Erscheinungstermin: 26. Februar 2016

Produktionsjahr: 2013

Spieldauer: 300 Minuten

ASIN: B017V923R

 

Erhältlich bei: Amazon

 

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Erstellt: 08.03.2016, zuletzt aktualisiert: 02.08.2022 20:01