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Leseprobe: Die Göttin und die Zigeunerin

Prolog

 

Mein Name ist Darlena.

Bei meinem Volk ist es Sitte, an der Schwelle zum Erwachsenenalter eine Wanderfahrt anzutreten, um fremde Welten und auch sich selbst zu entdecken.

Da ich aber eine DeMarco bin, dachte ich, ich müsste weiter reisen, als alle meine Altersgenossen vor mir. Aber ich habe mich dadurch in große Gefahr gebracht, in sehr große Gefahr. Und in der schwärzesten Stunde meines Lebens, als ich schon dachte, ich würde sterben, erhielt ich Hilfe von den ungewöhnlichsten Menschen, denen ich jemals begegnet bin.

Ich werde euch jetzt die Geschichte meines Wanderjahres erzählen.

 

 

Die Göttin und die Zigeunerin

 

Sie wussten nicht, was sie in diesen Sektor geführt hatte. Es war mehr eine vage Ahnung, als das Ergebnis rationellen Denkens, das Harpon und Cassandra diesen Kurs hatten festlegen lassen. Hätten sie gewusst, welche Seele an ihrem Ziel leidet, hätten sie sich sicherlich anders verhalten. Aber die Mächte, die sie lenkten, ließen sie über viele Monate hinweg im Ungewissen, und so nahm die Geschichte ihren Lauf.

Als sie das Zielsystem mit der roten Sonne erreichten, drosselte Harpon die Geschwindigkeit der Nepokadnezar bis auf zehn Prozent Licht. Argwöhnisch musterte er den Panoramabildschirm. Cassandra las die Ortungsergebnisse ab.

„Da ist ein künstliches Objekt, Harpon. 3,27 Millionen Kilometer vor uns.“

Harpon trat neben sie und kontrollierte die Anzeigen.

„Keine Antriebssignatur. Also ist es eine Raumstation. Und nach dem regen Flugverkehr kann es nur eine Handelsstation sein.“

Er überprüfte die öffentlichen Register.

„Sie ist nicht verzeichnet. Wahrscheinlich eine illegale Umschlagsbasis.“

„Was wird uns dort wohl erwarten? Waffen? Drogen?“

„Oder schlimmeres.“

„Was schlägst du vor?“

„Ich möchte mich dort umsehen, aber ohne erkannt zu werden.“

Sie ließen ihr Ewigkeitsraumschiff Nepokadnezar in einer engen Umlaufbahn um die Sonne des Systems zurück, und näherten sich dem Ziel in einem Beiboot herkömmlicher Bauart.

Die Handelsstation lief auf der Umlaufbahn des äußersten Planeten um die Sonne. Sie machte einen verwahrlosten Eindruck. Die stumpfe Hülle wies Krater und Schrammen von den Treffern vieler kleiner Meteoriten auf. Man schien für den Bau der Station die Hüllen ausgemusterter Raumschiffe verwendet und bei Bedarf weitere Teile angebaut zu haben. So war im Laufe der Jahre ein unregelmäßiges Gebilde von bizarrem Äußeren entstanden. Sie folgten einem Leitimpuls und legten in einem der zahlreichen Docks an. Den Raumschiffstypen nach, die hier auf Parkpositionen lagen, mussten sie auf das Zusammentreffen mit Angehörigen aggressiver Rassen gefasst sein.

Beim Verlassen der Andockschleuse fragte sie niemand nach ihren ID-Karten. Harpons Erscheinungsbild war unauffällig genug, um nicht beachtet zu werden. Aber Cassandra warfen einige Humanoide eindeutige Blicke zu.

„Wir hätten uns verkleiden sollen, Cassandra. Deine Schönheit fällt hier auf“, raunte Harpon ihr zu. In der Tat, Cassandra war sie eine exotische Schönheit, mit glatter, samtener Haut, bernsteinfarbenen Augen und hüftlangen kupferfarbenen Haaren. Harpon war ein Ritter der Ewigkeit und lebte schon seit mehr als 13000 Jahren. Viele Welten und Völker hatte er in seinem langen Leben schon besucht. Aber er konnte sich nicht erinnern, schon einmal eine Frau wie sie gesehen zu haben. Die Erinnerungen an ihren Anblick, die Lieblichkeit ihrer Züge und die Anmut ihrer Bewegungen, würde wohl einigen der Humanoiden, die sie angestarrt hatten, eine schlaflose Nacht bereiten.

Viele Stunden lang gingen sie von Sektor zu Sektor. Müde und hungrig wollten sie die weitere Suche schon aufschieben, und in einer Unterkunft ein Zimmer für die kommende Ruheperiode mieten, als sie ihre Schritte in einen besonders heruntergekommenen Bezirk lenkten.

„Das ist der übelste Bezirk auf dieser Handelsstation, habe ich erfahren. Hier kann man illegale Geschäfte tätigen, jede mögliche Art von Dienstleistung erwerben und sogar Sklaven kaufen“, erklärte Harpon.

 

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Die Göttin und die Zigeunerin

Reihe: Der Weg zwischen den Sternen 3

Autor: Hermann Weigl

Verlag: Books on Demand GmbH; Auflage: 1 (April 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3837060403

ISBN-13: 978-3837060403

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:

Disclaimer:

Freigabe zur Weiterveröffentlichung der Leseprobe besteht, soweit vom Autor nicht anders angegeben nur für "FantasyGuide.de". Für alle weiteren Veröffentlichungen ist die schriftliche Zusage des Autors erforderlich.


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Erstellt: 05.08.2008, zuletzt aktualisiert: 20.02.2015 09:32