Die Grube und das Pendel von Edgar Allan Poe

Gruselkabinett 111

Hörspiel

 

Rezension von Cronn

 

Die Reihe Gruselkabinett von Titania Medien beinhaltet Klassiker der Schauerliteratur in einer modernen Hörspielumsetzung. Dabei sind die Macher Stephan Bosenius und Marc Gruppe überwiegend mit einer geschickten Textwahl gesegnet. Auch diesmal ist mit der Reihennummer 111 ein wahrer Schatz zu heben: Die Grube und das Pendel ist eine intensive Schreckensgeschichte von Edgar Allan Poe, keinem Geringeren als den Meister der Kurzgeschichte.

Nachdem sich die letzte Folge als wenig spannend herausgestellt hat, ist die Frage, ob sich die Macher von Titania Medien diesmal wieder den eigenen hohen Qualitätsmerkmalen stellen können?

Die nachfolgende Rezension soll es zeigen.

 

Verlagsinfo:

Rom 1846: Der Edelmann Montrésor sieht sich seit Jahren der infamen Verspottung durch Fortunato ausgesetzt und ersinnt daher einen perfiden Plan, sich dieses Plagegeistes zu entledigen – vor allem, da die beiden, was Fortunato gar nicht mehr gegenwärtig hat, eine gemeinsame Vergangenheit haben, die bis in das Jahr 1796 zurückreicht …

 

Der Klappentext ist noch nicht vollständig in seiner Berichterstattung, sodass noch eine Erweiterung nötig ist.

Wer den Klappentext liest, fühlt sich automatisch an eine andere Story von Edgar Allan Poe erinnert, und zwar an Das Fass Amontillado. Und er hat Recht: Marc Gruppe hat die beiden Geschichten miteinander verwoben, so dass hier eine Melange entstanden ist, deren Qualität zu beurteilen ist.

 

Kritik:

Sich an einem Text von Edgar Allan Poe zu versuchen, ist immer schwierig. Poes Werke zeichnen sich durch Dialogarmut aus, was für ein Hörspiel selbstredend schwierig umzusetzen ist. Daher muss der Drehbuchschreiber viele Dialoge neu erfinden und Erzählerbericht-Stellen in aktive Rede umformen.

Zudem tragen die Kurzgeschichten von Poe nicht unbedingt ein Hörspiel von annähernd einer Stunde Laufzeit.

Die Lösung von Marc Gruppe war es bereits bei Die Maske des Roten Todes zwei Kurzgeschichten zu vermengen. Das hat im Fall von »Die Maske des Roten Todes« nicht gut funktioniert, da hier zwei vom Motiv her unterschiedliche Stories angepackt wurden. »Die Maske des Roten Todes« ist eine Geschichte über Arroganz gegenüber dem Tod, wohingegen Hop-Frog eine Rachegeschichte ist.

Nun wurden die beiden Geschichten »Das Fass Amontillado« und »Grube und Pendel« zusammengepackt. Dies ist besser gelungen.

»Das Fass Amontillado« ist eine typische Rachegeschichte und »Grube und Pendel« eine Schreckensgeschichte, deren Grauen aus der Folter entspringt. Bei »Das Fass Amontillado« ist das Rachemotiv des Protagonisten Montrésor seltsam unbestimmt bei Poe. Es lag daher nahe, dass Marc Gruppe hier die Folter-Erlebnisse aus »Grube und Pendel« als Ausgangspunkt nimmt und Montrésor zum Gefolterten stempelt. Dann wirkt die neu entstandene Erzählung nahezu rund. Es stört nur ein Element: Der zeitliche Abstand zwischen den beiden Ereignissen ist zu groß. Und da knirscht es etwas im Getriebe des Story-Mashups von Marc Gruppe.

 

Die Sprecher agieren auf sehr hohem Niveau. Besonders die Sprecher von Montrésor und Fortunato erhalten hier ausgiebig Zeit, sich im zweiten Teil des Hörspiels zu profilieren.

 

Auf Seiten des Sounds ist hochgradige Qualität zu hören. Das schwingende Pendel wurde hervorragend in Stereo von links nach rechts umgesetzt und der Hall im Keller des Montrésor, gepaart mit dem plätschernden Deckenwasser, lässt einen Schauer über den Rücken laufen.

 

Fazit:

»Die Grube und das Pendel« ist eine gut gelungene Umsetzung mit wenig Schwächen beim Drehbuch, hervorragenden Sprechern und einem tadellosen Sounddesign.

Empfehlenswert.

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zuletzt aktualisiert: 07.08.2021 14:39 | Users Online
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