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Die Herrin der Worte von Frances Hardinge

Rezension von Christel Scheja

 

Frances Hardinge studierte englische Literatur in Oxford. Die Herrin der Worte ist zwar nicht ihre erste Veröffentlichung, aber der erste Roman aus ihrer Feder. Sie entführt darin in ein Land, das sehr stark an das England des 18. Jh. angelehnt ist, wie der kundige Leser schnell merken wird.

 

Die zwölfjährige Mosca hat die Nase voll von ihrem Leben in einem heruntergekommen Nest und unter der Fuchtel ihres strengen und spießigen Onkels, denn sie spürt, dass sie nicht an diesen Ort gehört. Schon ihr Vater war ein Sonderling, ein Schreiber und Gelehrter, der ihr schon früh das Lesen und Schreiben beigebracht hat, Künste die nicht selbstverständlich sind, schon gar nicht an ihrem Geburtsort.

Sie befreit Wortmeister Clent aus seiner misslichen Lage, nachdem dieser von den Dorfbewohnern des Betrugs bezichtigt wurde. Als Gegenleistung will sie von ihm neue Worte und die Kunst des Verseschmiedens lernen. Der Mann stimmt eher widerwillig zu und versucht sie mehrfach abzuschütteln, das Mädchen bleibt jedoch mit ihrer kampfeslustigen Gans an seiner Seite.

Für Mosca eröffnet sich eine neue und spannende Welt. Sie lernt die edle Dame Tamarinde kennen, die Schwester des Herzogs von Löwenburg, kommt mit verschiedenen Gilden in Berührung und lernt, dass das Leben in der Stadt gefährlicher sein kann, als sie es sich je vorgestellt hat. Denn ehe sie sich versieht ist sie mit Clent in Morde und Intrigen verwickelt, die ihnen leicht den Kopf kosten könnten: Versuchen die Vogelfänger, die das Land schon einmal mit ihren radikalen Ideen in Not und Elend stürzten erneut die Macht an sich zu reißen?

Mosca ist gewitzt und zeigt ihren Feinden – aber auch den vermeintlichen Freunden – dass sie nicht mit sich spielen lässt. Sie durchschaut manchen Winkelzug früh genug um einlenken zu können, doch die Wahrheit über ihren Vater Federkiel Mye, der in seiner Jugend keineswegs nur zurückgezogen lebte, muss sie auch erst einmal verdauen.

 

»Die Herrin der Worte« führt zurück in eine Welt, der höfischen und bürgerlichen Intrigen, in denen die Gilden genauso wie die Adligen sorgsam darauf bedacht sind, ihre Macht zu behalten. Wer sich in der englischen Geschichte auskennt, die einzelnen Elemente genauer erkennen können, aber auch ohne Kenntnis tut das dem Lesegenuss keinen Abbruch. Eher im Gegenteil. Dadurch, dass einmal nicht das bereits so abgenutzte Mittelalter verwendet wird, taucht der Leser in ein etwas exotischeres Setting ein, in dem Schusswaffen schon dazugehören, und sich auch die hierarchische Struktur verändert hat.

Die Figuren sind durchweg sehr lebendig und glaubwürdig geschildert. Keiner ist ein zweidimensionales Abziehbild, sondern zeigt immer wieder überraschende Seiten seines Charakters. Mosca ist zwar gewitzt und altklug, aber oft genug kommt auch das Kind in ihr zum Vorschein, Wortmeister Clent ist zwar ein angeberischer Betrüger, aber er zeigt auch Herz und Verantwortung, wenn es darauf ankommt, der heroische Straßenräuber Captain Blythe ist nicht immer ganz so heldenhaft, wie man es von ihm erwartet, sondern wünscht sich wie jeder einfache Mann eigentlich nur Frieden. Und auch die Gegenspieler besitzen gute Gründe für ihr Handeln.

 

Fazit:

Frances Hardinge gelingt es, den Leser zunächst ständig auf falsche Spuren zu führen, bis am Ende die überraschende Wahrheit ersichtlich wird – die durchaus nachzuvollziehen ist.

Dadurch bleibt der Roman bis zum Ende spannend und dürfte auch erwachsene Leser gut unterhalten. Überhaupt wendet sich das Buch nicht an Kinder, dazu ist es zu komplex und manchmal auch ein wenig zu hart.

 

Eure Meinung:

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Buch:

Die Herrin der Worte

Autorin: Frances Hardinge

gebunden, 480 Seiten

cbj , August 2006

Übersetzung: Alexandra Ernst

Titelbild: Dieter Wiesmüller

 

ISBN-10: 3570131408

ISBN-13: 978-3570131404

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 10.07.2006, zuletzt aktualisiert: 10.09.2019 19:06