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Die Hexe von Clatteringshaws von Joan Aiken

Rezension von Heike Rau

 

Simon, der nun König von England ist, muss im St.-James-Palast wohnen. Das ist ein altes, zerfallenes Herrenhaus aus Backstein, erbaut vor Hunderten von Jahren. Dabei würde er viel lieber in seinem gemütlichen Haus in Battersea leben. Das geht aus nachvollziehbaren Gründen natürlich nicht, muss er doch Parlamentssitzungen eröffnen, Antragsteller anhören, ausländische Würdenträger empfangen, mit Bischöfen zu Mittag essen, Krankenhäuser besichtigen und an Bürgertreffen teilnehmen. Mit dem Herzen ist Simon nicht dabei.

 

Simon hat sich Dido eingeladen, um bei ihm zu wohnen. Doch so wenig, wie Simon König sein will, will sie seine Königin werden. Am besten wäre es, ein anderer könnte dieses so wichtige Amt übernehmen. Doch wer käme noch als König infrage? Da gibt es einen angelsächsischen Abkömmling von König Malcom von Kaledonien. Wo er lebt, weiß allerdings keiner so genau. Irgendwo im Norden des Landes muss es sein.

 

Vater Sam, der Erzbischof von Canterbury, hat eine Idee. Dazu muss er den Kontakt zu seiner Kusine Malise wiederbeleben, die in Schottland wohnt. Sie ist Hexe in einer Stadt namens Clatteringshaws. Dido, die am Königshof von bestimmten Leuten nicht gerne gesehen wird, will selbst in den Norden reisen. Begleitet wird sie von Holzwurm. Eigentlich heißt der junge Mann Piers Ivanhoe le Guichet Crackenthorpe. Die beiden wollen dem nachgehen, was man sich erzählt.

 

Königin Ethelfleda harrte demnach mit ihrer Kammerdienerin Hild in einer Kutsche auf einem Hügel ganz in der Nähe von Clatteringshaws aus, um den Ausgang der Schlacht abzuwarten, bei der König Malcom allerdings getötet wurde. Gerade hatte sie ihr Kind geboren, als eine verirrte Kugel die Kutsche traf. Die Königin starb. Ihre Dienerin fiel wohl den Hobyahs zum Opfer, vermutet man. Von dem Baby fehlte allerdings jede Spur.

 

Dido und Holzwurm müssen also ein Waisenkind finden, das möglicherweise irgendwo in Clatterringshaws lebt, nichts ahnend, dass es von königlicher Herkunft ist. Tatsächlich finden sie einen Jungen, auf den diese Beschreibung passt. Doch ist er arm dran und völlig ungebildet.

 

„Die Hexe von Clatteringshaws“ ist ein Abenteuerroman, der sehr fantasievoll wirkt. Dido, die eigentlich nur ihrem Freud helfen will, erlebt eine unglaubliche Geschichte, die sich auch vom Schreibstil her sehr gut liest. Aber nicht nur die Geschichte an sich fesselt, es sind auch die Details, über die man immer wieder staunt. Wer sind nur diese Hobyahs? Sie werden nie genau beschrieben, dennoch möchte man ihnen nie begegnen. Sie leben auf der Südseite von Loch Grieve, kommen heraus, wenn es dunkel ist und fressen Menschen. Oder auch die Tatsache, dass die Kusine des Erzbischofs von Canterbury eine Hexe ist. Beide haben zusammen Theologie studiert! Die Autorin erlaubt sich in diesem Buch so einige Späße, sehr zur Freude der Leser. Auch am Ende sorgt sie noch einmal für eine gelungene Überraschung mit einem interessanten Schluss. Schade, dass das Buch nur knapp 150 Seiten hat. Man würde der Autorin gern weitere hundert oder mehr Seiten folgen.

Das vorliegende Buch ist übrigens die Fortsetzung von „Der Todesruf der Nachtigall“. Schade, dass man das erst erfährt, wenn man die Autoreninfo vorn im Buch liest. So hat man das Gefühl, etwas verpasst zu haben.

 

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Buch:

Die Hexe von Clatteringshaws

Autor: Joan Aiken

Deutsch von Irmela Brender

Verlag Friedrich Oetinger Hamburg

August 2005

143 Seiten, gebunden, 10,90 Euro

ab 12 Jahren

ISBN: 3-7891-3016-8

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 04.04.2006, zuletzt aktualisiert: 28.10.2019 13:53