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Die Höhlenkinder von Alois Theodor Sonnleitner

Rezension von Lars Perner

 

Rezension:

Eva wächst als Waise bei Ihrer Großmutter und deren älterem Bruder auf. Und es ist kein leichtes Leben. Insbesondere die Großmutter wird je nach Bedarf als heilkundige Kräuterfrau von den Dörflern zu Hilfe gerufen oder als bösartige Hexe verfolgt. Als der Hexenwahn wieder einmal sehr schlimm ist, flieht sie in ein einsames Tal. Als die Lage sich wieder beruhigt hat und sie zurück kommen kann, kommt sie nicht alleine sondern bringt einen Jungen mit nach Hause. Peter ist etwas älter als Eva und den beiden Alten eine große Hilfe bei der täglichen, schweren Arbeit. Abermals geraten die Dorfbewohner aus nichtigem Anlass in Wut und wollen die Hexe brennen sehen. Diesmal muss die ganze Familie fliehen. Die Reise führt sie in den Heimlichen Grund. Unglücklicherweise rutscht der Berg aber gerade beim Passieren des Taleinganges und begräbt den großväterlichen Alten. Mit ihm geht die gesamte Ausrüstung verloren, welche das Leben der Familie im Tal sichern sollte. Als kurz darauf auch Evas Großmutter verstirbt, bleiben nur die beiden Kinder hilflos zurück. Völlig mittellos und von der Außenwelt abgeschnitten, kämpfen sie um ihr Überleben im Tal. Zum Glück ist Sommerzeit und es gibt genug zu essen. So richten sie sich in einer Höhle ein. Mit der Zeit entwickeln beide Kinder Fähigkeiten und Werkzeuge, die ihnen auch in schwierigeren Zeiten, das Überleben sichern. Immer wieder neuen Gefahren trotzend machen sie in einer Art Mikrokosmos beispielhaft die Entwicklung der Menschheit von der Steinzeit bis in die Eisenzeit durch.

A. Th. Sonnleitner, der eigentlich Alois Tluchor hieß, schuf mit diesem Werk ein abenteuerliches Lehrbuch, welches nun bereits in der 64. Auflage erschienen ist. Eigentlich handelt es sich um drei Bücher, die hier in einem Band zusammengefasst wurden. Der Autor projiziert die Entwicklung des Menschen in seiner Frühgeschichte auf einen Mikrokosmos. Dafür bedient er sich eines Kinderpaares, welches in einem von der Außenwelt abgeschnittenen Tal im Zeitraffer all die Erfindungen macht, die den Menschen in seiner Entwicklung voranbrachten. Triebfeder der Entwicklung ist dabei zunächst der reine Überlebenskampf. Doch frühzeitig kommt es zu einer Kulturentwicklung, was sich insbesondere in Bildern ausdrückt. Auch die sinnlose Naturzerstörung durch den Menschen, welche nicht mehr durch Notwendigkeiten getrieben wird, spricht Sonnleitner an. Die Erstausgaben erschienen 1918-1920. Dies wirkt sich vielfach aus. Zunächst spiegelt die wissenschaftliche Schilderung den Kenntnisstand dieser Zeit wider. Ötzi war noch nicht gefunden und doch schildert der Autor viele vorgeschichtliche Werkzeuge und Herstellungsprozesse äußerst anschaulich. Durch die stellenweise sehr detailliert beschriebenen Handlungen sind die Erzählungen fast schon als Pfadfinderlehrbuch zu gebrauchen. Die frühe Entstehungszeit spiegelt sich aber auch in der verwendeten Sprache wider. Diese wirkt für heutige Leser sehr altertümlich, was besonders stark in den Dialogen der Kinder hervor tritt. Die Überarbeitung des Textes durch Ingeborg Rothe liegt auch bereits über 30 Jahre zurück und so kann man den Text trotz Bearbeitung als anspruchsvoll ansehen. Der Autor widmet sich aber nicht nur dem technologischen Fortschritt. Auch die soziologischen Gefüge haben ihren Platz. Einerseits herrscht in den Erzählungen eine klar definierte Geschlechterrolle zwischen Mann und Frau vor. Andererseits sorgt Peter mit seiner arrogant herablassenden, fast herrischen Art dafür, dass sich Eva zunehmend von ihm entfernt. Der Autor lässt zwischen den Zeilen auch ein bisschen Kritik an dieser Verteilung aufkommen. So sind einige Erfindungen eindeutig Eva zuzuschreiben, obwohl Peter diese dann für sich nutzt und beansprucht.

 

Fazit:

„Die Höhlenkinder“ kann man ruhigen Gewissens als Klassiker betrachten. Erzählstil und Spannungsbogen sind zwar nicht mehr zeitgemäß. Hier fehlt eine aktuellere Überarbeitung. Die eigentliche Handlung und Darstellung der Entwicklung der Kinder ist aber zeitlos interessant und trotz neuerer wissenschaftlicher Kenntnisse immer noch gut zu gebrauchen.

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Die Höhlenkinder

Autor: Alois Theodor Sonnleitner

Kosmos, 09/2008

(Hardcover), 288 Seiten

ISBN-10: 3440116654

ISBN-13: 9783440116654

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 08.11.2008, zuletzt aktualisiert: 20.09.2019 15:49