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Die Insel der besonderen Kinder von Ransom Riggs

Hörbuch

Rezension von Christel Scheja

 

Der Drehbuchautor, Journalist und Fotograf Ransom Riggs verwirklichte mit „Die Insel der besonderen Kinder“ ein Lieblingsprojekt von sich. Ganz offensichtlich haben ihn die alten Schwarzweiß-Fotos zu der Geschichte inspiriert, die eine nicht unerhebliche Rolle im Buch spielen. Der Roman wurde inzwischen mit leichter Verzögerung auch in ein Hörbuch umgesetzt. Vorgetragen wird dies von Simon Jäger.

 

Als Kind verbrachte Jacob viel Zeit mit seinem Großvater. Dieser hat ihm von klein an wundersame, aber auch unheimliche Geschichten erzählt, deren Wirkung er mit den entsprechenden Fotos verstärkt hat. Mit sechzehn Jahren tut der Junge dies alles zwar inzwischen als Kinderkram ab, doch die Umstände des Todes des als paranoid geltenden alten Mannes, werfen ihn dennoch aus der Bahn, da dabei etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Zwar kämpft er um seine geistige Gesundheit und versucht sich auszureden, dass etwas an den Geschichten vielleicht doch stimmen könnte – aber schließlich gibt es keinen anderen Weg, als dem letzten Hinweis seines Großvaters zu folgen, der zu einem Kinderheim auf einer abgeschiedenen Insel vor Wales führt.

Tatsächlich gelingt es Jacob, seine Eltern zu überreden, den Ort zu besuchen, an dem der alte Mann im zweiten Weltkrieg ein paar Jahre verbracht hat. Zunächst sieht es nicht danach aus, dass er in den von Bomben zerstörten Kinderheim noch etwas finden wird – aber er hat die Geheimnisse des Hauses unterschätzt. Gerade als er am allerwenigsten erwartet, tut sich vor ihm eine neue magische Welt auf.

 

Ransom Riggs baut eine düstere und gruslige Geschichte auf, deren Magie sich erst nach und nach entfaltet. Nüchtern und dennoch verträumt lässt er den Leser in eine Welt eintauchen, die ihre Wurzeln in den Werken der klassischen Schauerliteratur und die Atmosphäre früher Gruselfilme haben, erinnern die Beschreibungen der Fotos doch oft an die missgestalteten oder behinderten Männer und Frauen, die bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts ihren Lebensunterhalt als „Freaks“ in Wanderzirkussen oder Varietes verdienten.

Zusammen mit Jacob erfährt der Leser, von den Geheimnissen des aus der Zeit entrückten Kinderheims und den Gefahren, die nicht nur auf die Kinder dort, sondern auch auf ihn in der realen Welt lauern.

Der Autor konzentriert sich sehr stark auf die Bilder, die er in den Köpfen seiner Leser erwecken möchte und schafft dadurch eine intensive Atmosphäre. Er steht damit in der Tradition der klassischen Gruselautoren, die das Grauen eher subtil oder geheimnisvoll in Szene setzen und Gewalt oder Grausamkeit nur sehr selten als Schockeffekt und niemals zum Selbstzweck nutzen.

Altbekannte Motive und eigene Ideen fügen sich zu einem runden Roman zusammen, der von Anfang bis Ende spannend ist, da die Geschichte weit weniger vorhersehbar ist als man zunächst annimmt.

Die Hörbuchfassung verliert allerdings gegenüber dem Roman. Man hat zwar ein Booklet mit einigen der wichtigen Bilder vom Anfang beigefügt, aber das reicht nicht, aus, um den Zuhörer wirklich zu fesseln und zu beeindrucken. Daran kann auch Simon Jäger nichts ändern, der zwar ausdrucksstark liest, aber dennoch nicht den Eindruck im Kopf erwecken kann, der nötig ist, um alles zu verstehen.

 

„Die Insel der besonderen Kinder“ bietet alles was man sich von einem kreativen Umgang mit vertrauten phantastischen Elementen wünscht. Allerdings sollte man in diesem Fall besser zum gebundenen greifen, da das Hörbuch die visuelle Seite, welche die zahlreichen im Buch abgedruckten Fotos bieten, einfach nicht leisten kann.

 

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Eure Meinung:

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Hörbuch:

Die Insel der besonderen Kinder

gekürzte Lesung

Autor: Ransom Riggs

Sprecher: Simon Jäger

Umfang: 5 CDs

Laufzeit: ca. 428 Minuten

Der Audio Verlag, März 2012

Übersetzerin: Silvia Kinkel

 

ISBN-10: 3862311457

ISBN-13: 978-3862311453

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 29.04.2012, zuletzt aktualisiert: 15.07.2019 20:03