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Die Insel der Dämonen von Torsten Fink

Rezension von Christel Scheja

 

Nachdem der historische Roman in den letzten Jahren einen Boom erlebte, ist es für junge Autoren gar nicht mehr so einfach, noch eine Thema oder ein Ereignis zu finden, das nicht schon von fünf anderen Schriftstellern bearbeitet wurde, wenn er einfach etwas anderes schreiben möchte. Andererseits gibt es immer noch Epochen der Geschichte abseits von gotischem Mittelalter, italienischer Renaissance oder dem Zeitalter der Konquistadoren, die bisher kaum beobachtet wurde.

Ein solcher Fall ist die Landnahme nordamerikanischer Gebiete durch die französische Krone, die Torsten Fink in seinem Roman „Insel der Dämonen“ thematisiert. Während man sich noch in Glaubenkonflikten mit anderen Ländern Europas misst oder ketzerische Bestrebungen im eigenen Land verhindern möchte, brechen immer wieder kleine Flotten nach Nordamerika auf, um dort nicht nur nach Gold und Juwelen zu sichen, sondern durch Siedlungen auch einen festen Fuß auf die Erde zu bekommen.

 

Auch der Onkel der jungen Marguerite erhält die Chance, als Gouverneur und Vizekönig in Übersee sein Glück zu machen. Das junge Mädchen ahnt noch nicht, was auf sie zukommt. Erst vor ein paar Monaten ist sie als Waise in das Haus ihres Onkels gekommen und genießt das Leben einer jungen adligen Dame, die noch keine Verpflichtungen hat. Da ihr Onkel noch keinen Ehemann für sie ausgesucht hat, beginnt sie für einen jungen Leutnant zur See zu schwärmen, den sie aber rasch wieder aus den Augen verliert. Zusammen mit ihrer Amme Damienne lebt sie in den Tag hinein, bis sie mit der Tatsache konfrontiert wird, ihren Onkel in die neue Welt begleiten zu müssen.

Dabei bekommt sie erstmals die Härte des Lebens zu spüren. Sie muss sich zwar einschränken und gewisse Regeln beachten, aber anders als andere Passagiere auf dem Schiff hat sie noch Freiheiten. Denn an Bord sind auch Sträflinge, die zwangsverpflichtet wurden und im neuen Land die Chance erhalten sollen, sich ein neues Leben aufzubauen. Nun erfährt sie, dass nicht alle Sträflinge Verbrecher sind, die wenigsten wirklich mehr als Schuldner sind.

Aber all das ist vergessen, als sie Leutnant Henri wieder sieht. Die Schwärmerei wird zur Liebe, denn auch der junge Mann kann seine Gefühle nicht unterdrücken. Doch das wird den beiden zum Verhängnis, denn ihre Beziehung bleibt nicht lange geheim und kommt dem sittenstrengen Onkel zu Ohren.

Dieser entschließt sich dazu, seine Nichte und ihren Geliebten hart zu bestrafen. Er lässt Marguerite und Damienne auf einer einsamen Insel vor der Küste Neufundlands aussetzen. Henri, den ein schlimmeres Schicksal erwartet, schließt sich ihnen an. Zu dritt müssen sie nun mit wenigen Hilfsmitteln ausgestattet in der Wildnis überleben – auf einer Insel, die die Matrosen furchtsam „Die Insel der Dämonen“ nennen, denn auf ihr sollen seltsame Dinge vor sich gehen. Und die Gerüchte scheinen tatsächlich zu stimmen.

 

Ob „Insel der Dämonen“ wirklich einmal als Kinderbuch konzipiert gewesen ist, sei dahin gestellt, denn der Roman könnte durchaus auch im Erwachsenensektor funktionieren, auch wenn die Liebesgeschichte nicht die große Rolle spielt, die man sich anhand des Klappentextes vorstellt. Der Roman ist eher eine Schilderung der Vorbereitungen zum Aufbruch in die neue Welt und des Lebens in den besseren Kreisen in Frankreich gegen Mitte des 16. Jahrhunderts. Nur ein Drittel des Buches ist dem Überleben in der Wildnis gewidmet. Abgedeckt wird ein Zeitraum zwischen 1541 bis 1544. Marguerite und ihr Onkel bewegen sich am Rande des großen Weltgeschehens, die neuen Glaubensrichtungen und daraus resultierenden Konflikte spielen eigentlich keine Rolle, ebenso wenig wie die Spannungen gegenüber England und anderen europäischen Mächten.

Im Grunde weiß der Autor nicht was er will, denn die Handlung plätschert nur so dahin und hat keine wirklichem Höhepunkte. Selbst das Geheimnis der Insel der Dämonen und die Dramatik des Überlebens in der Wildnis werden eher pragmatisch und nüchtern als mitreißend geschildert. Ähnlich distanziert bleibt man als Leser den Figuren gegenüber eingestellt, wirklichen Anteil nimmt man an ihren Schicksal nicht.

Das führt zu erheblichen Längen im Mittelteil und am Ende zur bitteren Frage, was man da eigentlich gelesen hat.

 

„Insel der Dämonen“ hat stimmungsvolle Momente und ist flüssig geschrieben, aber dem Buch fehlt eine überzeugende Motivation, um die Handlung voran zu treiben oder zumindest Charaktere mit denen man leidet. Da beides nicht vorhanden ist, kann man durchaus auf die Lektüre des Romans verzichten.

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Buch:

Die Insel der Dämonen

Autor: Torsten Fink

Taschenbuch, 416 Seiten

cbt, Juli 2008

 

ISBN-10: 3570304744

ISBN-13: 978-3570304747

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 16.06.2008, zuletzt aktualisiert: 28.10.2019 13:53