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Die Insel der Ghule von Earl Warren

Reihe: Harry Holt Band 1

 

Rezension von Christel Scheja

 

Was waren das noch für Zeiten, in denen nicht nur die schreiend bunten Cover der Heftromane schöne Frauen in den Klauen von grässlichen Monstern und muskelbepackte Helden mit Waffen in den Händen vor ihnen standen, sondern auch jenseits des Umschlags fröhlich mit den ältesten Klischees der Menschheit herumgespielt wurde. Hier waren die Bösen vorbehaltlos finster und ihre Motive musste man nicht lang und breit erklären, die Helden waren vom Licht auserwählt, stark und ihnen lagen alle Frauen zu Füßen, die sie auf ihrem Weg zum Stützpunkt des Oberfinsterlings retten durften.

Der Leser konnte sich ohne Vorbehalte und Schwächen als Held fühlen und viele Vorurteile seiner Zeit bestätigt sehen. Was Literatur- und Medienforscher mit entsetzen betrachteten, wurde vor allem von einer jungen männlichen Leserschaft begeistert aufgenommen. Dort wo heute Kino- und Fernsehhelden zu den großen Vorbildern zählen, waren es damals die markigen Kerlen der kleinen „Groschenheftchen“

Gerade zwischen 1960 und den frühen 1980ger Jahren erlebte die Horrorheftchen-Szene ihre Hochkultur. Einer der Autoren, der damals sehr aktiv war ist Earl Warren alias Walter Appel.

 

Eine der jüngeren Reihen, die er nicht mehr bei den großen Verlagen unterbringen konnte ist die um „Harry Holt“ den Lichtlord. Bereits vor Jahren erschienen drei Abenteuer um ihn und seine Abenteuer zwischen dem Berlin der Jetztzeit und einer versunkenen Ära im Pleistozän vor 120 Millionen Jahren im Atlantis Verlag. Nun ist mit „Insel der Ghule“ ein Doppelband mit zwei weiteren Abenteuern erschienen.

Harry Holt und seine Freunde hat es durch die Machenschaften seines Erzfeindes Mephisto in die ferne Vergangenheit verschlagen. Zwischen Dinosauriern, barbarischen Seevölkern, kriegerischen Amazonen und vielen anderen archaischen Wesen suchen sie ihren Weg zurück nach Hause, was gar nicht so einfach ist, denn sie sind in alle Himmelsrichtungen verstreut worden.

Schließlich gelingt es Harry einen Weg für sich, Mike Merlin und die Amazonenprinzessin Hlalyra in die Gegenwart zu bahnen, doch damit fangen die Schwierigkeiten erst an. Er muss seinem Vorgesetzten bei der Kriminalpolizei Berlin klar machen, dass das was er erlebt hat, wahr ist, aber von ihm nicht unbedingt an die Öffentlichkeit getragen werden wird. Zudem will er seiner Geliebten helfen, sich in der Gegenwart einzuleben und sich an die Gegebenheiten der Moderne zu gewöhnen.

Und nicht zuletzt stecken drei Freunde immer noch in der Welt vor 120 Millionen Jahren fest, die seiner Hilfe bedürfen. Es gibt also viel zu tun.

 

Großartige literarische Ergüsse sollte man von „Die Insel der Ghule“ nicht erwarten. Earl Warren mischt munter Elemente aus Fantasy, Science Fiction und Horror durcheinander. Er setzt auf markante Bilder, erklärt gerne und viel Nebensächlichkeiten, die nur bedingt etwas mit dem Thema zu tun haben, aber den Hintergrund plastischer machen und verzichtet auf all zu aufwendige Charakterzeichnungen. Harry und seine Freunde, auch die Widersacher sind sehr schlicht gehalten und erfüllen in erster Linie ihre Rollen. Klischees werden breitgetreten, die gerade in der frühen Hochzeit des Heftromans sehr beliebt waren. Wer die Romane der 1960ger und 1970ger Jahre noch kennt, wird vieles wieder erkennen, auf Neueinsteiger könnte der von Earl Warren verwendete Stil eher irritierend und ein wenig unbeholfen wirken.

„Die Insel der Ghule“ ist nicht so glatt geschrieben und elegant wie heutige Heftromane, sondern kommt eher mit dem Holzhammer und der Machete daher. Das wirkt manchmal unfreiwillig komisch, hin und wieder ist schüttelt man auch den Kopf, aber alles in allem merkt man den Spaß an der Freund, den der Autor beim Verfassen der Geschichten hatte. Und so sollte man die Serie auch sehen „Harry Holt“ ist eine Reminiszenz an die Zeit, in der der Heftroman noch in den Kinderschuhen steckte und fröhlich herumfabuliert werden durfte.

 

Deshalb ist „Die Insel der Ghule“ vor allem für die älteren Leser interessant, die selbst mit den bunten Heften aufgewachsen sind und sich gerne noch einmal erinnern wollen.

Eure Meinung:

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Buch

Die Insel der Ghule

Serie: Harry Holt Band 1

Autor: Earl Warren

Atlantis Verlag, Juni 2008

A5 Paperback, ca. 210 Seiten

Titelbild: Nicolai Luthohin

 

ISBN 978-3-936742-93-0

 

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 01.07.2008, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57