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Leseprobe: Die Kerian-Verschwörung

Die Kerian-Verschwörung

Die Kerian-Verschwörung

Autor: Achim Hiltrop

Homepage: www.clou-gallagher.de

Der Roman kann hier bezogen werden: Bol.de

 

Disclaimer:

Freigabe zur Weiterveröffentlichung der Leseprobe besteht, soweit vom Autor nicht anders angegeben nur für "FantasyGuide.de". Für alle weiteren Veröffentlichungen ist die schriftliche Zusage des Autors erforderlich.

 

 

Leseprobe:

Clou erwachte. Er schüttelte benommen den Kopf. Langsam öffnete er seine schmerzenden Augen und schloß sie sofort wieder, als ihn helles Sonnenlicht blendete.

Alles schien sich um ihn zu drehen. Seine Kleider waren naß. Seine Lippen schmeckten salzig. Offenbar hatte er viel Blut verloren. Er schluckte heftig und versuchte, sich an den Gedanken zu gewöhnen, schließlich doch noch zu sterben. Dann öffnete er die

Augen wieder.

Er sah sich überrascht um. Er war nicht verletzt! Seine Kleidung war nicht

blutdurchtränkt, sondern vom Meerwasser naß, auf dem Trigger sanft dümpelte. Daher rührte auch das Schaukeln, das ihn irritiert hatte. Im Cockpit stand das Wasser bereits knietief.

Clou schälte sich aus seinem Gurtzeug und beugte sich über Tonya. Die junge Frau war besinnungslos, aber unverletzt. Er tätschelte ihre Wange, bis sie eine Reaktion zeigte. Sie blinzelte vorsichtig. "Haben wir's geschafft?", hauchte sie. Er verzog das Gesicht. "Weiß ich noch nicht."

Er drehte sich zu Trigger um, während Tonya neugierig aus dem Kanzelfenster sah. "Wo sind wir?" fragte sie.

"Auf Hokata, wie's aussieht", sagte Clou über die Schulter. Er schaltete verzweifelt an den Knöpfen der Konsole herum. Schließlich flackerten ein paar Lichter auf, und eine leise Stimme, die sich entfernt nach Trigger anhörte, sagte gedehnt "Herzlich

willkommen auf Hokata".

"Hallo, Trigger", sagte Clou erleichtert, "wie steht's?"

"Beschissen, wenn Du meine ehrliche Meinung haben willst", sagte Trigger. "Unseren Reaktor hat's zerlegt, ich zehre von meinen Akkus, und bis zum Horizont ist kein Land in Sicht. Laut Tiefenmesser haben wir achttausend Meter Wasser unter uns. Leider ist das auch schon das einzige Instrument, auf das wir uns verlassen können. Im Moment jedenfalls, meine ich."

"Ohne Reaktor können wir nicht starten", murmelte Clou.

"Ohne Reaktor kann ich gerade mal auf dem Wasser dümpeln. Wenn ihr woanders

hinwollt, müßt ihr Segel setzen oder paddeln", entgegnete Trigger patzig.

"Bist Du denn überhaupt schwimmfähig?" fragte Tonya bestürzt.

"Ja. Noch", antwortete das Schiff.

"Sind wir weit von der nächsten größeren Landmasse entfernt?" erkundigte sich Clou.

Trigger zögerte einen Moment, "ich bin mir nicht sicher, ob ich meinen Sensoren trauen darf. Ich fürchte aber, es sieht gar nicht gut aus. Mir ist die ganze Situation äußerst unangenehm."

"Kann ich verstehen", seufzte Tonya.

Clou spähte in den Himmel. "Was ist mit Kor Trun?"

"Das letzte, was ich von ihm gesehen habe, war sein Schiff, wie es mit voller Wucht in die glühenden Trümmer meines Reaktors knallte. Würde mich nicht wundern, wenn es ihn auch erwischt hat", bemerkte Trigger hämisch.

Eine Weile sagte niemand etwas. Tonya und Clou inspizierten das Schiff. Der Rumpf schien relativ unbeschädigt zu sein, die Decke des Laderaums fehlte jedoch völlig. Wo der Reaktor gewesen war, schien jetzt die Sonne durch ein klaffendes, schartiges Loch.

Das Triebwerk lag als Gewirr von Kabeln und Rohren offen. Überall stand Wasser im

Schiff, das bei der Bruchlandung auf dem Ozean hereingeschwappt war.

Tonya standen die Tränen in den Augen. Clou war verzweifelt. Sie beide hatten überlebt, aber ob ihr Freund je wieder fliegen können würde...?

"Hey!" rief Trigger. Tonya und Clou kletterten zurück ins Cockpit. "Was gibt‘s denn?" fragte Tonya.

"Wollt ihr zuerst die gute oder zuerst die schlechte Nachricht hören?" fragte der

Computer.

"Zuerst die schlechte", sagte Clou.

"Kor Trun kommt", antwortete Trigger.

"Und die gute?" hakte Tonya nach.

"Sein Schiff ist auch nur Schrott!" flötete Trigger schadenfroh.

Clou riß die Dachluke auf und stieg auf das Kanzeldach. "Von wo kommt er?" rief er zu Trigger hinunter.

"Elf Uhr, Backbord voraus", antwortete der Computer. Clou spähte angestrengt in die angegebene Richtung, konnte aber außer einem dunklen Fleck am Horizont nichts erkennen. Tonyas Kopf erschien unter ihm in der Dachluke.

"Da kommt er", zischte Clou. Der dunkle Fleck wurde allmählich größer. Also verfügte die Razor noch über einen eigenen Antrieb.

Clou kletterte wieder ins Cockpit zurück. Er ging an Tonya vorbei zu Triggers

Kochnische und löste das Wandpaneel, hinter dem seine Waffen lagerten. Nach ein paar Minuten kehrte er mit einem fast zwei Meter langem Maschinengewehr auf das Kanzeldach zurück. Er legte einen Patronengurt ein und stellte das Gewehr fachmännisch auf seinem Zweibein auf. Die Razor war inzwischen auf wenige hundert Meter herangekommen.

Clou erkannte auf dem schneeweißen Rumpf häßliche Risse. Der gesamte Bug war mit meterbreiten Kratzern und tiefen Kratern übersät, wo die Trümmer von Triggers Reaktorblock die Energieschilde der Razor durchschlagen hatten. Offenbar waren dabei auch das Cockpit und wichtige Instrumente beschädigt worden, so daß Kor Trun ebenfalls zu einer Wasserung gezwungen worden war.

"Nicht schießen", rief Trigger Clou zu, "er sendet auf allen Frequenzen das

Parlamentärssignal. Seine Waffen sind kalt!"

"Schilde?"

"Keine", meldete das Schiff. Clou nahm den Finger vom Abzug und stand auf. Das

Maschingewehr blieb entsichert und geladen zu seinen Füßen liegen. Er zeigte Kor Trun die leeren Handflächen. Tonya stellte sich neben ihn und tat es ihm gleich. Die Razor kam langsam näher und ging längsseits. Kor Trun schaltete sein Triebwerk aus. Nur wenige Meter voneinander entfernt trieben die beiden Schiffe auf dem Ozean.

Das Kanzeldach der Razor klappte auf. Eine Gestalt im Raumanzug erhob sich aus ihrem Schalensitz und winkte Clou und Tonya zu. Dann nahm Kor Trun den Helm ab.

"Ahoi!"

Tonya und Clou wechselten einen kurzen Blick.

"Lange nicht gesehen, Spherion", rief Clou, "was willst Du?"

Kor Trun legte den Kopf schief. "Begrüßt man so seinen alten Freund?" Er stieg aus dem Cockpit und sprang auf die rechte Tragfläche seines Jagdschiffes. Er ging auf der Tragfläche zu Trigger herüber, bis er fast zu ihm herüberspucken konnte.

"Geh nicht weiter", drohte Clou.

"Du bist viel zu anständig, um mich einfach abzuknallen", sagte Kor Trun fest. Clou

zuckte mit den Schultern. "Vielleicht. Aber meine Kleine vielleicht nicht."

Kor Trun lachte. "Dann war es sicher auch ihre Idee, mein Raumschiff auf Kaffadi III lahmzulegen. Hatte mich schon gewundert, daß Du plötzlich so gute Ideen hast. Nicht übel, Schätzchen!"

Tonyas Wangen wurden rot. Was bildete sich dieser Verbrecher ein! Sie hatte es nicht nötig, sich von einem Kerl wie diesem da anpöbeln zu lassen...

Clou fühlte, was in ihr vorging. "Nicht hinhören", raunte er ihr zu. Spherion Chariklis

hatte immer schon Streit auf diese Art vom Zaun gebrochen. Es handelte sich bei diesem Spielchen um eine bewährte Taktik, mit der in jedem Zeitalter überall im Universum Duelle oder gar Kriege heraufbeschworen worden waren. Die Akademie von Kerian hatte offenbar solche Theorien als antiquiert abgetan, sonst wäre Tonya besser vorbereitet gewesen. Clou hingegen wußte, wie er die Kommentare seines Gegners zu verstehen und zu erwidern hatte.

"Sieht gar nicht gut aus, Deine Mühle", bohrte Kor Trun.

"Wollte ich auch gerade sagen", bemerkte Clou bissig.

"Deswegen will ich ja mit Dir reden. Darf ich an Bord kommen?" fragte Kor Trun

scheinheilig.

"Nein!" sagten Clou, Tonya und Trigger einstimmig.

"Schön", Kor Trun hob beschwichtigend die Hände. Er griff in die Brusttasche seines Overalls und holte ein zerdrücktes Päckchen Zigaretten und ein Feuerzeug hervor. Er zündete eine Zigarette an und stopfte die anderen Sachen wieder in die Tasche.

Aha, dachte Clou, er wird nervös. Er rauchte, um seine aufkommende Unsicherheit zu überspielen. Die Razor mußte ziemlich beschädigt sein, wenn Kor Truns eigene

Spielchen ihm schon jetzt an den Nerven zehrten.

"So wie's ausschaut, kann keiner von uns starten", sagte Kor Trun nach einer Weile.

"Sozusagen", wich Clou aus.

"Du hast kein Triebwerk und keinen Reaktor mehr", stellte Kor Trun fest.

"Sieht so aus, als steckten die Reste davon in Deinen Instrumenten und dem

Computerblock, stimmt's?", grinste Clou schadenfroh.

"Hmmm", machte Kor Trun und zog an seiner Zigarette.

"Wie wär's", mischte Trigger sich ein, "wenn die Herren den Reaktor und das Triebwerk aus der Razor ausbauen und in mein Heck verpflanzen würden?"

"Wie wär's", entgegnete Kor Trun kühl, "wenn Dein Schiff mal die Klappe hält und wir den Computer in die Razor einbauen? Ohne Sprachmodul natürlich!"

"Abgelehnt!" protestierte Trigger.

"Die Razor kann nur einen Mann Besatzung tragen. Wenn aber Trigger wieder fliegen kann, kommen wir alle von diesem Wasserball runter", wandte Clou ein.

Kor Trun überlegte einen Moment. Dann schnippte er seine Zigarette in die See und nickte. "In Ordnung. Laß' uns anfangen!"

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Artikel: Die Nebelsängerin


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Erstellt: 25.04.2005, zuletzt aktualisiert: 02.02.2015 12:04