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Die Krays

Rezension von Björn Backes

 

Im England der berüchtigten 60er mischte ein Brüderpaar den Londoner Untergrund gewaltig auf. Ronnie und Reginald Kray bauten sich ein gewaltiges Verbrecherimperium auf, dessen Basis Raffinesse, Kompromisslosigkeit und Brutalität war, welches jedoch selbst in der High Society höchstes Ansehen genoss, da es den vermeintlichen Saubermännern nahezu perfekt gelang, ihr wahres Ich hinter einer breiten Fassade zu verstecken. Inzwischen sind die beiden Krays längst verstorben, hinterlassen aber eine Legende, die durchaus das Potenzial für eine anständige Verfilmung aufweist, welches 1990 auch realisiert wurde. Koch Media veröffentlicht den Streifen von Peter Medak nun erstmals auf DVD und schafft somit die erste, wirklich anschauliche Dokumentation über die beiden Zwillinge.

 

 

Inhalt:

Ein entscheidender Moment macht die Zwillinge Ronnie und Reggie Kray mit einem Mal zu den am meisten gefürchteten Persönlichkeiten in der britischen Unterwelt. Die Brüder wehren sich erfolgreich gegen eine Bande von Schutzgelderpressern und gründen dank ihrer Reputation alsbald ein kleines, kriminelles Imperium auf, welches in kürzester Zeit zur zwielichtigen Monopolfabrik avanciert. Reginald und Ronald gehen über Leichen, erziehen ihre Gefolgschaft mit aggressivsten Mitteln und regieren zur Mitte der 60er das gesamte Londoner East End. Politik und Wirtschaft arbeiten unterdessen wohl wollend mit den Krays zusammen und erkennen die Gefahr, die von ihrem wachsenden Imperium ausgeht, nur vage. Doch just am Höhepunkt ihrer kriminellen Karriere stürzen die Säulen des Verbrecherkartells ein. Die Mitarbeiter bringen ihre ungnädigen Herren immer öfter in Schwierigkeiten, und als schließlich auch noch Reggies Frau Selbstmord begeht, bröckelt die Fassade in sich zusammen. Der einzige Ausweg der Brüder besteht in unerbittlicher Gewalt – und endet in einer ausweglosen Sackgasse.

 

 

Rezension:

Das mitunter recht brutale Drama um die Gebrüder Kray fasst die Biografie der beiden Zwillinge in sich recht gut zusammen, konzentriert sich aber nur bedingt auf den Werdegang ihrer kriminellen Machenschaften. Der Fokus steht gerade zu Beginn eindeutig auf dem sozialen Milieu, welches die Entwicklung der beiden Gangster nicht nur geprägt sondern ihren bösartigen Charakter erst geformt hat, schlussendlich also den Löwenanteil am abgrundtiefen moralischen Sturz der beiden Protagonisten hatte. Allerlei Absurditäten werden in die Story aufgenommen, so zum Beispiel der Kontrast aus Familienidylle einerseits und heimlichen Meetings der „Firma“, wie Reginald und Ronald ihr Imperium zur ersten Stunde getauft haben, in denen Attentate und der Einsatz von Bestechungs- und Schmiergeldern geplant wurden.

Andererseits verfolgt Regisseur Medak keinesfalls das Ziel, ein Soziogramm des Brüderpaars zu zeichnen und somit Aufschluss über die erschreckende Niederträchtigkeit, mit der die beiden ihre Mitmenschen behandelten, zu geben. Die Ursache für diese Entwicklung wird zwar durch die Rückbesinnung auf die Kindheit der Titelfiguren kurzzeitig aufgegriffen, ist aber bis auf weiteres nicht ersichtlich, für den Film aber auch weniger relevant. Dennoch hält sich Medak weitestgehend an die bloßen Fakten, was der Spannungskurve des Streifens leider gar nicht zugute kommt. Die Charaktere werden in manchen Phasen recht intensiv durchleuchtet, ihr Vorgehen indirekt hinterfragt, jedoch nicht wirklich darauf geschaut, dass sich ihr Schicksal bzw. die Tragödie um ihren Werdegang reibungslos in den Plot eines Action-Thrillers einfügt. Dessen wesentliche Elemente sind zwar die Basis der aktiven Handlung, werden aber nicht in dem Maße ausgeprägt. Dass die Atmosphäre dementsprechend prickelnd wäre. Hier besteht schließlich auch das tatsächliche Problem von „Die Krays“: Die Adaption der Biografie steht der Entwicklung einer spannenden Action-Handlung zumeist im Wege, zumal der Verlauf der Story ja auch in groben Zügen vorgezeichnet ist. Erschreckende, abstoßende Bilder mögen diesen Aspekt zwar phasenweise widerlegen – man denke nur an die wiederholte Anwendung des „Chelsea Smile“, dem Merkmal der mordenden Krays – jedoch stehen hier im Wesentlichen die Effekte, nicht aber der inhaltliche Gewinn für den Spannungsbogen im Vordergrund.

In diesem Sinne verschwimmen die Grenzen zwischen Drama, Thriller und Dokumentation weitaus weniger fließend, als man dies im Optimalfall hätte erwarten dürfen. Die Aufnahmen sind zwar einerseits von historischem Wert und in Sachen Authentizität beispielhaft, überzeugen in ihrer fragmentierten Aneinanderreihung jedoch nicht im Spielfilmformat – und das ist ein Dilemma, welches den Streifen besonders im zweiten Teil in eine recht langatmige Produktion verwandelt.

 

 

Fazit:

Die Geschichte der Krays ist definitiv von großem Interesse und daher auch würdig für eine dokumentarische Verfilmung. Im gleichnamigen Spielfilm jedoch werden die Prioritäten bisweilen so weit verschoben, dass die Balance zwischen Spannung und Infotainment nur selten wirklich ausgewogen ist, was den Unterhaltungswert des Films leider manchmal gehörig absenkt. Insofern ist das Material eigentlich nur für diejenigen interessant, die sich etwas näher mit dem Leben der Gangster-Brüder befassen wollen, denn die Aufarbeitung ihrer Karriere auf der schiefen Bahn ist recht übersichtlich dargestellt und weitestgehend vollständig. Von einem mitreißenden Thriller darf man allerdings einiges mehr erwarten!

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Die Krays

Großbritannien, 1990

Regie: Peter Medak

Darsteller: Gary Kemp, Martin Kemp, Billie Whitelaw, Tom Bell, Kate Hardie

Genre: Thriller

FSK: Keine Jugendfreigabe

Laufzeit: 114 Minuten

Koch Media, 11.01.2008

DVD-Features: Dokumentation, Audiokommentar

 

ASIN: B000YRODY8

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 25.02.2008, zuletzt aktualisiert: 25.03.2018 19:01