Einen schlafenden Prinzen zu küssen ist eine Sache. Damit dann aber das Böse zu entfesseln und auch noch von diesem gejagt zu werden, bis es keinen anderen Ausweg gibt, ihn zu heiraten, eine andere. Deshalb nutzt Rain White am Ende eines langen Leidensweges auch die Chance einen Wunsch auszusprechen. Und hier setzt Die letzte Stunde der Abschlussband von Ever & After ein.
Wie jeder weiß, der Märchen liebt, sollte man mit dem, was man sich wünscht, vorsichtig sein, und das bekommt nun auch Rain deutlich zu spüren. Der Zauber reißt sie aus ihrer Welt, die ohnehin am Zerfallen ist und bringt sie zurück an den Anfang. Doch auch in dieser magischen und mythischen Zeit ist nicht alles Gold was glänzt.
Sie muss feststellen, dass sie an den Anfang der Geschichte geraten ist. Und mächtige Gegenspieler hat, die sich selbst Götter nennen, aber längst zu perversen Schatten ihrer Selbst geworden sind. Gibt es überhaupt noch einen Weg ihren Wunsch rückgängig zu machen oder muss sie nun Teil des bösen Spiels werden?
Wieder merkt man, dass Stella Tack sehr viel Spaß hat, mit den dunklen Seiten der grimmschen Märchen zu spielen, die heute kaum noch einer kennt. Sie erlaubt sich die Motive zu nutzen und munter zu pervertieren, einen Einblick in die Grausamkeit der ursprünglichen Mythen zu geben und damit gruslige Gefühle zu erzeugen.
Ihre Heldin bekommt mit voller Wucht zu spüren, dass sie ihren Wunsch entweder gar nicht oder besser formuliert hätte aussprechen müssen, aber nun ist es dazu zu spät und sie muss mit den Konsequenzen leben. Denn immerhin wird sie als vom Himmel gefallener Stern nun Teil der Geschichte.
Gefangenschaft und Sklaverei erwarten sie, aber auch die Auslieferung an die Herrscher dieser Welt, die behaupten Götter zu sein. Und nicht zuletzt sieht sie auch den Mann wieder, der ihr so viel bedeutet – und vielleicht liegt in seiner Rettung auch der Schlüssel zur Befreiung. Doch was genau sie tun muss – das muss sie erst noch heraus finden.
Das ganze wird mit sehr viel Drama, bösen Wendungen und einem ordentlichen Schuss Horror garniert, denn die Märchenwelt ist weit davon entfernt, süß und zuckrig zu sein, wartet überall mit Horror und Grausamkeit auf. Und das ist nicht immer etwas für zartbesaitete Leser, sondern eher diejenigen, die Dark Fantasy und Romantasy zu schätzen wissen.
Erneut bleibt die Liebesgeschichte zwar eine gewisse Triebfeder, drängt sich aber auch nicht in den Vordergrund, sondern geht eine angenehme Mischung mit der Action und den phantastischen Elementen ein, den Märchenaspekten, die gut recherchiert wurden.
Zudem werden alle Fäden sauber zu einem wohl verdienten Ende für die Hauptfiguren zusammen geführt, so dass auch die aufatmen können, die sich einen versöhnlichen Abschluss wünschen.