Die letzte Welle (Cañari Bd. 2)
 
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Die letzte Welle

Reihe: Cañari Bd. 2

Rezension von Christian Endres

 

Das Verschwinden ihres Burders im Raum-Zeit-Gefüge zwischen der Götterwelt und der Welt der Menschen bringt alles durcheinander: Plötzlich will Cañaris Vater sogar seinen jüngsten verbliebenen Sohn opfern, um die Götter zu besänftigen. Diese indes spüren, dass das Band zwischen ihnen und ihrer menschlichen Schöpfung immer dünner wird und langsam aber sicher zu zerreißen droht. Und auch Cañari selbst bekommt den Wahnsinn zu spüren, der in dem kleinen See unterhalb der Schädelhöhle im Dschungel und einem spontanen Bad seinen so harmlosen Anfang genommen hat: Ihr Versagen, ihren Bruder zurückzuholen und damit die Verbindung zwischen den Menschen und der Welt der Götter wieder zu festigen, wird auf dem Höhepunkt der traurigen Angelegenheit bestraft. Verwandelt und verdammt muss sie fortan ausharren und ihr Schicksal erfüllen, bis sie irgendwann doch noch ihren Bruder findet...

 

Im Hier und Jetzt fühlt sich Surfer Wayne indes immer mehr von der alten Höhle im Dschungel angezogen. Während seine Kumpels sich vollaufen lassen oder spötteln und seine Freundin sich immerhin um den nachdenklichen, in sich gekehrten Wayne sorgt, spürt dieser, dass er schon einmal hier gewesen ist, dass hinter der alten Höhle und ihrer seltsamen Aura mehr ist als bloß Spinnweben und vielleicht ein verborgener Schatz der Inka. Schließlich mahlen die Mühlen des Schicksals weiter und fügen die ersten Teile des Puzzles zusammen. Und so findet zusammen, was zusammen gehört...

 

Mit dem zweiten Teil seiner Geschichte um Cañari trifft Autor Crisse endgültig genau den richtigen Ton und vor allem das richtige Tempo. Diesmal stimmt der Drive der Geschichte durchgängig. Vor allem die geschickte Verquickung sowie das spätere Zusammenlaufen der beiden so unterschiedlichen Handlungsstränge machen großen Spaß, sodass sich die Story zum echten Pageturner entwickelt, bis Cañari ihrem Fluch und Wayne im Zentrum des wellenschlagenden Tsunamis seiner Vergangenheit, seiner Zukunft und seiner Bestimmung ins Auge blicken muss.

 

Carlos Meglias außergewöhnliches Artwork ist auch in »Die letzte Welle« ein dschungelbunter Trip des Vergnügens, der im Leser nach wie vor den Eindruck erweckt, als sei er in einem brandaktuellen Zeichentrickfilm gelandet, dem nur die Synchronisation fehlt (und der stattdessen ein schönes Lettering samt moderner Sprechblasengestaltung verpasst bekommen hat). Mal herrlich düster und bedrohlich, mal bunt und phantastisch wie die Traumwelt der Götter, überzeugen Meglias Zeichnungen auch diesmal wieder von der ersten bis zur letzten Seite. So ist auch dieser zweite Part der Geschichte ein einziges Schaulaufen seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten, zu dem schon das wunderschöne Cover des üppigen Hardcover-Albums der perfekte Einstieg ist; ein Einstieg dem das Artwork im Innenteil jedoch in keinster Weise nachsteht.

 

Die etwas klarere Strukturierung sowie die genauere Zielsetzung tun der Geschichte zweifellos gut. Mit einem tollen Gespür für Dialoge und Atmosphäre, führt uns Didier Crisse diesmal sicher und gekonnt durch das erneut phantastisch gezeichnete Album, um die Story weitaus geordneter voran und ferner dem Höhepunkt hinter den aufschlagenden Wellen entgegen zu treiben. Inhaltlich eine wichtige, vielleicht sogar entscheidende Steigerung zum bereits überdurchschnittlich guten ersten Band der Trilogie, dem lediglich das Timing dieses Albums ein wenig abgegangen ist.

 

Wir sind bereit für das Finale – die Wartezeit bis zu diesem wird allerdings hart wie für einen Surfer die Zeit bis zur nächsten Welle...

 

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 2024022711135420ea20c9
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Comic:

Die letzte Welle

Reihe: Cañari Bd. 2

Autor: Didier Crisse

Zeichner: Carlos Meglia

Hardcover-Album, 48 Seiten

Splitter, August 2007

ISBN: 3939823198

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 17.08.2007, zuletzt aktualisiert: 31.12.2023 11:30, 4701