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Die Mächte des Feuers von Markus Heitz

Rezension von Christel Scheja

 

Mit Fantasy-Geschichten verbindet man normalerweise archaisch, allenfalls frühneuzeitliche Welten, nicht Hintergründe, die unserer eigenen Zeit in der Entwicklung beinahe gleichen. Doch seit einigen Jahren setzen sich immer mehr Romane durch, die als Setting die viktorianische Epoche oder die drei Jahrzehnte danach verwenden. Markus Heitz folgt dieser vor allem aus England stammenden Tradition, die in ihren Anfängen noch Steampunk genannt wurde – auf der Kraft des Wasserdampfes basierende Techniken verbinden sich mit Magie und Mystik.

 

„Die Mächte des Feuers“ entführt in das Jahr 1925 einer uns so ähnlichen und doch fremden Erde. Drachen sind eine nicht von der Hand zu weisende Gefahr. Sie beherrschen weite Landstriche und ganze Reiche aus dem Hintergrund, haben ihren Spaß daran, die Menschen nur als Spielzeuge zu betrachten und ihre eigenen Ränke auszutragen.

Nur die Drachentöter haben eine Chance gegen die Monstren zu bestehen, deren Hauptnahrung aus Menschen besteht. Sie sind die direkten Nachkommen der Drachenheiligen und dienen dem, dem Vatikan unterstellten, Officium. Ihr ganzes Leben ist dem Dienst im Kampf gewidmet.

So gibt es auch für die Drachentöterin Silena nichts anderes. Als Nachfahrin des heiligen Georg entstammt sie einer der bedeutenden Blutlinien und gehört zu den erfahrensten und begabtesten Großmeistern ihrer Zeit.

Doch dann erschüttern rätselhafte Todesfälle auch ihr Leben. Ihre beiden Brüder werden ebenso wie eine Kameradin einfach ermordet, und man erwartet von ihr nun, sich zurück zu ziehen, und die Linie durch Kinder am Leben zu erhalten.

Silena aber weigert sich dem Gebot Erzbischof Kattlas zu folgen. Sie will unbedingt Rache und nicht nur untätig schwanger herum sitzen, während noch mehr Freunde und Kameraden sterben.

Doch wo soll sie anfangen? Da tritt der russische Fürst Grigorij Wadim Basilius Zadornow in ihr Leben. Auch wenn sie ihm zunächst nicht glauben will – denn Hellseher sind in ihren Augen nur Scharlatane und Spinner – so bleibt ihr bald doch nichts anderes, als ihm zuzuhören und seinem Rat zu folgen.

Ein Hinweis über den Diebstahl des Zepters des Marduk führt Silena nach England und in die Arme des geheimnisvollen Agenten Eris Mandrake. Als die Drachen erstmals zuschlagen und auch Silenas Leben bedrohen weiß sie, dass sie auf der richtigen Spur ist. Zusammen mit Mandrake, Zadornow und dem Medium Arlene kommen sie einer groß angelegten Intrige der Drachen auf die Spur, welche die ganze Welt vernichten könnte.

 

Auch wenn es zunächst nicht so scheint, so ist der Roman durch viele Elemente weniger dem Horror als doch der Fantasy zuzurechnen. Magische Wesen und Zauberkunst spielen eine wesentliche Rolle, auch wenn das Setting eher ein wenig den Flair lovecraftscher Geschichten einfängt. Zwar wirkt die Darstellung der zwanziger Jahre manchmal etwas gezwungen, ist aber im Großen und Ganzen gelungen und verleiht der Handlung durch die modernere Technik einen interessanten Touch.

Routiniert baut Markus Heitz die Spannung auf. Er weiß genau, wann er was einsetzen muss, um den Leser bei der Stange zu halten. Eingestreute Hinweise machen neugierig und laden zum Spekulieren ein, während Horror-Elemente und der ein oder andere flapsige verbale Schlagabtausch der Figuren die Stimmung aufheitert, auch wenn gewisse Beschreibungen und Scherze in Richtung Erotik eher die Gedankenwelt eines verschämt kichernden Heranwachsenden wiederspiegeln und man nicht unbedingt Charaktertiefe und – entwicklung bei den Figuren erwarten sollte. Da bleibt alles eher etwas oberflächlich und scheint auch nicht der Sinn der Geschichte zu sein.

 

„Die Mächte des Feuers“ bietet jedenfalls kurzweilige Leseunterhaltung für zwischendurch ohne irgendwelche Längen und Handlungsschwächen. Wer ein spannendes und actionreiches Abenteuer vor nicht all zu abgelutschter Kulisse zu schätzen weiß, wird sich nicht langweilen. Nur mehr als das sollte man gar nicht erwarten.

Eure Meinung:


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Die Mächte des Feuers

Autor: Markus Heitz

gebunden - 572 Seiten

Piper, erschienen September 2006

ISBN 3-492-70133-7

Titelbildgestaltung von hildendesign, Karte von Erhard Ringer

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 10.10.2006, zuletzt aktualisiert: 02.08.2019 12:28