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Die Magier von Montparnasse von Oliver Plaschka

Rezension von Christel Scheja

 

Oliver Plaschka gehört zu den Autoren, die nicht versuchen, den Massenmarkt zu erobern, sondern mit ihren Geschichten diejenigen einzufangen versuchen, die auch gerne zwischen den Zeilen lesen und die Magie im scheinbar Alltäglichen und Normalen entdecken. Zudem wählt er weder archaische noch futuristische Welten als Setting aus, denn „Die Magier von Montparnasse“ ist nicht das erste Buch, dass er im ersten Drittel des 20 Jh. ansiedelt und mit realen Figuren und Orten garniert.

 

Wer 1926 in einem Variete am Montparnasse auftreten kann, der hat es geschafft, denn gerade dieser Ort gilt in den „wilden Zwanzigern“ als besonders magisch und verrucht, als Treffpunkt der Künstler und Bohemiens, die in den Tag hinein leben und das Außergewöhnliche lieben.

Dem Illusionisten und Magier Ravi ist es zusammen mit seiner Assistentin Blanche gelungen, eine Anstellung in einem der bekannteren Häuser zu finden, auch wenn er einiges an seinen Nummern verändern musste. Aber er versucht es mit Humor zu nehmen und ist froh, nicht all zu weit weg in einem Kaffeehaus leben zu können.

Doch als bei einem Trick einiges schief geht, muss er echte Magie einsetzen – nicht ahnend, welche Folgen das für ihn und viele andere hat. Denn er ruft nicht nur die Wächter der Société auf den Plan, einer Organisation, die darauf achtet, dass keine Zauberei angewandt wird, sondern verändert auch etwas.

Denn als die Menschen am nächsten Tag erwachen, ist es nicht Montag, sondern wieder Sonntag, und alles beginnt sich zu wiederholen. Sieben Personen sind in diesem Kreislauf gefangen.

Während Ravi, die plötzlich kränkelnde Blanche und der geheimnisvolle Barneby wissen, was passiert ist, erleben Alphonse und Esmee, die Besitzer des Jardin und deren Pensionswirte, die Kellnerin Justine und der erfolglose Schriftsteller Gaspard den Tag immer wieder, ohne dessen wirklich gewahr zu werden...

 

„Die Magier von Montparnasse“ gehört zu den Romanen, die auf Ambiente setzen und im Grunde sehr ruhig verlaufen. Der Zauber der Geschichte liegt darin, dass sie aus sieben sehr unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird und so nur nach und nach deutlich wird, was eigentlich passiert ist.

Gerade die nichtmagischen Menschen sind so in ihrem Alltag gefangen, dass sie zunächst gar nicht merken, was eigentlich los ist und nur der Leser zu stutzen beginnt, weil sich einiges wiederholt, was er bereits gelesen hat. So wird auch die Veränderung nicht mit einem Schlag eingeführt – sie schleicht sich heimlich in die Handlung ein und wird zum Teil der Realität.

Durch die vielen unterschiedlichen Blickwinkel bekommt der Leser die Lösung nicht auf dem Silbertablett serviert, er muss sie selbst erfahren und wahrnehmen.

Letztendlich passiert so nicht viel in der Geschichte – aber die Umsetzung wird flüssig und lebendig erzählt, manche Szene hat sogar etwas poetisches.

Auch das Ambiente stimmt. Man merkt, dass Oliver Plaschka sehr aufmerksam recherchiert hat, um die Atmosphäre der Zeit und des Ortes einzufangen und mit einer ganz besonderen magischen Seite zu verbinden.

Die Figuren sind dabei die Schachfiguren, die das Wunder erst bewirken. Dementsprechend wenig entwickeln sie sich und bleiben stellenweise sogar recht blass.

 

Alles in allem erweist sich „Die Magier von Montparnasse“ als sehr gelungener phantastischer Roman, der durch stille Töne und eine geschickt aufgebaute magische Handlung überzeugt, die auch die Atmosphäre der Zeit gut einzufangen weiß. Wer wilde Action und einfache Abenteuer sucht, ist bei dem Buch allerdings eher schlecht beraten, da er diese nicht auf den Seiten finden wird.

 

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Roman:

Die Magier von Montparnasse -

Autor: Oliver Plaschka

broschiert - 478 Seiten

Heyne, erschienen August 2011

Titelbild von Isabelle Hirtz

ISBN-10: 3453528506

ISBN-13: 978-3453528505

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 15.11.2011, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 14:35