Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Die Nebelsängerin von Monika Felten

Rezension von Karl-Georg Müller

 

„Die Nebelsängerin“ bildet den Auftakt zur auf drei Bände angelegten Fantasy-Serie „Das Erbe der Runen“, die in einem Landstrich inmitten einer phantastischen Welt spielt. Nymath, so heißt der Landstrich eines zumindest im ersten Band noch nicht weiter erforschten Kontinentes, ist Schauplatz einer epischer Geschichte, in die das junge Mädchen Ajana von einer Sekunde auf die andere hineingezogen wird.

 

„Hineingezogen“ ist sicher die passende Umschreibung für das, was Ajana widerfährt. Denn Ajana ist ein Kind der Erde, eine Jugendliche mit ihren märchenhaften Träumen und ihren arglosen Wünschen. Davon, dass sie durch ein Amulett auf eine fremde Welt verschlagen wird, ohne viel Federlesens und ohne ihr Einverständnis einzuholen, träumte sie natürlich nicht.

 

Ajana wird also herausgerissen aus ihrem Leben und fortgenommen von den Eltern und den Freunden, um sich urplötzlich in einer Welt der Magie und des Kampfes wieder zu finden. Und warum dies alles – Ajana ist eine Nachfahrin einer langen Ahnenreihe von Amulett-Trägerinnen, die das Wohl der Menschen auf Nymath sicherzustellen haben. Was leicht daher geschrieben ist, zeigt sich jedoch als eine schwere Bürde für die Jugendliche, denn die Aufgabe ist gewaltig, die mit diesem Erbe verkettet ist.

 

Doch bevor Ajana Stück für Stück der phantastischen Geschehnisse um sie herum entschlüsseln kann, sieht sie sich gleich den Widersachern der Menschen gegenüber, aus deren Klauen sie erst einmal befreit werden muss. Die Uzoma, ein dunkelhäutiges Volk, das Nymath schon vor langer Zeit besiedelt hat, wollen sich das Land zurückholen, was ihnen die Menschen mit Hilfe der Elben entrissen haben. Sie wurden vor vielen Jahren in die Welt hinter dem Nebel verbannt, eine unwirtliche Gegend und nicht vergleichbar mit der Üppigkeit jener Länder, die fortan den Menschen als Heimstatt dienten. Die Uzoma fielen den dunklen Göttern anheim, und irgendwann erhoben sie sich und marschierten gegen ihre alten Feinde.

 

Ajana aber gerät bald in die Hände der Menschen, denen sie sich langsam anvertraut. Dafür ist besonders der junge Falkner Keelin verantwortlich, der sich liebevoll um sie kümmert. Keelin weiß, was es bedeutet, gegen Vorurteile anzugehen, die Ajana erst einmal entgegenschlagen, ist er doch niederen Standes und mehr durch Zufall in die Riege der anerkannten Falkner aufgestiegen. Diese wiederum gehen eine sehr innige Beziehung mit den ihnen anvertrauten Falken ein, die manchmal Beobachter von Ereignissen, manchmal Übermittler von Botschaften, aber auch Helfer in der Not sein können.

 

Die Menschen indessen sehen sich einer furchtbaren Gefahr gegenüber, denn die Uzoma werden von einer verderbten Frau aufgehetzt; das Ende der Menschen auf Nymath scheint unausweichlich, wenn ... ja, wenn nicht die Nebelsängerin gefunden wird. Jene Frau, die das Amulett trägt und als einzige befähigt ist, den alten Zauber der Elbenpriesterin wieder neu zu weben, der den schützenden Nebel auf ein Neues heraufziehen lässt. Es verwundert nicht, dass Ajana bald um ihre Bestimmung weiß und die Menschen wieder neue Hoffnung schöpfen. Aber das ist erst der Beginn einer langen Reise zu einem Ort, an dem die Nebelsängerin sich in den Bann der Runen begibt und zum Klang zauberhafter Melodien den Zauber aufleben lässt ...

 

Monika Felten hat sich eines sehr klassischen Themas bedient, der Queste, die in diesem Roman die Reise einer Jugendlichen (hier in Gestalt des Mädchens Ajana) durch eine unbekannte, neue Welt erforderlich macht. Das junge Mädchen wächst und reift an den Unbilden, denen sie sich gegenüber sieht, und wird sicherlich – es stehen ja noch zwei Bände aus – im Sinne eines Entwicklungsromans im Verlaufe der Geschehnisse erwachsen. Ein beliebtes, weil sehr zeitnahes Motiv, das gerade viele Jugendliche anspricht und deshalb gut gewählt ist. Somit wird diese äußerlich stattfindende Reise (einerseits von unserer Welt nach Nymath, andererseits dann zum Ort der Runenzauberei) zu einer auch innerlich vollzogenen Entdeckungsreise, die aus einem unerfahrenen, kindlichen Mädchen eine den Unbilden trotzende Frau machen kann.

 

Jedenfalls sind in „Die Nebelsängerin“ alle Wege für Ajana offen, um nicht nur den Menschen helfen zu können, sondern auch zu sich selbst zu finden. Das ist für den Leser fassbar, weil gut in Worte gefasst und behutsam erzählt.

 

Darüber hinaus mangelt es der Handlung nicht an interessanten Details, die einen guten Fantasy-Roman ausmachen. Beispielsweise ein Konflikt in einer archaisch anmutenden Welt, der zu spannenden Konfrontationen Anlass gibt. Oder eine Vielzahl recht unterschiedlicher Völker und Stämme, die jeweils ihre besonderen Charakteristiken aufweisen (und sich deshalb auch durchaus mit Misstrauen beäugen, auch wenn sie im Kampf gegen die Uzoma zusammenstehen). Dazu ein Gegner in Gestalt der kriegerischen Uzoma, der über das übliche „Was gegen uns ist, ist grundsätzlich böse“ hinausgeht – mehr noch.

 

Monika Felten lässt in die Erzählung einfließen, dass den Uzoma in der Vergangenheit Unrecht widerfahren ist, und dies sogar von den gemeinhin mit dem Synonym „edel“ bedachten Elben, die doch für das Gute in der Welt immerzu geradestehen müssen. Das ist zwar auf Nymath nicht so viel anders, aber ihnen haftet doch der Makel an, nicht ganz selbstlos zu handeln, auch ihren eigenen Nutzen im Auge zu haben. Sie sind zwar gut, aber nicht unbefleckt. Und die Uzoma stehen zwar „auf der anderen Seite“, aber dafür sind auch die Elben verantwortlich. Hier deutet sich eine Spannung an, die sicher in die beiden nächsten Bände hineingetragen wird.

 

Spannung gewinnt „Die Nebelsängerin“ eben nicht aus epischen Schlachten, die hohen Blutzoll zeitigen, sondern aus den geringen Auseinandersetzungen, bei denen das Leid nicht anonym und ungenannt bleibt, sondern die einzelnen Schicksale ihre Bedeutung gewinnen und deshalb umso mitleidenswerter sind. Das ist eine durchaus sinnige Abkehr von unsäglichen Massenschlachten, die manch anderes Fantasy-Epos wie ein Garant für Vergnügen auf seine Fahnen gemalt hat.

 

Neben den einfühlsam und leicht vorstellbar beschriebenen Landschaften imponieren auch die ausdrucksvoll gezeichneten Charaktere. Nicht nur die Hauptpersonen wie Ajana oder Keelin werden lebensnah dargestellt und verfügen über ein scharf konturiertes Profil, sondern auch Nebenfiguren wie der sehr sympathische, aber tragische Junge Abbas, dessen endgültiges Schicksal im Unklaren bleibt. Das stellt für eine nicht ganz ungeläufige Handlung, die daher mehr noch von ihren Menschen lebt, die in ihr agieren, etwas Elementares dar: man muss mit den Persönlichkeiten leiden, lieben, lachen können, denn erst dann lebt auch die Geschichte. Und die Gefühle von Ajana und Keelin und auch Abbas, dem Küchenjungen, die kommen auch beim Leser an.

 

Dem Buch liegt eine CD mit vier Titeln bei, die von Anna Kristina, einer jungen Sängerin, gesungen wurden und mit träumerischen Klängen und kristallklarem Gesang auf den Inhalt des Romans einstimmen. Eine sehr schöne Idee, einen Fantasy-Roman auf diese wohlklingende Weise zu begleiten. Zur sehr gediegenen Ausstattung gehört auch eine Übersichtskarte von Nymath, gezeichnet von Erhard Ringer, der durch seine äußerst gelungener Karten zu zahlreichen Fantasy-Romanen bekannt ist. Das Buch ist mit einem Lesebändchen versehen. Das Runenalphabet wurde von Caroline Fischer kreiert, das Thema durchdringt den gesamten Roman auf sehr einnehmende Weise.

 

Eine gut erzählte Geschichte, eine sympathische (Alltags-)Heldin, viele anschaulich beschriebene Schauplätze - „Die Nebelsängerin“ ist ein echter Fantasy-Schmöker, der eine gute Anzahl an Stunden kurzweilige Unterhaltung verschafft.

Eure Meinung:

Durch einen Wechsel der Kommentarfunktion unterscheiden sich diese Einträge von neueren.

Anzeige: 1 - 4 von 4.

Carina
Donnerstag, 22. April 2010 18:25 Uhr
Nun ja, ich finde die Bücher mittelmässig und muss mal meine Meinung loswerden.
Nicht nur, dass Monika Felten das Elbisch, genauer Sindarin von Tolkien verwendet- sie nutzt auch das Quenya ("Namarie") und bringt so beide Sprachen durcheinander. Ob die Sätze stimmen, kann ich nicht sagen.
Die elbischen Elemente werden direkt im Text übersetzt, was den Lesefluss und teilweise auch die Darstellung der Seiten stört. Da wäre ein Glossar besser gewesen.
Die Ideen zur Story, Ausführung und den Namen finde ich eigentlich gut. Doch man erlebt keine Überraschungen. Man findet keine Subtilität, Felten arbeitet mehr nach der Methode "Holzhammer".
In ihrer Sprache verwendet sie immer wieder die die gleichen oder ähnliche Ausdrücke("AB mass XY mit einem schwer zu deutenden Blick"-Was bitte soll das heissen??).
Mein Fazit: Vor ein paar Jahren hab ich es noch gemocht. Jetzt landen die Bücher auf dem Flohmarkt.

Troll
Freitag, 14. Juli 2006 13:54 Uhr
Ich finde die Bücher wirklich toll und hoffe, dass es zum 3. Teil auch wieder eine CD gibt.

Avonar
Freitag, 16. Juni 2006 20:02 Uhr
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Ich freue mich schon auf den nächsten Band.

A.

emma
Mittwoch, 08. März 2006 19:57 Uhr
also, ich hab das buch, sowie den zweiten teil schon gelesen und finde sie einfach klasse...ich warte nun schon gespannt auch den dritten teil=)

Zum Seitenanfang

Platzhalter

Buch:

Titel: Die Nebelsängerin

Reihe: Das Erbe der Runen

Autorin: Monika Felten

Verlag: Piper

Roman, 458 Seiten, Gebunden, mit Soundtrack-CD

ISBN 3-492-70065-9

Preis: 19,90 Euro

erhältlich bei: Amazon

weitere Infos:


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 19.05.2005, zuletzt aktualisiert: 02.08.2019 12:28