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Die Neurodermitis-Detektive von Dagmar H. Mueller

Rezension von Björn Backes

 

Aufklärungsbücher über verheerende, dauerhafte Krankheitsbilder sind in ihrer Konzeption ein schwieriges Unterfangen. Einerseits sollen sie Mut machen und Verständnis zeigen, andererseits sollen sie die jeweilige Krankheit in ihrem Erscheinungsbild nicht herunterspielen und das Gefühl vermitteln, dass ihre Ausprägung Ernst genommen wird. Zuletzt wagte sich Sylvia Schneider an ein solches Konzept heran und beschrieb die Schreckensdiagnose Leukämie und die Schwierigkeiten, die diese Krankheit in der Kindheit der Betroffenen mit sich bringt. Für die Zeichnungen war damals Mathias Weber verantwortlich, der sich auch dieses Mal wieder für ein neues Projekt begeistern ließ. Im Verbund mit Autorin Dagmar H. Mueller griff der Zeichner dieses Mal das Thema Neurodermitis auf, die lästige Hautkrankheit, deren auffälliges visuelles Erscheinungsbild gerade den jüngsten Erkrankten mächtig zu schaffen macht – schließlich gehen nicht wenige Depressionen auf diese Diagnose zurück. Wie man möglicherweise etwas tapferer damit umgehen kann, zeigt Mueller nun in „Die Neurodermitis-Detektive“.

 

 

Inhalt:

Lizzie leidet unter ihrer schrecklichen Hautkrankheit. Ständig muss sie sich jucken und kratzen, und da ihr kleiner Bruder nun auch noch vermehrt Aufmerksamkeit von der Mutter verlangt, bleibt für Lizzie kaum mehr Zeit. Jetzt soll sie auch noch in den Kindergarten gehen, wo die übrigen Kinder lauter lästige Fragen stellen, die ihr Leiden auch nicht wirklich besser machen. Als sie sich schon damit abfindet, die Kindergartenzeit alleine zu verbringen, lernt sie Lars kennen. Er ist auch an Neurodermitis erkrankt und geht viel selbstbewusster mit seinem Problem um. Lars sieht sich als Detektiv, dessen Aufgabe darin besteht, herauszufinden, was ihm gut tut und was seiner Haut schadet. Und da er sieht, wie Lizzie unter ihrer Krankheit leidet, versucht er, seinen Optimismus auf das kleine Mädchen zu übertragen.

 

 

Rezension:

„Die Neurodermitis-Detektive“ ist hinsichtlich der eigentlichen Intention sicherlich eine positive Erscheinung, denn der Grundgedanke wird in dieser Sparte leider viel zu selten so intensiv verfolgt wie hier. Leider jedoch ist die Umsetzung in diesem Fall nicht immer so gelungen, da die beiden Hauptdarsteller nur bedingt als Identifikationsfiguren für die Zielgruppe, eben Betroffene und deren Angehörige, taugen. Lizzie beispielsweise ist die geborene Pessimistin und lässt sich nur schwer auf andere Gedanken außer ihrer Erkrankung ein. Verständnis für die Entwicklungen in ihrer Familie hat sie kaum, und auch wenn ihre Eltern alles Erdenkliche tun, um für Lizzies Wohlbefinden zu sorgen, kann das kleine Mädchen dies nur schwer anerkennen.

Hierzu sei gesagt, dass Mueller ein durchaus authentisches Bild des Gemütszustandes einer Betroffenen zeichnet, jedoch hier und dort sicherlich ein bisschen mehr Zuversicht in die Geschichte hätte einbringen können. Der Start ist nämlich dieses Mal nicht so glücklich. Dies soll im Nachhinein der eigentlich fast schon zu optimistische Lars auffangen, der gelernt hat, mit der Krankheit umzugehen und sein Problem in Interesse umgewandelt hat. Er reißt Lizzie mit und stimmt das Mädchen in Windeseile um. Und genau hier verliert die knappe Handlung ein wenig Glaubwürdigkeit, sofern man von solcher in einem solchen Projekt überhaupt reden darf. Nur ist es eben so, dass Lizzies Probleme nicht einfach so abgeschüttelt sind, und gerade vor dem Hintergrund, dass die Stimmung des Mädchens von Grund auf negativ dargestellt wird, ist der plötzliche Wandel mit Skepsis zu sehen.

 

Möglicherweise ist diese Perspektive aber auch zu verbissen und analytisch, schließlich ist das Bilderbuch an eine viel jüngere Zielgruppe gerichtet und soll deshalb auch vergleichsweise leichten Stoff bieten. Und lässt man mal die Ernsthaftigkeit des Themas außen vor, ist dies ja auch ganz gut geglückt, zumindest was die allgemeine Darstellung betrifft. Aber vielleicht hätte man die Sache auch noch ein bisserl runder und fröhlicher hinbekommen können, um „Die Neurodermitis-Detektive“ ähnlich wie „Die Fleckenfieslinge“ zu einer uneingeschränkt lohnenswerten Sache zu machen. Aber auch in dieser Form ist das Buch als Anschauungswerk für das kleinere Publikum durchaus interessant

 

 

Fazit:

Wie bereits angesprochen, die Umsetzung eines solchen Projekts ist ziemlich schwierig, und dies hat Dagmar H. Mueller in diesem Fall auch stellenweise zu spüren bekommen. Dennoch ist „Die Neurodermitis-Detektive“ ein schönes Buch, bei dem die Intention letztendlich den Ausschlag für die leicht eingeschränkte Empfehlung gibt.

 

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Die Neurodermitis-Detektive

Autor: Dagmar H. Mueller

Illustrator: Mathias Weber

Gebundene Ausgabe: 32 Seiten

Verlag: Betz, Wien (August 2008)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3219113265

ISBN-13: 978-3219113266

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 02.09.2008, zuletzt aktualisiert: 19.01.2015 14:39