Die Parapsychologin (Pik-As, Bd. 1)
 
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Die Parapsychologin

Reihe: Pik-As, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

Detektive aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, als die Ermittlungsmethoden noch nicht sonderlich ausgereift waren, sind wieder in Mode, bieten sie sich doch dazu an, bizarre und skurrile Geschichten zu erzählen, die nicht allein auf Logik basieren. Und manchmal kommt auch noch ein wenig Gesellschaftskritik dazu, denn eine selbstbewusste junge Frau, die gegen die Konventionen ihrer Zeit verstößt, kommt immer gut.

 

In der Serie „Pik-As“ ist das die gewitzte Flora Vernet, die Assistentin und Schülerin des angesehenen, wenn auch ein wenig kauzigen Detektivs und Forschers im Bereich des Paranormalen, Auguste Dupin. Auch er muss sich immer wieder daran gewöhnen, dass die junge Frau sagt was sie denkt und das Benehmen einer jungen Lady oft genug vermissen lässt.

Eines Tages verschwindet die Zwergin und Wahrsagerin Kathy Wuthering. Spuren eines Kampfes deuten darauf hin, dass sie entführt und ermordet wurde, aber eine Leiche lässt sich nicht finden. Die Polizei ist ratlos und fast schon froh, dass nach zwei Monaten eine Leiche aus der Seine gefischt wird, der das fehlt, was sie als einzigstes von der Hellseherin gefunden haben – die Augen. Doch Dupin erkennt an einer Kleinigkeit, dass es sich bei der Leiche nicht um Wuthering handeln kann.

Derweil kümmert sich Flora um einen jungen Lebemann, der ein einer düsteren Gasse in einem zwielichtigen Viertel niedergeschlagen wurde. Gestohlen wurde ihm allerdings nur eine Taschenuhr, alles andere wurde ihm gelassen. Sie lässt ihn im Unklaren darüber, dass sie eigentlich keine Befugnisse hat und hofft sich damit bewähren zu können.

Ehe sich die junge Frau versieht, bekommt sie nicht nur Ärger mit Dupin, der über diese Eigenmächtigkeit gar nicht erbaut ist, sondern steht auch noch mitten in einem Fall, der viel weitere Kreise zieht als gedacht

Schon bald arbeiten sie und ihr Lehrherr jedoch Hand in Hand, denn sie bekommen es mit einem Geheimbund mit düsteren Absichten zu tun, der einerseits keine Skrupel hat, über Leichen zu gehen, sich andererseits aber auch nicht scheut, sich Mittel zu bedienen, die nicht von dieser Welt sind.

 

„Die Parapsychologin“ aus der Reihe „Pik-As“ enthält all die Zutaten, die eine Serie über viele Bände hinweg spannend machen kann – eine kluge und gewitzte Heldin, die einfach das tut, was sie für richtig hält, und so nach und nach die Achtung ihres Meisters gewinnt, Vorkommnisse, die sich mit Wissenschaft nicht erklären lassen und in das Okkulte hinein reichen und nicht zuletzt Gegenspieler, deren Macht viel weitreichender ist als die eines einzelnen Superverbrechers.

Sicherlich sind viele Ideen nicht neu – immer wieder fallen typische Sätze über den Wert oder die verrückten Ideen der Frauen – zumal die Emanzipation noch ein Fremdwort ist oder die Organisation, deren Mitglieder aus dem Verbrechermilieu stammen und eigentlich auch nur Marionetten schattenhafter Drahtzieher sind – so ist es nicht unbedingt verwunderlich, dass eine Spur sogar zu einem Puppentheater führt. Das ganze wird aber frech erzählt und mit vielen netten kleinen Anspielungen und Hinweisen garniert.

Die Heldin weiß durch ihr Selbstbewusstsein gleichermaßen zu amüsieren als auch zu faszinieren – sie steht trotz ihrer Unerfahrenheit Auguste Dupin gleichwertig zur Seite. Der Forscher und Ermittler entpuppt sich sehr schnell als jemand, der Details zusammenfügen und aus Hinweisen kombinieren kann. Daher gerät die Polizei eher wieder ins Hintertreffen und der ermittelnden Inspektor wird eher als unfähig und hilflos dargestellt.

Allein die Bösewichte bleiben sehr schattenhaft. Man erfährt zwar einige Dinge über ihre Organisation, aber nicht, wie weitreichend diese eigentlich ist und welche Motive außer Macht und Geldgier sie voran treiben.

Das ganze wird atmosphärisch sehr dicht erzählt. Die feinen und detailreichen Zeichnungen versetzen gelungen in die Zeit um 1900 und sind akribisch recherchiert. Dazu kommen ausgefeilte und geschmackvolle Darstellungen des Übersinnlichen und Profanen.

 

Alles in allem kann sich der erste Band von „Pik-As“ sehen lassen, da die Mischung aus Einführung und Action stimmt, auch wenn noch nicht klar ist, in welche Richtung das Ganze laufen wird. Durch die phantastischen Mystery-Elemente könnten sich jedenfalls auch Steampunk-Fans angesprochen fühlen, die auf der anderen Seite nichts gegen eine handfeste Krimihandlung haben.

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240618042138e6868fc1
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Comic:

Die Parapsychologin

Reihe: Pik-As, Bd. 1

Autor: Thierry Gloris

Zeichner: Jacques Lamontagne

Original: As Pik: La Naine Aux Ectoplasmes, FR 2010

Übersetzerin: Tanja Krämling

Hardcover-Album, 48 Seiten

Splitter, erschienen im Januar 2011

ISBN-10: 3868692126

ISBN-13: 978-3868692129

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 27.04.2011, zuletzt aktualisiert: 28.12.2022 16:07, 11751