Die Priesterin der Türme von Heide Solveig Göttner

Reihe: Die Insel der Stürme Band 1

Rezension von Christel Scheja

 

Mit "Die Priesterin der Türme" startet der Piper-Verlag den Zyklus einer noch unbekannten Autorin. Die 1969 geborene Heike Solveig Göttner, die als Dozentin für Englisch und Deutsch in der Nähe von Freiburg lebt, legt mit den Geschichten um "Die Insel der Stürme" ihre ersten Romane vor.

 

Die Menschen und das Gehörnte Volk der Naurn teilen sich die unwirkliche Insel der Stürme, auf der nur wenige Landstriche an Flüssen und in Oasen bewohnbar sind. Die Menschen leben in ihren Clanverbänden vor allem in Städten, die von mächtigen Türmen durchzogen werden, während die Naurn als kriegerische Nomaden durch die Einöde ziehen.

In der Stadt Calaxi dient die junge Amra als Priesterin des Totengottes Antiles. Aufgrund dieser Aufgabe ist es ihr verboten engeren Kontakt mit den Menschen zu haben, selbst den nächsten Verwandten. So steht sie außerhalb der Gesellschaft und sieht oft Dinge, die anderen nicht auffallen. Und sie vermag in das Innere der Menschen zu blicken und in deren "taú", d. h. deren Seele, zu lesen.

Deshalb spürt sie eines Tages, dass das elternlose Kindes, das ein Fremder in die Stadt bringt, etwas besonderes ist. Die Kleine hat türkisfarbene Augen, die sonst nur den Göttinnen vorbehalten sind. Amra vermag nicht in seine Seele zu blicken, aber sie erkennt schneller als die anderen, dass Lillia besondere Gaben besitzt.

Dann sucht ein schweres Erdbeben die Stadt heim, und die Bewohner sehen in dem außergewöhnlichen Kind plötzlich eine Unheilsbotin. Als diese sie töten wollen, stellen sich der Fremde und Amra dazwischen. Denn auch die Priesterin hat erkannt, dass das Mädchen das Unheil nicht sieht, sondern vorausahnt.

Doch auch mit diesem Wissen kann Amra den Untergang der Stadt nicht aufhalten, denn zu allem Übel fällt nun auch noch ein kriegerischer Stamm der Naurn in die Ruinen ein und gibt den Bewohnern den Rest. Allein Amra, der Fremde, dessen Namen Jemren ist und Gorun, der Erste Reiter von Calaxi überleben neben Lillia. Sie fliehen gemeinsam vor den Gehörnten, deren wilde Königin ein besonderes Interesse an dem Mädchen zu haben scheint. Denn ganz offensichtlich gebietet Lillia nicht nur über die Elemente und die Zeit, sondern kennt auch einige Geheimnisse der Naurn...

 

"Die Priesterin der Türme" orientiert sich anders als viele andere Fantasy-Romane nicht an einer der für diese Thematik beliebten Kulturen wie die der Kelten oder des alten Ägypten. Die Insel der Stürme erinnert eher an die kleineren vorderasiatischen und nordafrikanischen Kulturen des südlichen und östlichen Mittelmeerraumes, ohne sie jedoch direkt zu kopieren. Heide Solveig Göttner lässt hier offensichtlich die auf ihren Reisen zu historischen Stätten gewonnenen Erfahrungen einfließen, was dem Roman eine eigentümliche Atmosphäre gibt.

Vor diesem Hintergrund konzentriert sie sich vor allem auf drei Figuren. Da sind zum einen Amra und Gorun, die aus ihrem geruhsamen und vorherbestimmten Leben in Calaxi gerissen werden, und lernen müssen, mit den neuen Gegebenheiten zurecht zu kommen, wobei sich vor allem der Reiter sehr schwer tut, weil er dem geheimnisvollem Mädchen und ihrem Begleiter die ganze Zeit misstraut. Dagegen lernt Amra sehr schnell und erkennt den Wert und die Aufgabe des Mädchens. Sie beginnt sich zu fragen, ob die alten Überlieferungen über die Kinder wie Lillia nicht anders gedeutet werden müssen, auch wenn er nicht viel Zeit bleibt, darüber nach zu denken, denn die Begegnungen mit den Naurn sind alles andere als harmlos. Jemren, der selbsternannte Beschützer bleibt wie die kleine Lillia lange Zeit geheimnisvoll, aber schon bald ahnt man, dass auch er eine Tragödie in seinem Herzen trägt.

Für diese Charakterschilderungen und auch die differenzierte Darstellung der Naurn, die nur am Anfang wie gefährliche Bestien zu wirken scheinen nimmt sich die Autorin sehr viel Zeit, wodurch die Handlung allerdings auch sehr langsam anläuft und kein sehr hohes Niveau erreicht, auch wenn ihre Helden auf der Flucht in Gefahr und Gefangenschaft geraten. Aber nicht Action und Gewalt stehen im Vordergrund der Geschichte, sondern eher die Geheimnisse die Lillia umranken und die Entwicklung der Menschen, die sie beschützen und begleiten.

 

"Die Priesterin der Türme" ist eher ein stilles Buch, dass die meisten Klischees um Priesterinnen und Auserwählte geschickt umschifft und dafür lebendige Charaktere und einen glaubwürdigen Hintergrund bietet.

Die Spannung wird durch gelegentliche Actionszenen, vor allem aber durch die Geheimnisse, die sich nach und nach enthüllen geschaffen, auch wenn man nach dem ersten Band noch nicht ganz weiß worauf das ganze hinaus laufen wird. Genügend Hinweise lassen aber rätseln und machen Lust auf mehr.

 

Fazit:

Obwohl eine Veröffentlichung im Taschenbuch sicherlich mehr Leser angelockt hätte, so bietet der Verlag mit dem Zyklus um "Die Insel der Stürme" einen interessanten Gegenpol zu den epischen und bildgewaltigen Epen im Stile Tolkiens, und damit ein wenig mehr Abwechslung im Verlagsprogramm.

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Eure Meinung:

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Buch:

Die Priesterin der Türme

Reihe: Die Insel der Stürme Band 1

Autorin: Heide Solveig Göttner

Piper-Verlag, 1. März 2007

gebundene Ausgabe, 431 Seiten

Cover: Gérard Di-Maccio

 

ISBN-10: 3492750044

ISBN-13: 978-3492750042

 

Erhältlich bei: Amazon

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zuletzt aktualisiert: 02.08.2019 12:28 | Users Online
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