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Die Prophezeiung der Steine von Pamela Freeman

Reihe: Das Land der Seher, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

Die australische Autorin Pamela Freeman lebt heute mit Mann und Sohn in Sydney. Sie hat bereits siebzehn, zum Teil preisgekrönte Jugendbücher verfasst. Mit ihren neusten Werken wendet sie sich nun an ein erwachsene Publikum. „Die Prophezeiung der Steine“ ist der Auftakt zu ihrer Serie „Das Land der Seher“.

 

Schon seit vielen Jahren ist das ehemals blühende Reich in elf Domänen zerfallen, deren Kriegsherren nicht nur mit grausamer und harter Hand ihre Untertanen regieren, sondern auch argwöhnisch darauf achten, dass kein fremder Eindringling in ihr Territorium verletzt. Dabei ist die herrschende Kriegerkaste selbst vor langer Zeit in das friedliche Land eingefallen und hat blutige Ernte gehalten. Von den ehemaligen Ureinwohnern haben nur wenige überlebt, und die haben sich zum großen Teil mit den Neuankömmlingen vermischt. Doch ganz ausgelöscht sind sie und ihre Vermächtnisse nicht. Denn einige, die das alte Wissen noch hüten und weiter geben ziehen ruhelos als Wanderer durch das Land, in der Hoffnung eines Tages vielleicht die Herrschaft der Gewalt enden zu können.

Denn in den elf Domänen zählt nur das Recht des Stärkeren. Die einfachen Menschen, Bauern wie Bürger müssen es hinnehmen, dass sie nicht nur Steuern bezahlen müssen, sondern die Krieger auch das Recht haben, sich an ihren Frauen und Kindern schadlos zu halten.

Dennoch verzagen die meisten nicht und versuchen einfach das Beste aus ihrem Leben zu machen. Und je abgelegener das Dorf ist – desto freier können sie sein. Das weiß auch Bramble zu schätzen, die wie ihr Großvater von einem ruhelosen Geist erfüllt ist. Anstatt brav zu Hause zu sitzen und die weiblichen Tugenden zu üben, streift sie tagaus tagein durch den Wald, sammelt Kräuter und bringt kleine Wildtiere mit, die den ansonsten eher kargen Speiseplan der Eltern bereichern. Dabei bleibt es nicht aus, dass sie eines Tages durch einen Mann den Kriegsherrn bedroht wird. Als Bramble ihn in Notwehr erschlägt, muss sie fliehen.

Zur gleichen Zeit macht der junge Wanderer Ash in der Stadt Turvite so manche unangenehme Erfahrung mit der Stadtbevölkerung. Er geht bei einer erfahrenen Kämpferin in die Lehre, die ihm beibringt, sich auch gegen Krieger zu wehren, damit er, wenn es eines Tages so weit ist, seine eigene Familie und Freunde vor Willkür schützen kann – denn unter den Kriegsherren gelten die Wanderer als Freiwild. Als er ein Mädchen im Kampf erschlägt bleibt ihm allerdings nichts anderes als die Flucht, denn die Stadtbewohner wenden sich gegen ihn.

Und dann ist da Saker, ein Wanderer und Zauberer, der einen einsamen und gefährlichen Weg gewählt hat, nachdem seine Familie vor vielen Jahren grausam ermordet wurde. Er hat das alte Wissen seiner Ahnen wiederentdeckt und verinnerlicht und hofft nun mit dem wiedererweckten Toten endlich Rache nehmen zu können.

Und nicht zuletzt strebt im Norden einer der Kriegsherren nach mehr macht und plant das Reich neu zu errichten, das unter den Händen eines seiner Ahnen damals in die elf Domänen zerbrach.

Diese Menschen sind dazu ausersehen, das Schicksal ihres Landes und ihrer Völker neu zu schreiben, auch wenn sie es noch nicht wissen. Doch schon haben die alten Mächte des Landes sie dazu ausersehen, zusammen zu treffen und ihren Teil zu erfüllen.

 

Auch wenn der Plot zunächst sehr klassisch klingt – er wird doch anders erzählt als man denkt, denn vor allem die drei erst genannten Helden erhalten sehr viel Raum und werden hin und wieder auch aus der Sicht der Nebenfiguren beschrieben. Pamela Freeman baut ihren Roman auf wie einen Flickenteppich.

Jeder Abschnitt fügt eine neue Facette zu der Erzählung hinzu und macht die Beschreibung des Landes plastischer. Sie zentriert die Ereignisse um die Hauptfiguren, die aber nicht wirklich im Vordergrund stehen, da sie in ihr Schicksal eingebunden sind. Sie wirken dadurch ein wenig archetypisch – Bramble ist die selbstbewusste junge Frau, die den Weg geht, den sie intuitiv für richtig hält, während Ash doch ein wenig zurückhaltender ist und sich mehr leiten lässt. Und vor allem Saker, der durch seine Nekromantie eigentlich böse sein müsste, hat gute Gründe, die Toten wieder zum Leben zu erwecken.

Das Land der Elf Domänen ist ein Reich voller Magie und Geheimnisse, die dem Leser nach und nach enthüllt werden.

Da der Roman sich die Zeit nimmt, erst einmal in alles einzuführen, besitzt er auch keinen wirklich großen Höhepunkt. Action ist zwar vorhanden, wird aber eher sparsam eingesetzt, da die Autorin mehr auf Interaktion zwischen den Figuren achtet und deren Hintergründe fein ausarbeitet. Eine Romanze gibt es noch nicht.

Heraus kommt ein atmosphärisch dichter aber nicht ganz so spannender Roman, der aber durch seine komplexe Handlung in den Bann schlägt.

 

Damit ist „Die Prophezeiung der Steine“ eher ein Werk, das vor allem denjenigen gefallen dürfte, die auf mystisch verwobene Hintergründe mit viel Magie und ausgearbeitete Charaktere setzen und weniger auf vordergründige Action und oberflächliches Abenteuer.

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Die Prophezeiung der Steine

Reihe: Das Land der Seher, Bd. 1

Autorin : Pamela Freeman

Goldmann, München, erschienen im Februar 2009

Paperback, 574 Seiten

Übersetzung aus dem australischen Englisch von Peter Beyer

Titelbildcollage von Tertia Ebert

ISBN-10: 3442468582

ISBN-13: 978-3442468584

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 04.02.2009, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 14:35