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Die Rache der Kinder von Hilary Norman

Rezension von Eileen Weinreich

 

Inhalt

Vier Kinder eines Kinderheims finden Willam Goldings Buch „Herr der Fliegen“. Fortan treffen sie sich, um darin zu lesen. Doch es bleibt nicht bei diesen Treffen. Die Kinder geben sich die Namen der Hauptfiguren und gehen scheinbar vollkommen in der fiktiven Geschichte auf. Eines Tages stößt eine Frau zu ihnen, die sich bald nur noch Ralph nennt – nach dem Anführer in Goldings Buch. Zusammen beschließen sie, wie im Buch, Monster zu jagen. Während ihrer Kindheit beschränkt sich dies auf Menschen aus ihrem Umfeld, die anderen Menschen Leid zufügen. Sie inszenieren Unfälle, bei denen die Schuld stets auf die ausgesuchten Monster fällt.

 

Dieses Spiel, wie die fünf Personen es nennen, führen sie auch im Erwachsenenalter fort. Diesmal allerdings haben sie sich zwei Monster ausgesucht – Laurie und Kate. Beide haben ihre Rolle als Mutter angeblich nicht erfüllt, wofür sie bestraft werden sollen. Diesmal aber läuft das Spiel anders als geplant…

 

Kritik

Hilary Normans Roman erweckt im ersten Moment den Anschein, als habe der Leser es mit vier Kindern zutun, die sich am Abschaum der Gesellschaft rächen und sie ihrer gerechten Strafe zuführen – so meinen sie. Allerdings entwickelt sich das Spiel, das die vier Kinder auch im Erwachsenenalter unter der Anleitung ihres Häuptlings fortführen, zusehends zu einem blinden Akt der Rache, bei dem nicht mehr genauer nachgeforscht wird. So entführen die Vier schließlich zwei Frauen, die alles andere sind als böse. Diese Tatsache verleiht dem Roman eine unheimlich düstere und sehr beklemmende Atmosphäre. Dazu bei tragen auch die verschiedenen Sichtweisen, in die der Roman gegliedert ist. So lernt der Leser nicht nur die Kinder kennen, sondern auch die beiden Frauen, die die späteren Opfer darstellen. Dabei entwickelt sich schnell so etwas wie Sympathie für die Frauen, die unschuldig dessen sind, was ihnen vorgeworfen wird. Dabei dreht Hilary Norman den Spieß geschickt um. Denn der Leser entwickelt zunehmend eine Abneigung gegen die vier Kinder und Mitleid sowie Sympathie für die zwei Frauen. Allerdings ist auch dies eine sehr zwiegespaltene Sache, da die vier Kinder, die sich als Racheengel zeigen, selbst alles andere als eine gute Kindheit hatten. Allesamt haben sie nie erlebt, was eine gute Mutter ist und hegen daher einen großen Hass auf Frauen, die ihre Kinder scheinbar nicht wollen. Genau hier hätte Hilary Norman aber ansetzen müssen. Denn die eigenen Geschichten und Schicksale hinter den Kindern sowie ihrer Taten bleiben so gut wie vollständig im Hintergrund.

 

Tendenziell ist dies sicher nicht der schlechteste Ausgangspunkt für einen gelungenen Plot. Allerdings verfehlt Hilary Norman ihre Intention allein schon dadurch, dass die vier Kinder quasi so etwas wie Phantome bleiben. Ihr Äußeres wird nie beschrieben und man erfährt erst sehr spät ihre richtigen Namen. Sie bleiben nach wie vor Menschen, die sich hinter erfundenen Namen verstecken. Dies bewirkt zwar, dass man sie als allgegenwärtige und nicht zu stoppende Bedrohung ansieht, führt aber leider auch dazu, dass man keinen wirklichen Eindruck von ihnen bekommt. Bezogen auf das große Ganze des Plots passiert es somit auch, dass die gesamte Geschichte sehr oberflächlich bleibt. Mit hinein in diese Oberflächlichkeit spielt im Übrigen auch die Kürze des Romans. Man hat fast den Eindruck, man habe ein Buch in der Hand, das viel eher eine Kurzgeschichte hätte werden sollen, als ein vollwertiger Roman. Aus diesem Grund leidet die Glaubwürdigkeit.

 

Dennoch stimmt die Atmosphäre in „Die Rache der Kinder“. Nicht nur die gekidnappten Frauen fühlen sich bedroht – man selbst als Leser kann jenes Gefühl beim Lesen durchaus auch spüren und dies schon von Seite eins an. Hilary Norman erreicht diesen Effekt mit recht simplen Mitteln. Sie redet nicht groß um den heißen Brei, schmückt nichts aus und schweift niemals vom Thema ab. Sie verfolgt konsequent ihren Plot und damit eine klare Linie. Dadurch wird das Buch leicht und schnell lesbar.

 

Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen ist der Roman kein Thriller im klassischen Sinn. Der Plot an sich ist gut und vor allem auch ziemlich innovativ, die Umsetzung aber zu wenig tiefgreifend. Die Gründe für das Handeln der Kinder sind zwar nachvollziehbar, erreichen den Leser aber nicht vollständig, was vermutlich daran liegt, dass sich der Fokus ab der Mitte des Romans vollkommen verschiebt und die Kinder bzw. inzwischen Erwachsenen nur noch als Beiwerk erscheinen. Aus diesem Grunde ist „Die Rache der Kinder“ eher ein Buch, das man schnell wieder vergisst. Hier fehlt es ausnahmsweise wirklich mal am Drumherum, das den Roman vollständiger gemacht hätte.

 

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MEDIUM:

Die Rache der Kinder

Autor: Hilary Norman

Broschiert: 365 Seiten

Verlag: Lübbe; Auflage: 1., Aufl. (11. August 2009)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3404163184

ISBN-13: 978-3404163182

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 30.09.2009, zuletzt aktualisiert: 04.02.2019 15:57