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Die Räder der Welt von Jay Lake

Rezension von Christel Scheja

 

In seiner Heimat hat der 2004 mit dem „John W. Campbell“-Award ausgezeichnete Jay Lake bereits mehrere Romane und unzählige Kurzgeschichten veröffentlicht. Er lebt heute in Portland, Oregon, und ist auch noch für eine Firma tätig, die Sprachdienste für Unternehmen anbietet. In Deutschland erscheint als erstes seiner Bücher „Die Räder der Welt“.

 

Schon so lange sich die Menschen erinnern ist das Sonnensystem ein einziges großes Uhrwerk. Wie die anderen Planeten besitzt auch die Erde am Äquator einen mehrer Kilometer hohen, aus Metall bestehenden Zahnradkranz, über den sie sich auf einer Schiene rund um die Sonne weiterbewegt.

Die Menschen stellen dieses Wunderwerk nicht in Frage und richten ihr Leben nach ihm aus. Das ist auch im 19. Jahrhundert so, in dem England immer noch über die Kolonien der neuen Welt herrscht und Königin Viktoria der Zeit ihren Stempel aufdrückt.

Die Schiffe der Royal Navy beherrschen zudem die Luft, so dass nirgendwo Widerstand gegen ihre Politik aufkommt.

Auch der junge Uhrmacherlehrling Hethor hat sein Schicksal bisher hingenommen und dient seinem Meister voller Gehorsam. Eines Nachts aber erscheint ihm der Erzengel Gabriel und gibt ihm den Auftrag, den Hauptschlüssel zu finden, der in das Uhrwerk der Erde passt, denn nur durch ihn kann es wieder neu aufgezogen werden.

Hethor versteht den Ernst der Lage erst nicht – aber er kann seinem Schicksal auch nicht entrinnen. Ehe er sich versieht, beginnt eine abenteuerliche Reise, die ihn nach vielen gefährlichen Abenteuern und Gefahren bis ans Ende der Welt – an den äquatorialen Wall führt.

 

„Die Räder der Welt“ ist ein bizarres Gemisch aus viktorianischen Ambiente inklusive des Lebens in der Royal Navy, gepaart mit futuristisch anmutender aber doch archaisch wirkender Technik und einer Handlung, in der Glaube und Wissenschaft im Widerstreit stehen. Damit erweitert er den „Steampunk“ für die meisten Leser, die bisher nur die Kriminalromane aus diesem Genre kannten, um eine weitere Facette.

Das Buch ist spannend aufgebaut – der Widerstreit zieht sich schon durch die ersten Kapitel, in denen das Weltbild des jungen Helden mehrfach erschüttert wird und findet sich auch später immer wieder. Denn Hethor ist jemand der glaubt, auch wenn er gelegentlich zweifelt, seine Widersacher, wie der Magier William von Ghent wollen eher die Begrenzungen und das Diktat der Religion und höheren Mächte brechen und die Welt von der Willkür Gottes befreien.

Die Geschichte ist sehr logisch. Nach und nach kann auch der Leser für sich die einzelnen Mosaiksteine zu einem Gesamtbild zusammenfügen und hat nicht das Gefühl, dass einige Dinge nicht zusammenpassen.

Allein die Figuren kommen etwas zu kurz. Sie bleiben sehr blass und oberflächlich, scheinen nur Archetypen zu sein, die der Handlung untergeordnet sind. Deshalb bleibt das Verhältnis des Lesers zu ihnen etwas distanziert. Wen das aber nicht stört, der kann einen einfallsreichen Roman genießen, der seinem Namen alle Ehre macht.

 

„Die Räder der Welt“ ist Steampunk reinsten Wassers, da der Autor wirklich mit den, ihm zur Verfügung stehenden Elementen des Genres arbeitet und diese auch angemessen einzusetzen weiß. Wer Setting und Thema mag, kann bedenkenlos zugreifen, da der Autor zeigt, das es nicht nur immer Verbrechen sein müssen, die die Handlung in einer pseudoviktorianischen Epoche antreiben, sondern auch ganz andere Motive.

 

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Die Räder der Welt

Autor: Jay (Joseph E.) Lake

broschiert, 363 Seiten

Bastei Lübbe, erschienen März 2012

Übersetzung aus dem Englischen von Marcel Bülles

Titelbild von Max Meinzold

ISBN-10: 3404206568

ISBN-13: 978-3404206568

Erhältlich bei: Amazon

Kindle Edition

ASIN: B006OE35SA

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 01.05.2012, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 14:35