Die Rechnung (Autor: Andreas Fischer)
 
Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Die Rechnung

Autor: Andreas Fischer

 

Joxer war der erste. Er betrat mit einem krÀftigen, fröhlichen "Hallo" die SchÀnke und erntete aus vielen Augenpaaren argwöhnische Blicke.

"Ich wusste nicht, dass man in dieser SchĂ€nke kein freundliches Wort zur BegrĂŒĂŸung spricht." fĂŒgte er ein wenig leiser hinzu und suchte nach einem freien Platz. Viel hatte er nicht zur Auswahl, da war noch ein Zweier-Tisch nahe an der Theke und eine Holzbank, die fĂŒr Drei reichen wĂŒrde, ebenfalls mit einem Tisch an der hinteren Wand.

"Dann werden Xena und Gabrielle eben nĂ€her an mich heranrĂŒcken mĂŒssen!" grinste er zufrieden und nahm auf der Bank Platz. Er liebte es solche genialen EinfĂ€lle zu haben! Er schaute sich in dem schummrigen Licht um, einfaches Volk saß hier nur herum. Keine Persönlichkeit oder reiche Person, die die Hilfe vom mĂ€chtigen Joxer benötigten.

"Wie schade!" befand er "dann werde ich doch auf die beiden warten und ihnen mit meinem Schwert und meiner Weisheit zur Seite stehen, denn ich bin Joxer!"

"Ihr seid Joxer?" die Bedienung der SchÀnke hatte lediglich sein letztes Wort aufgeschnappt und starrte den KÀmpfer verwundert an.

"Jawohl, der mÀchtige Joxer!" grinste er und erhob sich flink von der Bank. "Stets zur Stelle! Habt Ihr ein Problem, ich helfe Euch sofort!"

"Oh, wie edel!" entgegnete die junge Bedienung, "ich bin gleich wieder da!"

"Was fĂŒr eine Hilfe wird sie wohl brauchen?" ĂŒberlegte der wackere Recke, nachdem er sich wieder gesetzt hatte. Die Antwort kam schon schnellen Schrittes auf ihm zu gestĂŒrzt. Der Wirt!

"Zahl deine Rechnung!" grunzte der gewichtige Wirt und hielt Joxer einen Fetzen Pergament unter die Nase.

"Moment..." begann Joxer und besah sich das Pergament nĂ€her. Da stand was von 7 GoldmĂŒnzen und 3 Silberlingen und er hatte gerade mal sieben KupfermĂŒnzen. Und einen Augenblick, er war doch niemals zuvor hier gewesen. Wieso hatte der Wirt eine Rechnung fĂŒr ihn, obwohl er noch nie hier war. Das war wirklich eine Aufgabe fĂŒr Joxer den MĂ€chtigen.

"Ha", begann er und warf dem Wirt einen beruhigenden Blick zu, "sobald meine GefĂ€hrtinnen eintreffen, werde ich Euch entlohnen. Solange mĂŒsst ihr leider warten, ich habe meine letzten GoldmĂŒnzen gerade eben bei Eurem Waffenschmied gelassen, um dieses wertvolle Schwert zu erwerben." log er und hob angeberisch sein poliertes Kurzschwert.

"Jerena?" brĂŒllte der Wirt zur Theke.

Die junge Bedienung hielt beim Zapfen des Bieres inne und schaute den Wirt erwartungsvoll an.

"Seit wann haben wir in unserem Dorf einen WaffenhÀndler? Habe ich in den letzten drei Wochen was verpasst, in denen ich nicht da war?"

Jerena zuckte hilflos mit den Schultern. "Nö, haben wir nicht!"

Der böse Blick des Wirtes traf Joxer hart, "Es war ein fahrender WaffenverkÀufer!" entgegnete er spontan und setzte eine beruhigende Miene auf. "Ihr bekommt schon euer Geld. Vertraut mir!"

"Wie alt ist die Rechnung?" brĂŒllte der Wirt wieder zu Jerena.

"Knapp drei Wochen. Vom Folgetag, nach eurer Abreise. Tressin hĂ€tte es aber genauer gewusst, sie hatte die Rechnung schließlich geschrieben."

"Siehst du" lenkte Joxer ein, "und jetzt bin ich wieder hier! Du kannst mir vertrauen!"

Der Wirt schaute den KĂ€mpfer immer noch brummig an, doch dann machte er kehrt und brummte in seinen Vollbart, "Ich werde ihn trotzdem beobachten!"

"Ich bekomme ein Bier!" rief Joxer dem Wirt hinterher, der noch nicht wusste, ob er diesem Gast wirklich bedienen sollte.

Endlich trafen auch Xena und Gabrielle ein. Sie entdeckten sofort Joxer, der auffÀllige Zeichen von sich gab.

"Wir werden scheinbar erwartet!" meinte Xena mit genervter Stimme und hielt auf Joxer zu.

"Nett, dass Du fĂŒr uns die Bank reserviert hast, Joxer!" begrĂŒĂŸte Gabrielle den Recken.

"Wie fĂŒr Euch? Hier haben wir alle drei genug Platz, wenn wir ein wenig zusammenrĂŒcken!"

"JOXER..." begann Xena mit verÀrgerter Stimme. Joxer war aber bereits aufgesprungen und machte eine unschuldige Miene. "Ich hole mir noch einen Stuhl von dort hinten!"

Nachdem der KĂ€mpfer mitsamt Stuhl zurĂŒckgekehrt war, erzĂ€hlte er ihnen die Geschichte von seiner Rechnung, die er nicht bezahlen konnte. Nur irgendwie schien Xena nebst Gabrielle dies egal zu sein. Die beiden sprachen ĂŒber so belanglose Sachen wie Mondstand und Blutungen.

Der Wirt war auch schon wieder an den Tisch herangetreten und prÀsentierte diesmal Xena die Rechnung.

"Was soll ich damit?" fragte diese erstaunt.

"Bezahlen!" entgegnete der Wirt knapp.

"Warum?" kam es von der Kriegerprinzessin.

"Das versuche ich euch beiden die ganze Zeit zu erklÀren!" warf der genervte Joxer ein und machte eine bettelnde Miene. "Zahlst Du?"

"Na ja..." druckste Xena herum und warf Gabrielle einen unsicheren Blick zu. "Wie viel haben wir denn noch in unserer Kasse?"

Gabrielle warf einen knappen Blick auf das Pergament und schĂŒttelte den Kopf, "So viel haben wir nicht..."

"Habt ihr auch von einem fahrenden HĂ€ndler Waffen gekauft?" kam es spitz vom Wirt, der langsam zornesrot wurde.

"Nein..." Xena warf dem Wirt und Joxer einen fragenden Blick zu. "Was wird hier gespielt, Joxer? Warst Du schon einmal hier?"

Der KĂ€mpfer schĂŒttelte entschlossen seinen Kopf, "Nein!"

"Er war es nicht, die Rechnung stammt nicht vom ihm!" meinte Xena mit bestimmter Stimme.

"Habt ihr ihn damals bewirtet?" fĂŒgte Gabrielle hinzu.

"Nein!" grummelte der Wirt sÀuerlich, "Meine Frau Tressin hatte ihn bedient und die Rechnung geschrieben."

"Dann holt sie zu uns, sie wird dir sagen, dass dies nicht der Mann ist, von dem du Geld bekommst!" lenkte Xenas Freundin Gabrielle ein.

"Mein Frau ist auf dem Friedhof..." begann der Wirt.

"Dann holt sie doch eben!" warf Joxer begeistert ĂŒber Gabrielles Vorschlag ein.

"Sie liegt dort!" murmelte der Wirt und senkte seinen Kopf, "Sie ist letzte Woche an den Folgen eines Sumpffiebers gestorben. Ich kam so schnell ich konnte wieder hierhin zurĂŒck, aber es war bereits vorbei." Traurig schloss der Wirt die Augen und kĂ€mpfte mit seiner Fassung.

"Das tut uns aber aufrichtig leid!" versuchte Gabrielle zu trösten und suchte in dem Lederbeutel verzweifelt nach einigen MĂŒnzen, die sie dem Wirt schenken konnte. Leider war der Beutel genauso leer wie Ihr und Xenas Magen.

"Xena wir haben ein Problem!" erkannte sie.

"Das sehe ich auch so!" Xena meinte jedoch die Gruppe bewaffneter MĂ€nner, die polternd die SchĂ€nke betraten. "Haltet Euch zurĂŒck!"

"Joxer wird Dir mit seiner Klinge hilfreich zur Seite stehen!" widersprach der Krieger,

"Besser nicht!" murmelte Xena und erhob sich von der Bank.

"HĂŒbsch habt Ihr es hier, Wirt!" Die Stimme des BandenanfĂŒhrers klang grob und angenehm. Joxer der Zerstörer ..."

"Der Kerl benutzt meinen Namen!" Der echte Joxer erhob sich von seinem Stuhl und wurde sofort wieder von Xena heruntergedrĂŒckt. "Sei doch froh, dann brauchst Du die Rechnung nicht bezahlen!"

"...ist da und ich mache Euch ein verlockendes Angebot." Der grobe Mann schaute sich in der Runde der verschreckten Gesichter um und hielt auf den Wirt zu. "Ihr seid wohl der Wirt hier, stimmt's?"

"Ja" kam es stockend von diesem.

"Oh, ich sehe eure Frau hat sogar noch meine Rechnung aufbewahrt. Sehr löblich. Leider konnte ich nicht frĂŒher kommen, das Flussfieber hat mich ein wenig daran gehindert. Aber egal, nun bin ich da. Wisst Ihr was, wir vergessen meine Rechnung und ihr legt noch 50 GoldmĂŒnzen drauf. Wir verschwinden dann wieder und lassen alles heile! Ist doch ein tolles Angebot, oder?"

Der Wirt musste schwer schlucken. 50 GoldmĂŒnzen? Soviel hatte er nicht! "Ich habe das Geld nicht!" meinte er mit leiser Stimme.

"Schade!" Falsches Bedauern lag in der Stimme des falschen Joxers, "Jungs, fangt an!"

"Hier fĂ€ngt niemand an!" Endlich mischte sich Xena ein. "Ihr bezahlt Eure Rechnung und verschwindet fĂŒr immer von hier!" Ihre Stimme klang kĂŒhl und bestimmt.

"Oh, jetzt habe ich aber Angst!" grinste der falsche Joxer. "Wenn wir mit dem Laden hier fertig sind, dann werde ich Dich vernasche. Du gefÀllst mir, du hast irgendwie mehr als damals die Wirtin..."

"Ihr habt meine Frau..." der Wirt wollte sich auf den AnfĂŒhrer stĂŒrzen, wurde aber von Gabrielle und Joxer zurĂŒck gehalten.

"Überlasst das Xena!" raunte Gabrielle dem Mann ins Ohr und sprach ihm weitere aufmunternde Worte zu.

"Fangt an..." grinste der falsche Joxer und hob seine Hand zum Kommado.

Darauf hatte die Kriegerprinzessin nur gewartet. Mit einem gewaltigen Schlag holte die den AnfĂŒhrer von seinen Beinen und setzte zu einem Salto an. WĂ€hrend ihrer Rolle durch die Luft zog sie ihr Schwert. Entsetzt, ĂŒber diese wilde Kampfmaschine, stoben die Bandenmitglieder auseinander. Die HĂ€lfte von ihnen floh Ă€ngstlich zur SchĂ€nkentĂŒr heraus, die anderen zogen ihre Schwerter und versuchten den wilden Attacken der Kriegerprinzessin Paroli zu bieten. Xena war aber zu schnell und schaffte es immer wieder die SchlĂ€ge zu parieren und die Bandenmitglieder nach und nach auszuschalten.

Der Kampf war nur von sehr kurzer Dauer. Gabrielle stellte zufrieden fest, dass niemand durch Xenas Schwert gestorben war, die Klinge war unbefleckt.

Der falsche Joxer kam stöhnend wieder auf die Beine und wurde von Xena sofort wieder zu Boden befördert. Sie setzte sich auf ihn und band ihm die HĂ€nde zusammen. "Du gehst zum Scharfrichter! Soll er ĂŒber deine Taten befinden! Ich werde mir meine HĂ€nde nicht an Dir schmutzig machen." Sie zog den prall gefĂŒllten Geldbeutel von dessen GĂŒrtel und warf ihm dem Wirt zu. "Schau nach, ob dies fĂŒr die Rechnung und die Bestattung deiner Frau ausreicht!"

Der Wirt öffnete den Beutel und bekam erstmals wieder nach langer Zeit ein GlÀnzen in den Augen. "Es wird reichen..." meinte er zufrieden und meinte mit dankbarer Stimme. "Ihr seid heute meine EhrengÀste! Esst und trinkt soviel ihr wollt, es geht auf meine Rechnung!"

"Na, das ist doch ein Wort!" grinste Gabrielle, deren Magen schon mehrmals laut geknurrt hatte.

"Und ihn hier, den lassen wir zuschauen und bringen ihn morgen zum nÀchsten Gericht" ergÀnzte Joxer und war mit sich selbst zufrieden. Wieder einmal hatte er, der tapfere mÀchtige Joxer, der Kriegerprinzessin Xena hilfreich zur Seite stehen können.

 

Nach oben

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20230608071152dc71cac2
Platzhalter

Fandom:

Xena

Disclaimer:

Die verwendeten Charaktere unterliegen dem Copyright und sind der Serie "Xena" entnommen. Der Autor dieser Geschichte verwendet die Charaktere ausschliesslich zu privaten Zwecken und zieht keinen kommerziellen Vorteil hieraus. Weiterveröffentlichung, soweit kein Copyright-Einspruch des Urhebers vorliegt, oder vom Autor anders verfĂŒgt wurde, liegt ausschliesslich bei "FantasyGuide.de". Sollten dennoch Copyright-Verletzungen vorliegen, bitten wir um sofortige Benachrichtigung. SelbstverstĂ€ndlich wird "FantasyGuide.de" mit sofortiger Löschung der Geschichte auf Copyrightverletzungen reagieren.


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 22.07.2005, zuletzt aktualisiert: 04.10.2015 18:14