Die rote Halle von Karla Schmidt

Rezension von Christel Scheja

 

Karla Schmidt lebt heute mit ihrem Mann und zwei Kindern in Berlin. Geboren wurde sie 1974 in Göttingen. Nach einem Studium der Kultur-, Theater- und Filmwissenschaften arbeitete sie mehrere Jahre in diesem Bereich in Rheinberg, ehe sie ihre Liebe zum Schreiben entdeckte und mit Kurzgeschichten wie auch ihrem ersten Roman für Aufsehen sorgte. „Die rote Halle“ ist ihr zweites Buch.

 

Janina Zöllner hat das Engagement angenommen, als Kostümbildnerin bei der neusten Produktion des Starchoreographen Josef Rost mitzuarbeiten. Dieser hat sich in den Kopf gesetzt, das Ballett „Die roten Schuhe“ auf grausame und brutale Weise umzusetzen, die Zuschauer damit zu schocken und zu erstaunen. Als Höhepunkt soll ein Scharfrichter das Mädchen erlösen und ihm die Füße abschlagen – eine Maske, die auch sie vor Herausforderungen stellen könnte.

An ihrer Seite ist Simon, ihr sechzehnjähriger Sohn. Gemeinsam reisen beide am stillgelegten Flughafen Berlin Tempelhof an, wo der Event stattfinden soll. Doch dort erwartet Janina ein Schock, denn einer der Tänzer ist ausgerechnet Dave, mit dem sie einmal eine leidenschaftliche Affäre verband ... und von dem Simon stammt. Außerdem erweist sich Rost diesmal als besonders aggressiv und ist mit nichts wirklich zufrieden, was die Arbeit noch anstrengender macht.

Dann verschwindet plötzlich eine der Tänzerinnen, nachdem eine Umbesetzung für zusätzlichen Stress bei Cast und Crew gesorgt hat. Kurze Zeit später wird die junge Frau bestialisch ermordet aufgefunden. Und das ist nur der Anfang eines dramatischen Verwirrspiels, bei dem auch Simon verschwindet und vermutlich in die Fänge des psychopatischen Killers gerät.

Aber Janina ist nicht bereit, auf die Ermittler zu warten. Sie weiß, wenn sie ihren Sohn retten will, dann muss sie eventuell selbst zur Täterin werden.

 

Karla Schmidt führt die Personen auf den ersten fünfzig bis hundert Seiten erst einmal in Ruhe ein, um das Beziehungsgefüge zwischen ihnen aufzubauen. Besonders zwischen Dave, Janina und Josef Rost gibt es von Anfang an Spannungen, auch wenn bereits Simon und Janinas gute alte Freundin DeeDee mitmischen.

Man merkt, dass die Autorin hier ihre eigenen Erfahrungen aus der Theaterszene mit einbringt – denn auch wenn das Verhalten einiger Figuren sehr exzentrisch ist, bleibt es dennoch weiterhin nachvollziehbar und realistisch.

Mit fortschreitender Handlung verstrickt sich Karle Schmidt dann allerdings selbst. In ihrem Bemühen, die Spannung auf die Spitze zu treiben, schlägt sie mehrfach über die Stränge und sorgt für Chaos.

Die Handlung zerfasert zunehmen und einige der Charaktere handeln plötzlich ganz anders als man es von ihnen kennt.

Sie lenkt den Verdacht zwar immer wieder auf andere Personen, aber man nimmt ihr nicht wirklich ab, dass diese Schuld daran sind, verrät sie doch schon viel zu früh, wer eigentlich den Mord begangen hat und sich nun anschickt, weitere zu begehen.

Immerhin wird die Handlung nicht durch unnötige Beziehungsprobleme in die Länge gezogen, denn auch wenn diese eine wichtige Rolle spielen, so ist das Geflecht auch eng mit dem Fall verbunden.

Die Figuren selbst sind mäßig ausgearbeitet. Ihre Charakterisierung geht nicht in die Tiefe, reicht aber aus, um eine Bindung zum Leser zu schaffen.

 

„Die Rote Halle“ hat einen spannenden Anfang und ein interessantes Thema, allerdings zerfasert die Handlung nach dem ersten Drittel des Buches in viele verschiedene Stränge, die für Chaos sorgen und durch die entstehende Verwirrung das Lesevergnügen schmälern, da der Krimi undurchschaubar und teilweise sogar unverständlich wird.

 

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Eure Meinung:

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Michael
Montag, 16. Januar 2012 09:27 Uhr
Liebe Eileen,

ich denke, im vorliegenden Fall passt Leser und Buch einfach nicht zusammen und das kann man auch an der Kritik lesen.

Der Schreibstil von Karla Schmidt ist vollkommen in Ordnung.
Allerdings ist das Buch kein Thriller im gewöhnlichen Sinne sondern ein Buch über die Gesellschaft.
Gerade die Dreiecksbeziehung der Damen macht den Reiz des Buches aus. Die Brücke zwischen den 70/80er, der Musik David Bowies. Dazu eine gesellschaftliche Betrachtung verschiedener Lebensphilosophien und auch die Herführung, wie es zu diesen kam.

Das Kind auf der Treppe ist ein etwas andere Roman. Nichts für schwache Nerven, nichts für Leser, die gewöhnliche Kost vorfinden wollen.

Da ist der "Horroranteil" mit dem fünfjährigen Jungen. Da ist Berlin, mit einer Hommage an "Die Kinder vom Bahnhof Zoo" und da ist die Liebe zur Musik.
Und da sind Charaktere, die niemals einfach sind, deren Motivation aber zeigt, wie ein Mensch zu dem wird, was er ist.

Kein einfaches Buch, aber ein beeindruckendes Werk.

Als krankhaft würde ich es nicht bezeichnen.

Ich freue mich auf jeden Fall schon auf den Nachfolger.

Bis bald,
Michael

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Buch:

Die rote Halle

Autorin: Karla Schmidt

Piper, Januar 2012

Taschenbuch, 320 Seiten

 

ISBN-10: 3492272940

ISBN-13: 978-3492272940

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B006BAK56C

 

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zuletzt aktualisiert: 21.03.2019 12:28 | Users Online
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